Do you speak English?

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 11 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Ich habe mich die letzten Wochen des öfteren gefragt, warum bei uns im Weingut plötzlich an allen Ecken und Enden Englisch gesprochen werden muß. Von jetzt auf Nachher haben wir ein internationales Publikum bei uns im Weingut wie wir es noch nie hatten.

Aber warum?

Lange Zeit vermutete ich das im Amerikanischen Headquarter irgendwo im Intranet der Tipp kursiert das man bei uns Englisch kommunizieren kann. Mit auftauchen anderer Nationalitäten erledigte sich das, der nächste und auch bestätigte Verdacht war der, das die Hotels die wir beliefern ihren Gästen entsprechende Tipps geben. Das hat sich auch bei vielen vornehmlich kleineren Reisegruppen bestätigt.

Das hat vor allem bei uns im Verkaufraum zu einem intensiven Sprachtraining für alle im Weingut anwesenden geführt, ein Sprachtraining das kein Kurs besser hätte leisten können. Inzwischen fühlt sich kaum mehr jemand unwohl wenn er Englisch sprechen muß. Es wird zur Routine, die sich für uns nur zum Vorteil gestalten kann. Übrigens ist die Hemmschwelle für Opas und Omas Englisch zu sprechen deutlich niedriger als für die Enkel, die ja täglich in der Schule Englisch pauken, die verdrücken sich lieber 🙂

Andere Länder andere Sitten

Das ganze bringt natürlich auch Probleme mit sich, die wir noch nicht gelöst haben. So ist bei uns in Deutschland ein Verkaufsraum ein Raum in dem man vor dem Weineinkauf die Weine probieren kann. In den USA ist der gleiche Raum ein Winetastingroom wo man Wein probiert, sich informiert und dann wieder geht ohne zu kaufen. Da guckt man schon mal komisch, wenn es nach einer ausgiebigen Probe einen Händedruck und ein Tschüss gibt und nicht mehr.
Für dieses probieren und informieren sind Ausländer gerne bereit zu bezahlen, was für einen Deutschen unüblich wäre. Hier müssen wir uns für die Zukunft etwas überlegen, dem Umstand das wir in einer touristisch hochfrequentierten Stadt liegen muss irgendwie Rechnung getragen werden.

Reisegruppen

Den Umstand das wir inzwischen häufig für Englischsprachige Weinproben gebucht werden verdanken wir der hiesigen Touristikwerbung, die uns offensichtlich gerne emfpiehlt, denn an Englischsprachiger Fachkompetenz mangelt es wohl an allen Ecken und Enden. Ich mache gerne Weinproben in Englisch, aber auch hier muß man sich nach dem Sinn hinterfragen. Wir verstehen eine Weinprobe auch als Marketinginstrument das sich z.B. erst beim nächsten oder übernächsten Besuch eines Teilnehmers in der Stadt auszahlen kann. Die Kalkulation einer Weinprobe trägt auch dem Umstand Rechnung, das Nachfolgegeschäfte erwartet werden.
Aber bei einem Gast aus Uruguay funktioniert das nicht, der will einfach einen Abend lang Spass und Unterhaltung haben. Hier wird der Winzer plötzlich zum Unterhalter, der seine Unkosten abrechnet und ansonsten viel Zeit in eine Sache investiert, die sich nie auszahlen kann. Auch hier ist die Überlegung angebracht wie zukünftig mit solchen Events umgegangen wird.
Wenn uns etwas entsprechendes dazu einfällt werde ich darüber berichten 🙂

2 Comments

Filed under Im Weinladen

2 Responses to Do you speak English?

  1. Guido

    Und nochmal ich:
    „Da guckt man schon mal komisch, wenn es nach einer ausgiebigen Probe einen Händedruck und ein Tschüss gibt und nicht mehr.
    Für dieses probieren und informieren sind Ausländer gerne bereit zu bezahlen, was für einen Deutschen unüblich wäre.“

    Ich finde bezahlte Proben eigentlich nicht schlecht – befreit es mich doch aus der unangenehmen Situation, möglicherweise nichts wirklich Überzeugendes probiert zu haben, aber aus schlechtem Gewissen ein paar Alibi-Flaschen zu kaufen. Und aus Winzersicht: Du erhältst wahrscheinlich ein ehrlicheres Feedback von Leuten, die für die Probe bezahlt haben. Wenn man bezahlt, fühlt man sich auch dazu berechtigt, Ansprüche zu stellen, Kritik zu formulieren, vielleicht auch genauer zu sagen, welche Art von Weinen man jetzt probieren möchte.
    Selbstverständlich sollte dann natürlich eine Anrechnung der Probengebühr stattfinden, ggf. ab Mindestkaufsumme x.
    Mir ist schon klar, dass man, wenn es eben generell nicht üblich ist, mit einer Probengebühr eine höhere Hürde aufbaut. Umgekehrt habe ich tatsächlich schon bei Winzern bewusst auf Proben verzichtet, wenn sie mir gänzlich unbekannt waren und mir über sie auch keine Einschätzungen vertrauenswürdiger Quellen vorlagen.
    Eine etwas subtilere Form der bezahlten Weinprobe ist dann übrigens die Straußwirtschaft. 😉

    Gruß,
    Guido

  2. Michael Schmidt

    Natuerlich macht es Sinn, sich fuer Proben mit auslaendischen Gruppen bezahlen zu lassen. Abschreiben sollt Ihr sie aber nicht, ich habe ueber die Jahre viele Englaender nach Deutschland gebracht, immer angeboten zu bezahlen, und am Ende waren die Winzer baff, wieviel die Leute kauften, und wie sachverstaendig sie ware. Viele sind deutsche Weinfans geworden und unternehmen jedes Jahr Privattouren um den Kofferraum vollzuladen. Fragt mal an bei Paul Fuerst, oder dem Deutzerhof z. B. Und wenn der Wein nix ist, kaufen sie nix!