EU Weinmarktreform und die bloggende Kommissarin

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 10 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Also, das was die Medien teilweise wiedergeben in Sachen Weinmarktreform hat mich doch schon ein wenig irritiert. Vor allem haben irgendwie die Wortmeldungen der sonst üblichen telegenen feinen Winzer gefehlt.
Das Beben hat in der Winzerschaft bei weitem nicht die Stärke wie beim letzten abnicken des Handelsbkommens mit den USA.

Ich sag mal so, viele Ziele dieser Reform erscheinen mir gar nicht so abwegig und zum Teil durchaus Sinnvoll. Die Wege die zum Ziel führen sollen erscheinen verworren und unverständlich. Was tun zur Meinungsfindung? Am besten den Entwurf einmal selber lesen. Beim suchen in den Untiefen der EU wird man schnell fündig, wer sich für den Entwurf der Komissarin interessiert wird HIER bestens bedient.

Aber nicht genug, wer über diese streitbare zuständige Dame Fischer Boel mehr erfahren will, kann ja mal in ihrem Blog vorbeischauen, der findet sich unter der Adresse http://blogs.ec.europa.eu/blog_fischerboel/page/fischerboel

Ich weiß noch immer nicht was ich von der Reform halten soll, um das Ding zu lesen brauche ich einige Tage, aber es ist doch klar das in nicht all zu ferner Zeit die Dänen, Engländer, Polen, Belgier und Hölländer Kontingente wollen um Reben pflanzen zu können. Der Anbaustopp muß daher zwingend fallen, auch wenn ich gut mit dem Anbaustopp leben kann, denn er bietet ja auch einen gewissen Bestandschutz für die Winzer.
Es ist auch logisch das es in der EU immer einen Weinsee geben wird, nur soll in Zukunft eben niemand mehr für dessen Beseitigung bezahlen. Den Weinsee produzieren dann eben andere, ob im Süden oder im Norden spielt dabei keine Rolle. Der Markt, Nachfrage und Angebot sollen das in Zukunft regeln.

Aber ganz ehrlich, für eine entmüllung des deutschen Bezeichnungsrechtes würde ich die generelle Anreicherung gegen eine Anreicherung mit Ausnahmegenehmigung sofort eintauschen. Mir sind die Weinproduzenten die 20 Tonnen/Hektar Dornfelder produzieren und selbst in Jahren wie 2003 anreichern mußten völlig egal, da endet meine Solidarität.

Ach was wäre es schön, Tafelwein mit geografischer Herkunftsangabe. Die Kunden verstehen das Qualitätssystem schon lange nicht mehr und kaufen mehr und mehr nach Namen oder eben beim Winzer ihres Vertrauens. Und beim Winzer des Vertrauens stehen schon Qualitätsbegriffe wie. GRR, HBS, KK, SL, ST, PV, GV, RR, ****,***,**,*,++,+, Premium, Supertoll oder andere Kuriose Innerbetriebliche Qualitätsbezeichnungen auf dem Etikett. In der Regel als QBA, denn ohne gibt es keine Herkunftsbezeichnung. Auch die AP-Nummer hat für den Kunden keinerlei Relevanz und wäre mit Herkunftsangabe bei Tafelwein praktisch abgeschafft denn wer würde dann noch eine QbA-Prüfung machen?

Das Thema Tafelwein ist wirklich interessant, zumindest wenn wir es losgelöst von dem Klischee betrachten das Tafelwein Plörre ist. Derzeit ist es so das der Verbraucherschutz bei Kühen und Schweinen Probleme hat seine Plaketen und Chips an den Tieren unterzubringen um möglichst lückenlos dokumentieren zu können wo das Fleisch herkommt. Bei Tafelwein, ist es verboten dem Verbraucher mitzuteilen wo der Wein gewachsen ist. Das ist meines Erachtens völlig absurd und spiegelt die Welt der Technokraten wieder die der Weinwirtschaft sagen wo sie lang zu gehen hat.

Aber egal, ich muß jetzt erst mal den Vorschlag zur Weinmarktreform durchlesen, dieses spannende Thema ist es Wert weiter verfolgt zu werden, darum habe ich Frau Fischer Boels RSS-Feed abonniert 🙂

1 Comment

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One Response to EU Weinmarktreform und die bloggende Kommissarin

  1. Hallo Herr Lippert,
    man sollte nicht nach jedem Köder schnappen, den unsere Politiker so auswerfen. Nicht umsonst hat beim letzten Ministerrat die Mehrheit der Agrarminister (sogar Biertrinker Seehofer) das Reformpapier abgelehnt, die AREV steht mit der Mehrzahl der dort organisierten europäischen Weinregionen, auch aus Frankreich und Norditalien ebenfalls dagegen.
    Wenn es auch in den Medien so dargestellt wurde, die Anreicherung ist nicht die Kernfrage der Reform. Zwar würde eine Anreicherung mit RTK gewisse praktische Vorteile im Keller mit sich bringen, jedoch ist jetzt schon klar, daß die Anreicherung deutlich verteuert würde, Größenordnung 30-40 ct/l, die RTK Preise steigen bereits deutlich an. Mich stört außerdem das Prinzip, daß Moste produziert werden, nur um daraus neutralen Zuckersirup zu machen. Wer das Strukurförderung nennt, lässt auch Langzeitarbeitslose Akten von A nach B stapeln. Und mal ehrlich, wieviel guten Rotwein könnte man in jedem Jahr ohne Chaptalisierung produzieren ?

    Die Hauptstreitpunkte sind aber in der Tat das Bezeichnungsrecht, weil engere geographische Bezeichnungen dann nicht mehr geschützt und/oder nicht mehr zugelassen wären. Zwar ist es richtig, daß das Weinwissen beim Durchschnittsverbraucher dürftig ist (war Thema meiner Diplomarbeit). Jedoch würde eine Liberalisierung in dem Bereich den industriellen Anbietern mit Phantasieherkünften (Amselkeller) Vorteile verschaffen und die kleinstrukurierte Weinkultur und Weingüter benachteiligen. Die betriebseigenen Sternchenweine und Buchstabenweine haben ebenfalls ihre Berechtigung, weil diese dem Winzer, zwar umständlich aber immerhin, die Möglichkeit geben seine subjektiv besten Weine zu kennzeichnen

    Das die AP Prüfung reformiert gehört ist ein anderes Thema.

    Der Anbaustopp muss ebenfalls beibehalten werden. Erstmal ist es paradox bis zum geplanten Ende des Anbautstopps mit Steuergeldern 200.000 ha zu roden und danach den Anbau freizugeben.
    Zweitens wäre es kein Problem den neuen nördlichen Weinbauländern Kontingente zuzuteilen, also die Anbaufläche partiell auszuweiten, warum nicht. Die größeren Probleme gäbe es durch die Verdrängung des traditonell landschaftsprägenden Hangweinbaus z.B. in BAden, Mosel durch den industriellen Anbau in der Ebene nach dem Motto laufen die Erdbeeren, kartoffeln, Spargeln nicht mehr, dann pflanzen wir halt Wein. Wenn das kommt, tret ich in Attac ein. Die sozialen Verwerfungen möcht ich nicht erleben, wenn die Existenzgrundlage von tausenden Winzerfamilien aber auch Gastronomen, Zimmervermietern, (nach erfolgter Verwaldung der Weinregionen) wegfällt. Freuen würden sich nur globale Konzerne, welche dann „Rhine Riesling“ im großen Stil produzieren könnten.

    Interessant ist bei de WMReform auch, daß der Verteilungsschlüssel für die EU Mittel historisch bedingt festgeschrieben werden soll, d.h. daß auch weiterhin die meisten Geldmittel nach Südeuropa fließen sollen. Warum eigentlich ?

    Wir Winzer sollten geschlossen gegen die Reform eintreten, und lieber über sinnvolle Reformen nachdenken