Delikater Fund, oder besser: das Ding

Von weitem, aus meinem Büro heraus, bekomme ich erst einmal nur mit, dass soeben die Abfüllanlage gestoppt hat.

Wenige Minuten später steht der Abfüllmeister vor mir im Büro und stellt mir eine augenscheinlich leere Flasche auf den Schreibtisch. „Wie kann denn so was passieren?“, fragt er mich, „Das gibt es doch gar nicht!“, und er ist kurz davor, die Fassung zu verlieren.

Ich verstehe immer noch nicht, was er will. Wieder nimmt er die Flasche in die Hand, um sie mir erneut auf den Tisch zu stellen.

In diesem Moment überschlagen sich in meinem Kopf die Ereignisse. Zum einen registriere ich: die Flasche ist nicht leer, zwar gespült, aber mitnichten leer. Zum anderen versuche ich zu erkennen, was sich da in der Flasche befindet. Je mehr mir klar wird, was es sein könnte, desto tiefer bereue ich, in der Frühstückspause zwei Brötchen gegessen zu haben. Die wollen umgehend wieder raus – sofort!

Also überwinde ich mich, versuche, cool zu bleiben und frage den Abfüllmeister, ob dies irgendeine Art von Scherz sei – in dem Sinne, dass das, was da in der Flasche ist, doch wohl ein Scherzartikel sein muss, oder etwa nicht?!

Langsam versammelt sich auch das restliche Abfüllpersonal vor meinen Schreibtisch und eine Mischung aus Unglauben, Belustigung und Bestürzung macht sich breit.

Ist es wirklich das, was wir alle glauben? Kann es tatsächlich ein Penis sein??

Wie kommt der in eine Literflasche? Wem fehlt dieses wertvolle Stück? Ist das ein Scherzartikel, oder ist er gar echt?

Ich bin definitiv überfordert, greife zum Telefon und rufe unseren Chef. Der kommt sofort, ihm geht’s jedoch ähnlich wie mir, auch er verfällt in ungläubiges Staunen. Aber – darum ist er Chef – er gibt sofort Anweisungen, dass die Arbeit weiter gehen muss und wir erst einmal die Polizei verständigen. Schließlich muss es ja irgend jemanden geben, der dafür zuständig ist zu überprüfen, ob dieses „Ding“ echt ist oder nicht.

Um die notwendigen Telefonate zu führen, geht er in sein Büro – die Flasche jedoch hat er bei mir stehen lassen, direkt auf meinem Schreibtisch. Bei allem guten Willen: ich kann wirklich nicht sagen, ob das Ding echt ist oder nicht. Ich bin nur froh, dass sich kein Etikett mehr auf der Flasche befindet, man stelle sich vor: Eine Zeitung lichtet so etwas ab, womöglich mit dem Bild eines Angestellten, vielleicht gar von mir? Gott bewahre!!

Eine Stunde später steht die Polizei da und nimmt das „Ding“ mit. Auch die Polizisten sind nicht in der Lage zu bestimmen, ob es wirklich das ist, was wir alle glauben. Also entscheiden sie kurzerhand, das Corpus delicti mitzunehmen und an das Polizeilabor zu übergeben, so wird man bald wissen, was Sache ist.

Delikater Fund, oder besser: das „Ding“

Was es war?

Zwei Tage später kam der Anruf: bei dem Gebilde handele es sich um einen Pilz (Namen und Gattung habe ich vergessen), der rein zufällig zu einer solchen Form gewachsen sei. Wie man uns weiter mitteilte, werde das „Ding“ konserviert, um eventuell für Schulzwecke zur Verfügung zu stehen.

Dem Himmel sei Dank!!!

Ich habe mich nicht einmal getraut zu fragen, welcher Art von Schulung ein solches „Ding“ nützlich sein könnte…

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