Das erste Mal

In diesem Jahr werde ich das erste Mal einen leeren Weinkeller erleben. Das freut mich ausserordentlich, denn sind wir doch einmal ehrlich, mit einem leeren Weinkeller im Rücken läßt sich Wein viel entspannter verkaufen als umgekehrt, aber natürlich birgt es auch einige Risiken.

Als ich Lehrling war wurden gerade Deutschlands Weinkeller mit den Jahrgängen 1982 und 1983 zugeschüttet. Ich würde einmal behaupten es dauerte 10 Jahre bis auch die letzte Flasche dieser Jahrgänge getrunken war. Begleitet wurden diese Jahre durch den Zusammenbruch der Weinmärkte z.B. wegen Glycolpanscherei und auch der Verweigerung der Kunden weiterhin Ruländer zu kaufen oder generell für schlechten Wein Geld zu bezahlen

Die 90er Jahre waren wechselhaft, der Stern des Rotweines stieg in Deutschland unaufhaltsam auf. Das ging Auf Kosten von Millionen Litern Müller-Thurgau,Kerner oder auch Riesling, sowie vieler anderer weisser Weinsorten. Weisswein war problematisch in der Vermarktung. Nicht wenige Betriebe versuchten im Weinverkauf den Absatz in der Art zu steuern das Rotwein nur dann verkauft wurde, wenn bei Abnahme eines Rotweines auch ein Karton Weisswein den Weg in den Kofferraum fand.

Mit dem 97er Jahrgang würde ich nun einmal behaupten wurde der Klimawandel und die Umstrukturierung Deutschlands Weinberge bemerkbar und es ging stetig bergauf. Zugegeben, immer noch mit dem Zugpferd Rotwein. Von Überproduktion gebeutelte Regionen konnten sich z.B. dank des Dornfelders gesunde Strukturen schaffen die inzwischen voll greifen. Der Wechsel des Marktes zu einer leichten Präferenz hin zum Weisswein erledigt den Rest um auch die letzten Bestände aus Deutschlands Weinkellern rauszuschaffen.

Wie auch immer, für uns als junger Betrieb der erst wenige Jahre am Markt zugange ist, ist es auch einmal schön wenn von Bestandsseite her kein Druck zu verspüren ist.

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