Blogdepression – in eigener Sache

So könnte man es nennen, anders kann ich die lange Pause auch nicht erklären.

Zum einen hat mich DIESES Projekt mehr beschäftigt als gedacht, zum anderen hat mir der Winzerblog auch ein paar Probleme beschert die es aufzuarbeiten gilt.

Probleme? Ja, Probleme der Art, das viele offensichtlich nicht bereit sind zu verstehen, das ich mich am Feierabend an den PC setze und einfach blogge was mir in den Sinn kommt. Offensichtlich haben nicht alle Spass daran, das bekommt man dann urplötzlich im Geschäft zu spüren. Natürlich im Geschäft, denn warum auch immer, obwohl immer von mir betont, blogge ich hier auschschliesslich meine eigene Meinung und nicht die eines Weingutes, also der meines Arbeitgebers.

Wenn ich der Meinung bin, das in einem fantastischen Restaurant alles Super ist, ich dies auch so schreibe und nur bemängele das es dort keinen von mir produzerten Wein gibt, kann ich nicht verstehen, das das dann als ungerechtfertigte Kritik eines Weingutes abgetan wird und eine Geschäftsaufnahme verhindert.

Andere Probleme brauen sich ebenfalls zusammen am Horizont, weil ich mich einmal dazu hinreissen ließ einen Korkproduzenten für eine wirklich fixe Lieferung zu loben, rufen die anderen gleich an um mir mitzuteilen das sie dies ebenso fix zustande bringen könnten. Hier wird offensichtlich die Aussenwirkung des Winzerblogs überschätzt.

Oder letzte Woche, hatten wir Besuch, wenn wir nun zu viert eine Diskussion führen und der Vierte in der Runde partout keine Notiz von mir nimmt, meine Fragen einfach ignoriert, meine Argumente nicht zur Kentniss nimmt, mir ständig ins Wort fällt und alles tut um mir nicht in die Augen schauen zu müssen, hat dies entweder den Grund das er mich für einen Penner halten mag, oder er sich in irgendeiner Weise durch den Winzerblog angegriffen fühlt. Ich hoffe ersteres, fürchte allerdings es ist das zweite. Die Person ist so respektabel, das ich erst gar nicht wage anzudeuten um wen es sich handeln könnte.
Normalerweise wäre mir das alles völlig egal, aber, wenn es Nachteile für mein unbeteiligtes Umfeld bringt, muss ich überlegen ob ich das richtige tue. Das mache ich derzeit.
Möglichkeiten der Konsquenz gibt es viele, ich könnte überlegen ein bischen “anonymer” zu bloggen, also absolut keine Verbindungen zu meiner Arbeit herstellen, wenn ich über Filtration schreibe, schreibe ich nicht über die Filtration eines bestimmten Weines, sondern nur noch über die Filtration von Wein im allgemeinen, ohne direkten Bezug in “meinen Weinkeller”. Die andere Möglichkeit wäre die, gar nicht mehr über die Arbeit zu bloggen, sondern nur über Wein im Sinne eines Wikis. Wäre auch denkbar, macht mir aber keinen Spass.

Ergo: Ich muss mit Erschrecken feststellen, selbst eine kleine unbedeutende Wurst wie ich es bin, ist offensichtlich nicht frei und unabhängig genug, das zu schreiben wonach mir der Sinn steht. Dabei habe ich das Glück, einen Arbeitgeber zu haben, der das wohl lockerer sieht als ich es tue.
Ich fahre in Kürze in einen fantastischen leider viel zu kurzen Urlaub und werde mir dort einige Gedanken zu diesem Thema machen.

In der Zwischenzeit erscheinen einige hoffentlich unverfängliche Artikel, diese fantastische Blogsoftware erlaubt Artikel auf Vorrat zu schreiben 🙂

10 Comments

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10 Responses to Blogdepression – in eigener Sache

  1. Hmmm, ich denke, da kommen Probleme mit Leuten hoch, die sowieso hochkommen würden, früher oder später. Das Blog ist bestimmt nicht die Ursache, nur der Auslöser.
    Ansonsten: Was kannst Du denn dafür, wenn andere spinnen? Das muß man sich in einem Beruf mit viel Publikumsverkehr (ich mein jetzt nicht speziell Deinen Beruf, sondern allgemein) immer vor Augen halten.

  2. winefine

    Das ist immer das Problem der Öffentlichkeit, auch wen ich persönlich gerne Kritiken und offene Worte lese sind die Abhänigkeiten in der Weinszene doch so verzweigt das ich mich auch zurückhalten würde. Genau so halte ich es bei mir, auch ich arbeite für ein Weingut und um keine Wellen zu schlagen bleibe ich lieber Anonym. Das fällt mir aber schon manchesmal sehr schwer wen ich wiedermal irgendwo “weinigen Müll” von Kollegen oder Schreiberlingen lese. Z.B. dieses von Kollegen von der Donau: http://landwein.wordpress.com/2006/05/13/codex-wac...

  3. @violine
    So wie manche Leser das Blog überschätzen, überschätze ich vermutlich ebenfalls dessen Wirkung. Wahrscheinlich hast du Recht, der Winzerblog ist nicht Ursache, sondern Auslöser. Guter Gedanke, den ich gerne Aufnehme.

  4. @winefine
    Tatsächlich habe ich mich mit Journalisten noch nie auseinandersetzen müssen, glaube aber doch, das man mit ihnen bei einem Glas Wein eventuelle Probleme lösen könnte. Ganz anders jedoch auf Behördlicher Seite….

  5. Blogs sind halt auch eine Art der Kommunikation. Ich denke, wenn man das nicht als Einbahnstraße begreift, sondern als Miteinander, dann kommt man miteinander ins Gespräch. Und selbst wenn einer ranzig reagiert, dann weiß man doch, daß es da ein Problem gibt. Ich denke, irgendwann ergibt sich dann die Gelegenheit, über das Problem zu reden.

  6. Jedenfalls erklärt mir das, warum es hier eine so lange Sendepause gab – ich war schon um Ihre Gesundheit besorgt…

    Solche Animositäten sind blöd, aber wohl unvermeidlich – ohne die Bedeutung unserer Blogs zu überschätzen, werden sie halt doch gerade von “Kommunikationsorientierten” Mensche gelesen – und unter denen gibt es viele, die recht empfindlich sind.

    Ich bin in Lisson in Weinberg und Keller mein eigener XChef – und auch in meinem Blog – also könnte ich ohne Rücksicht auf Verluste meine Meinung sagen und schreiben – tu ich auch oft genug.

    Aber Kritik übe ich schon weniger, als mir spontan in den Sinn käme. Die französische Winzerblogszene ist belebter als die deutsche

    (siehe http://www.chateauloisel.com/annuaire-vin/notes-bl...

    und wir lesen uns (auch dank solcher blognewsadressen)gegenseitig – das merkt man an bei Kollegen aufgegriffenen Themen oder Links und Kommentaren – diese Verbindung empfinde ich aber eher als positiv.

    Schwieriger ist die Teilnahme an Diskussionslisten, die ja eher von Weinliebhabern und Laien geführt werden. Meist gilt es, krampfhaft Anspielungen auf eigene Erfahrungen beim Weinmachen zu vermeiden, da das leicht von irgendwelchen schlechtgelaunten Mitmenschen als Werbung aufgefasst wird. Für mich mit ein Grund, den Blog anzufangen, da ich es eigentlich logisch finde, dass man am besten von eigenen Erfahrungen ausgeht und damit zwangsläufig als Winzer eben auch von seiner Praxis und seinen Produkten redet, die man schließlich als einziger “wirklich” kennt.

    Ihnen aber erst mal vielen Dank für diesen interessanten Blog und genug Mut, ihn in gewohnter Weise weiter zu führen – u.a. im Interesse Ihrer inzwischen treuen Leserin aus Südfrankreich.

    Herzlichst

    Iris

  7. Ich würde es bedauerlich finden, wenn es diesen Blog nicht mehr geben würde.
    Das ist halt das Problem mit Meinungsfreiheit oder Freiheit im allgemeinen. Es wird immer Personen geben die sich daran stören, oder es verbieten möchten weil es ihre “Geschäfte” behindert.

  8. Pingback: roxomatic

  9. Pingback: fukkle bim jerry » Blog Archive » Unternehmensblog angenommen

  10. Pingback: www.best-practice-business.de/blog » Vielen Dank an den Winzerblogger Thomas Lippert