Bange und schöne Momente beim Vinocamp Deutschland 2011

Es ist viele viele Jahre her das ich richtiges Lampenfieber verspürte, ca 20 Jahre würde ich sagen als ich Volkstheater spielte. Am Donnerstag vergangener Woche packte es mich wieder, ich war nervös ohne Ende, ich hatte definitiv Lampenfieber 🙂

Es gibt viele kleine Freuden und Ängste die mit einer solchen Veranstaltung einher gehen, einige sind doch so wichtig das ich sie gerne einmal öffentlich benennen möchte.

Der Moment nach der Vorstellungsrunde als wir zur Sessionplanung aufriefen ist so ein Moment den keiner braucht! Was passiert wenn niemand aufsteht um eine Session anzubieten? Diese bangen Sekunden des wartens bis tatsächlich der erste aufsteht, ans Pult tritt und seine Session erklärt und dann Bewegung in den Saal kommt und binnen Minuten unser Sessionboard voll ist mit fantastischen Sessions!

Ich hätte heulen können, eine große Hürde war genommen.

Erste Entspannung – wenngleich mir die knapp 300 Flaschen Wein in unserem Organisationsbüro doch noch etwas Unbehagen bereiteten …. Wie um Himmels Willen sollte das ablaufen was wir einfach einmal soziale Weinprobe nannten? Gabi Würtz war bereits mit Beginn der ersten Session am sortieren ich unterstütze wo ich konnte, denn irgendwie mußten wir ein wenig System in die Geschichte bringen und die Weißweine und Sekte so schnell wie möglich kühlen.

Ich bin der Meinung das Experiment “soziale Weinprobe” hat funktioniert! Wir haben viel darüber gelernt was möglich ist, welche Mengen zusammen kommen, welche Mengen tasächlich verkostet werden und wie die Abläufe sind. Ich denke da ist sehr viel Potential vorhanden um diese Art der Weinprobe weiter entwickeln zu können. Meine Bedenken die Weinverkostungszone könnte im totalen Chaos versinken war unbegründet, alles lief ruhig und harmonisch ab!
Vinocamp Deutschland 2011
Übrigens auch ein Beispiel wie sozial social media sein kann war der Samstag Abend als gemeinsam die Weinprobe und Gläser verräumt wurden, ruckzuck war alles verstaut und alle konnten zur Vinocampparty in der Weinbank.

Dann war da natürlich die große Frage ob auch wirklich alle angemeldeten Teilnehmer kommen würden. Das Thema No-shows machte dem Orgateam wirklich Angst. Wieviele würden uns im Stich lassen? Anmelden und dann einfach nicht kommen?
Kurzum, es waren einige die uns hängen liessen, viele die uns Essen bezahlen liessen obwohl es niemand brauchte. Viele die ohne ein Wort weg blieben und einen leeren Platz hinterliessen den sonst bestimmt jemand anderes eingenommen hätte. Aber, es ist kaum aufgefallen, denn es kamen auch Teilnehmer die nicht angemeldet waren und konnten so ein wenig ausgleichen. Am Sonntag allerdings ware es dann schon auffällig und deutlich ruhiger als noch am Samstag. Sehr viele Teilnehmer hatten wohl nie vor am Sonntag das Vinocamp zu besuchen
Wie wir mit dieser Problematik umgehen werden wir im Orgateam intensiv besprechen, dies ist ein Problem welches immer wieder auf Barcamps auftaucht, wir werden bereits beim Vinocam Deutschland 2 darauf reagieren.

Nach der letzten Session durfte ich dem Ahaerlebniss eines Teilnehmers beiwohnen und es war einer meiner schönsten Momente. Er war sichtlich beeidruckt davon wie unsere juristisch versierten Teilnehmer in dieser Session versuchten möglichst viele rechtliche Aspekte z.B. des blogges zu erläutern. Nur wenige Stunden zuvor saßen diese selbst noch in der Reihe und stellen Fragen zum Thema Weingärung und hörten fasziniert den Ausführungen der Winzer zu. Geben und nehmen, teilen, das ist social media im realen Leben, das hatte er gerade realisiert.

Auf Facebook und in Blogs wurde gefragt was hat diese Veranstaltung gebracht?
Mein Antwort dazu:
Vinocamp Deutschland hat sich in der Weinbranche etabliert. Mit den ersten 130 Teilnehmern hat sich das Vinocamp eine Basis geschaffen um zukünftig die wichtigste Schnittstelle zwischen realer Weinwelt und social media Weinwelt zu sein.
Wurde bei Vinocamp Deutschland 1 noch viel über die Form der Unkonferenz geredet und erklärt, wird es bei Vinocamp Deutschland 2 ausschliesslich um Inhalte gehen, denn Niemand muß mehr erklären wie eine Session funktioniert!

3 Comments

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3 Responses to Bange und schöne Momente beim Vinocamp Deutschland 2011

  1. Peter

    Wahre Worte!
    Die NoShows sollte man, sofern es leicht nach zu vollziehen ist einfach freundlich anschreiben. So habe ich es auch bei meinen Weinstammtischen gehalten und ganz schnell mehr Zuverlässigkeit bekommen.

  2. Lieber Thomas – wer Dich kannte (oder wie ich jetzt erst persönlich kennen gelernt hat) – weiß, dass diese Ängste zu Dir gehören – Du fühlst Dich eben immer voll verantworlich – und bringst ja auch seit Jahren bei vielen Aktionen des Wein-Webs mehr als vollen Einsatz! Aber Du hattest ja nicht nur eine tolle Mannschaft zur Seite (Gaby, Dirk, Susanne, Britta, Lukas, das gesamte Geisenheimer Campus-Team und viele, die ich jetzt sicher vergesse, weil nach so vielen neuen Gesichtern mein Namensspeicher auf overflow steht…;-) – sondern, wie Du ja dann sehen konntest, auch all die spontanen Helfer unter den Teilnehmern, die dort anpackten, wo Not am Mann war – es reicht ja oft ein kleiner Hinweis, eine Frage, um auf einen Engpass aufmerksam zu machen – und mit vielen Händen geht halt alles einfacher und mit guter Laune von der Hand.

    Wenn das etwas ist, das Du, wie wir alle, vom 1. Vinocamp mit nach Hause nimmst, dann ist wirklich schon ein großes Ziel erreicht: teilen ist alles: Wissen, Erfahrungen, Quellen, Tips, Beziehungen und auch mal die praktische Arbeit – Konkurrenzdenken hat hier keinen Platz, aber die meisten, die das immer noch nicht begriffen haben, waren wohl auch von vornherein nicht gekommen.

    Dass der eine oder andere vorzeitig abreiste kann tausend individuelle Gründe haben – ich nehme jetzt einfach mal an, dass die, die nach dem eigenen Auftritt kein Interesse am weiteren Verlauf mehr hatten, wirklich in der Minderheit waren (wenn’s sie überhaupt gab;-). Wer aus oft familiären Gründen und mit langer An- und Abfahrt am Sonntag früher aufbrach, drückte darüber meist sein großes Bedauern aus. Ich verstehe das Problem mit der Essensplanung und -Abrechnung, aber das ist wohl immer schwer zu 100% in den Griff zu bekommen (es sei denn, jeder bringt seinen Picknickkorb für die 2 Tage mit, und zum social Wein-Tasting kommt das social-food-sharing, das bei uns in Frankreich “Auberge Espagnole” heißt und sich auch bei größeren Teilnehmerzahlen immer schon bewährt hat:-).

    Die inzwischen einlaufenden Beiträge zum Vinocamp finde ich alle interessant – durchweg positiv und enthusiastisch, aber teilweise auch reich an Anmerkungen, die die Themen weiter bringen oder die Organisation zukünftiger Sessions positiv beeinflussen könnten: weg vom Frontalunterricht und hin zum echten Wissens- und Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe. So ein wenig ist eine Vinocamp-Session auch permanentes Brainstorming und eben kein Fernsehkonsum aus dem Sessel. Zu bedauern ist immer, dass man sich nicht vierteilen kann, um an parallellaufenden Sessions gleichzeitig teilzunehmen.Ich habe – als fliegender Berichterstatter- versucht,mich durch die verschiedenen Sessions zu zappen – mit mehr oder weniger Erfolg, gerade da, wo ernsthaft diskutiert und ausgetauscht wurde. Etliche “Vortragende” haben ja auch gelernt, dass bei einem wachen und interessierten Teilnehmerkreis eben kein Publikum vor dem Redner und seiner Power-Point-Präsentation sitzt, sondern durchaus kompetente Gesprächspartner, deren Mosaik eigner Erfahrungen und auch oft Spezialkenntnisse nurdarauf wartet, in den Fienst aller gestellt zu werden.

    Ich warte noch auf einen Bericht über den Verlauf und die Perspektiven des Workshops für Winzer, den ich leider nicht gesehen habe. Her ging es ja wohl auch darum, Angst vor (ja in der Praxis gar nicht so hohen) Technikbarrieren abzubauen und Mut zum Sprung ins gar nicht so kalte Wasser zu machen.Das geht, wie immer in pädagogischen Situationen ja bekanntlich am Besten, indem man die Teilnehmer erkennen lässt, welche Trümpfe sie schon alle in der Hand haben und welche Hürden sie leicht nehmen können, wenn sie das bereithalten, was auch der klassische off-line Winzer immer schon brauchte: eine Vorstellung davon, was die Weinliebhaber (seine potentiellen Kunden) von ihm erwarten, nämlich Authentizität und Übereinstimmung mit seinem Produkt, dem Wein, Lust, Passion für seinen Beruf und Lust, diese mit anderen zu teilen (ohne gleich einen Hochschulkurs abzuhalten), ein offenes Ohr für Fragen und Kritik und die nötige Zeit für diesen Dialog – so wie es auch auf jedem Weinfest oder jeder Weinmesse ja schon immer von ihm erwartet wurde. Ob man das dann gleich mit einem Onlineshop verbindet oder ob man in einer Region lebt, die touristisch interessant genug ist, um eher auch den Direktverkauf aus dem Verkostungslokal zu setzen, ist dann ja erst der Zweite Schritt, der eben von der individuellen Situation (und Arbeitskraft) abhängt. Aber den Schritt zum eigenen Blog , auf dem der Winzer erst mal sagen kann,dass er exitiert, sollte man auf jeden Fall ermutigen und auch machen. (il ne suffit pas de savoir faire – il faut aussi le faire savoir – heißt es bei uns – und das gilt ja nicht nur für Wein…:-).

    Also, keine Bange mehr beim nächsten Vinocamp – wenn alle teilen, ohne herrschen zu wollen, kann es nur positiv weiter gehen:-)! Für den geleisteten ersten Schritt: nochmal Danke, Danke, Danke:-)1

  3. Hallo Thomas,

    ich bereue es keinesfalls, mich auf das Experiment Vinocamp – einmal quer durch Deutschland eingelassen habe, auch wenn ich kurz nach 15 Uhr und damit eine Stunde zeitiger als laut Veranstaltungsplan aufbrach, um den Rückweg in den tiefen Osten anzutreten – Hätte man mir vorhergesagt, dass ich eine Stunde bei Erfurt im Stau stehen würde, hätte ich mir gern auch noch die letzte Session gegönnt…

    Auf jeden Fall war es ganz toll, was Ihr auf die Beide gestellt habt, um es mit uns allen durch zu ziehen.

    Schade nur, zu hören, dass doch einige angemeldete Leute wegblieben, wie es aussah, ohne rechtzeitige ordentliche Abmeldung.

    Ich habe selbst genug Veranstaltungen organisiert, um zu wissen, dass es immer Leute gibt, die Unverbindlichkeit und Unzuverlässigkeit als einen großen Teil und sogar als wichtiges Gut des Begriffes Freiheit verstehen. Wenn es nichts kostet, komm ich nur, wenns nicht regnet…

    Irgendwer nannte dieses Verhalten im Vorfeld asozial – und ja, ich kann die Organisatoren mit diesem harten Wort vollauf verstehen.

    Wie kann man dem begegnen? Ich hab selbst noch keine weise Antwort darauf gefunden. Zum Einen will man den Leuten durch all das Sponsoring eine gute Veranstaltung bieten, die für die Teilnehmer mit Ausnahme der Reisekosten und einiger Flaschen Wein als Mitbringsel kostenlos ist, zum anderen müssen Kosten bezahlt werden, gegen die keine Leistung steht, nur weil jemand meint, er hätte sich geirrt und habe doch keine Lust mehr auf die Veranstaltung. Ob nun mit “Ausrede” oder klar als “keinen Bock” definiert, das macht den Kohl nicht fetter als er ohnehin schon ist…

    Nur genau jene Leute wissen natürlich auch nicht, was sie eigentlich alles verpasst haben.

    Beste Grüße aus dem verregneten Bernburg an der Saale

    Torsten

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