Der Chemische Fingerabdruck des Weines

Ich denke mit dieser interessanten PR Meldung “Der Chemische Fingerabdruck des Weines” bekommen wir einen Blick in Zukunft der Weinanalytik und können ahnen was in diesem Bereich alles Möglich sein wird. bzw schon Möglich ist. Das die moderne Weinanalytik die handwerkliche Produktion eines Weinbaubetriebes längst überholt hat dürfte ja inzwischen jedem klar sein:

In einem ersten Experiment wurden die vier Weinsorten Cabernet-Sauvignon, Carmenère, Merlot und Syrah aus vier verschiedenen Weinanbauregionen Chiles, aus den Jahren 2004 bis 2006 und in drei unterschiedlichen Qualitäten (die von Experten der jeweiligen Weingüter in hoch, mittel und niedrig eingestuft worden waren) untersucht. Bei der Analyse der ungefähr 400 Flaschen sortenreinen, chilenischen Rotweins, kommen erstmals, bei Untersuchungen an Weinen, ultrahochauflösende analytische Verfahren gepaart mit innovativen statistischen Methoden zum Einsatz. Sie vermitteln einen Überblick über die Inhaltsstoffe und deren Mengen in bisher nicht gekannter Präzision. Die dabei anfallenden großen Datenmengen wurden durch bioinformatische Verfahren analysiert, die es ermöglichen, charakteristische Stoffverteilungen, auch unbekannter Stoffe, zu erkennen und die typischen Verteilungsmuster zu entdecken. In der Inhaltsstoffanalytik ist das Potsdamer Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie eines der weltweit führenden Institute.

Wer braucht so etwas?

Wer definiert was typisch ist?

5 Comments

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5 Responses to Der Chemische Fingerabdruck des Weines

  1. Gottfried Plehn

    Kleine Anmerkungen: im engeren Sinne ist das keine “PR-Meldung”, sondern ein Bericht über eine wissenschaftliche Veröffentlichung dieses Instituts. Brauchen kann das vermutlich z.B. ein Lebensmitteluntersuchungsamt, das sehen will, ob der Wein tatsächlich die Rebsorte enthält, die draufsteht. Was “typisch” ist, definiert kein Mensch, sondern das ist das Ergebnis der Untersuchung: diese Rebsorte produziert diese Inhaltsstoffe, eine andere andere Inhaltsstoffe (bzw. deren Muster, die offenbar komplex berechnet werden). Das alles nur vorläufig, ohne den Original-Text gelesen zu haben. Ich bin Lebensmittelchemiker und Mitarbeiter der Max-Planck-Gesellschaft, allerdings nicht des Instituts in Potsdam.

  2. tja, ich glaube halt das es auch natürlich bedingte Abweichungen von “typisch” geben wird und dadurch enorme Probleme auf die Winzer zukommen. Wer will die 100%ige Sortenreinheit eines Weinberges garantieren?
    Der Kontrollwahn des Menschen führt mehr und mehr zur Absurdität. Statt unbekannte Substanzen zu messen, wäre es spannender zu bestimmen um selche Substanzen es sich handelt?

  3. Gottfried Plehn

    Ich habe nach wie vor weder die Presse-Information noch die Originalarbeit gelesen, daher nur vermutend: Stelle diese Fragen doch Frau Ross-Stitt, die Presse-Beauftragte des Instituts. Die haben offenbar eine Art Forschungsauftrag vom chilenischen Weinverband erhalten. Von so einer Arbeit bis zu irgendwelchen Vorschriften oder Testverfahren, die von Behörden angewandt werden, dürfte es ein WEITER Weg sein. Das MPI für molekulare Pflanzenphysiologie in Golm/Potsdam ist auch alles andere als ein Wein-Experte.

  4. Gottfried Plehn

    Jetzt gibt es zum gleichen Thema noch einen Artikel in den Potsdamer Neuesten Nachrichten:
    http://www.pnn.de/campus/375570/

  5. Typisch ist gut. Ich bin “Referenzbetrieb” bei der Weinkontrolle. Jeden Herbst werden Proben gezogen und analysiert. Gilt aber nur sehr begrenzt und regional. 5 km weiter sehen die Analysen schon ganz anders aus. Ist halt ein Naturprodukt und hier an der Mosel gibt es jede Ecke weiter ganz andere Analyseergebnisse. Ob das ganze justiziabel ist oder nur als Anhaltspunkt für Weinfälschungen dient, ist mir nicht bekannt.

    Kontrolle ist gut! Aber mangels Kontrolleuren wird leider zu wenig kontrolliert. Nur die Politiker schaffen es, mit jeden Skandal, neue Gesetze zu schaffen, die schärfer werden. Dabei hinterfragen sie nicht die Kontrollierbarkeit und die Personalfrage. Das ganze endet in fürchterlich aufwendigem bürokratischen Unsinn, der uns Praktiker von der Arbeit, von der wir eigentlich leben fernhält.

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