Darf eigentlich jeder ein Weinbuch schreiben? Auch Winzer und Kellermeister?

Winzer und Kellermeister die ein Buch schreiben? Das klingt im ersten Moment ein bischen sonderbar, sind doch Winzer, bzw deren Weingüter normalerweise Gegenstand vieler unzähliger Bücher in denen über sie berichtet oder gerichtet wird. Die Ergebnisse sind wie beim Wein, manches mal begeisternd und fantastisch, manches mal unterirdisch, lieblos und schlecht. Alles scheint möglich.

Aber lassen wir doch einmal für einen Moment die professionellen Buchautoren und Weinschreiber aussen vor. Wer wäre ausser denen wohl in der Lage eine Weinregion am besten zu beschreiben?

Wer kennt denn bis ins kleinste Detail bis hin zum Geschmack die Böden auf denen die Reben wachsen? Wer kennt die Senken in denen die Kälte hängt oder sich die Hitze staut? Wer erkennt mit einem Blick zum Himmel was das Wetter die nächsten Tage in der Region bringen wird? Wer kennt die verwinkelten Wege der geheimnisvollen Wasserströme tief unter dem Rebland? Wer kennt die Flora und Fauna einer Region zu jeder Tageszeit? Wer kennt die Menschen seiner Region wenn sie feiern und trauern? Wer kennt den stets aktuellen Winzertratsch? Wer kennt von jedem Stückchen Weinberg die Besitzer der letzen Hundert Jahre und kann sagen was dort gewachsen ist? Wer kennt die regionalen Genusshandwerker wie Köche, Bierbrauer, Metzger und Bäcker? Und wer kann am besten erklären warum der Wein der Region so schmeckt wie er schmeckt?

Es sind die Winzer und Kellermeister!

Dann schreiben wir doch das Buch über unsere Weinregionen?

Meine Weinregion wäre dann übrigens der Bodensee …

Inspiriert zu diesem Artikel wurde ich übrigens durch Ryan O’Conell, einem jungen winemaker aus dem Languedoc der excellenten Wein macht, gerne darüber schreibt und seine Leidenschaft für seine Region efenfalls über das Internet mit uns teilt. Sein neuestes Projekt ist ein Buch genau so eines wie von dem hier im Artikel die Rede ist!

Aber das kann ja jetzt nicht wirklich neu sein? Es gibt doch ganz bestimmt schon solche Weinbücher in Deutschland?

5 Comments

Filed under Wein in den Medien

5 Responses to Darf eigentlich jeder ein Weinbuch schreiben? Auch Winzer und Kellermeister?

  1. und genau darum geht es: kleine, kaumbekannte Weinbaugebiete vorzustellen, die in den üblichen Weinbüchern und Weinführern meist nur mit ein paar Zeilen abgefertigt werden – wie es uns Ryan O’Connell in seinem Beispiel über die Weine aus Carcassonne schon vorführt.

    Wer weiß denn, selbst in Frankreich, wo genau Cabardès liegt, und was seine Appellation und die Weine auszeichnet, was die Besonderheit der Weine von den Côtes de Tongues, des Lac de Salagou oder gar die Vins de Pays de la Haute Vallée de l’Orb gemeinsam haben, wo sie wachsen und warum, und wer sie hegt und pflegt… und so ließen sich tausende Beispiele, sicher auch in anderen Ländern, finden. Also packen wir es an, legen wir unser Wissen zusammen – und wer sagt denn, dass Winzer nicht schreiben können, schließlich haben wir schon seit einigen Jahren Gelegenheit, im Inernet zu üben und bestimmt gibt es in jeder kleinen Region auch noch schlummernde Talente, die man, genau wie so manche Weine, erst noch entdecken muss:-)! Packen wir es an – es gibt viel zu tun:-)!

  2. Ich finde auch daß gerade die kleinen oder weniger kleinen Winzer, die die Region wie ihre Westentasche kennen, optimal geeignet sind, über ihre Region und ihren Wein ein Buch zu schreiben.

    Wenn es mit der Schrieberei, bzw. dem Stil nicht ganz so klappt – das ist weniger kompliziert als man glaubt und viel schwieriger als man denkt, Iris – da gibt es bestimmt willige “GhostwriterInnen” die liebend gern eine helfende Hand an die Feder legen würden.
    Solltet ihr so einen Weinführer verfassen, ein Exemplar ist dann schon an mich verkauft 😉

  3. Hallo Thomas!

    Ich habe vor gut gut 10 Jahren ein kleines Büchlein (ca. 50 Seiten A5, sw-kopiert und geheftet) über den Cabernet Sauvignon geschrieben und zwei-, dreihundert davon verkauft (allerdings zu einem sehr bescheidenen Preis, denn es ging mir eher um den Werbeeffekt).

    Das kam damals gar nicht schlecht an und hat mir einige Zeitungsmeldungen beschert. Für eine ernstzunehmende Reichweite müßte man die Sache aber sicherlich professioneller angehen, vor allem was die grafische Gestaltung und den Vertrieb/Verlag betrifft.

    Aber ein guter Aufhänger wäre “Der Winzer schreibt…” schon.

    Grüße

    Bernhard

  4. @Bernhard
    Wenn du das Buch nicht merh vertreibst, bzw du alleiniger Entscheider bist, wäre es eigentlich toll dein Buch als E-Book anzubieten? Ich würde dich gerne auf der Frankfurter Buchmesse auf den diversen Lesergeräten probelesen! Den von dir genannten Werbeefekt kannst du evtl. nochmal erzielen!!
    Und dann ein Buch über Leithaberg wäre auch was tolles 🙂
    Das alles zusammen ergäbe auch eine schöne Buchserie.
    Ich höre aus so mancher Ecke das Gehirn rattern

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