Fasten und bloggen für Herz, Seele, Geist, Körper und auch ein bischen für den lieben Gott

Intensive Zeiten erfordern intensive Gedanken. Darum faste ich 40 Tage. Fasten heißt für mich zu versuchen mit Gewohnheiten zu brechen und sich für neue Erfahrungen zu öffnen, aber auch mit Altlasten aufzuräumen.

Es folgt ein verzeifelter Versuch zu erklären was ich die nächsten 40 Tage vorhabe ohne es eigentlich genau zu wissen. Es hat nichts mit Wein zu tun, es wird privat und persönlich. Wer sich nicht dafür Interessiert kommt am besten um Ostern herum wieder zurück, alle anderen klicken auf weiterlesen …

Ich habe lange mit mir gerungen dies hier öffentlich zu machen, andererseits ist vielen meiner Leser bekannt das ich vor fast einem Jahr im März 2008 einen schweren Herzinfarkt erlitten habe. Es gab hier im Blog an vielen Stellen entsprechende Anmerkungen und Andeutungen mitunter sehr konkrete Artikel, darum ist es auch konsequent dies hier im Blog zu begleiten und hoffentlich glücklich abzuschliessen. Mir ist klar das ich damit nun ein Stück weit dieses Weinblog opfere, denn das Thema Wein ist nur noch Nebensache die nächsten 40 Tage, wie er das übrigens auch die letzten 12 Monate meines Lebens war. Ich durfte doch kaum mehr etwas trinken und habe mich in meiner Freizeit zwangsläufig mit völlig anderen Themen beschäftigt. Dinge wie Diät, Wasserhaushalt, Medikamente, Herz-Kreislauf, Sport, Blutdruck, Puls, Gewichtsreduktion, Ernährungsumstellung, Cholesterin, Rehasport, Behindertenausweis und vieles mehr haben mich intensiv beschäftigt.

Wein probieren ja, trinken nein. Als Kellermeister, einer der eigentlich nichts anderes kann als Wein zu machen und zu verkaufen ein tiefgreifendes Ereignis mit dem ich erst einmal klar kommen mußte.

Ich habe inzwischen 50 kg Gewicht verloren und habe noch einmal 20 vor mir. Ich habe oft das Gefühl das mein Geist oder die Psyche mit dem Gewichtsverlust nicht mitkommt, es noch gar nicht verarbeiten konnte, ich mich mit vielen Dingen noch beschäftigen muß.

Darum habe ich mich entschlossen die 40 kommenden Tage auch dazu zu nutzen um alles aufzuarbeiten, niederzuschreiben, Gefühle zu beschreiben und z.B. zu erzählen wie es sich anfühlt mit 170 kg Gewicht in ein Bekleidungshaus gehen zu müssen. Sollte es mir gelingen nur einen einzigen Menschen vor dem zu bewahren was mir passiert ist, hat es sich gelohnt aus dem Winzerblog vorübergehend ein Gesundheitsblog zu machen. Da winke ich doch gleich mal rüber zu Fressnet und Leben ohne Diät und melde mich im Club der Diät- oder Gesundheitsblogs an 🙂 Nur ein Scherz, ich habe keinerlei Komepetenz in diesen Dingen, ganz im Gegenteil.

Bitte nicht falsch verstehen, dies ist keine Jammergeschichte, dies ist eine Geschichte die völlig normal ist auf dieser Welt, ein Herzinfarkt ist etwas das vielen Menschen passiert. Deutschlands Kliniken sind voll mit Herzinfarkten, zugegeben, nur wenige davon bloggen, und wieder andere haben nicht das große Glück das ich hatte und überleben es nicht. Trotz dem Herzinfarkte zur Normalität zu gehören scheinen, fragen mich in meinem Umfeld viele Menschen „wie fühlt sich denn eigentlich ein Herzinfarkt an?“ Diese Dinge werde ich also regelrecht abarbeiten.

Alle feedreaderleser die das absolut nicht interessiert können den Feed abklemmen und nach Ostern wieder zurückkommen, dann geht es hier wieder um Wein, Versprochen!

Kommen wir zum ursprünglichen Anlass dieses Artikels, mein Beschluss zu fasten um meinem Körper, meiner Seele und meinem Herzen etwas Gutes zu tun. Gutes tun deshalb weil ich merke das ich an einem kritischen Punkt angekommen bin. Ich bin müde, Geist und Körper beginnen sich aufzulehnen gegen die Lebensform der letzten 11 Monate. Mit der Fastenezit möchte ich kontrolliert nachgeben und gleichzeitig neue Impulse holen um wenigstens die Zielgerade sehen zu können.

Ich verzichte die nächsten 40 Tage auf Auto, Internet und Fernseher.

Das Auto bleibt stehen weil ich mir Wünsche meinen Tagesrhytmus zu ändern und in meinen Alltag die Bewegung fest zu verankern. Der Sport soll selbstverständlich werden, so selbstverständlich das ich es nicht mehr als Sport empfinde, sondern eben als mein Weg zur Arbeit.

Ich verzichte nicht komplett auf Internet, möchte aber wenigstens einmal versuchen eine Struktur in mein Computer Nutzungsverhalten reinzubringen. Es ärgert mich das ich Stunden vor dem PC verbringe und dabei völlig unproduktiv bin. Ich werde also die Nutzung des Internet im wesentlichen auf Arbeiten einschränken die GenussR betreffen sowie die oben beschriebene Aufarbeitung meiner Krankheit.

Der Verzicht auf den Fernseher wird mir vermutlich am leichtesten fallen, die freiwerdende Zeit möchte ich gerne für lesen und schreiben verwenden.

Was will ich sonst erreichen?

  • Entscheidungen müssen getroffen werden, in einigen Bereichen werde ich diese herbeiführen, zumindest so weit ich selbst dafür verantwortlich bin.
  • Ich brauche Zeit zum denken, die braucht jeder, aber ich lenke mich zu sehr ab mit der Twitterei und Vielbloggerei, auch da muss Struktur rein!
  • Ich möchte gerne einiges schreiben, aber nicht in Blogform, sondern richtig, ausführlich. Ich habe nicht wirklich einen Plan wie das geht, werde Mikel um Rat fragen.
  • GenussR geniesst absolute Priorität, ich möchte gemeinsam mit Theo entscheidende Schritte für das gelingen des Projektes einleiten.
  • Ich habe 3 große Artzttermine. Ich möchte mich akurat darauf vorbereiten und die gesteckten Ziele gerne erreichen. Das und nur das ist derzeit mein Lebensmittelpunkt, je näher diese Termine rücken, desto nervöser werde ich.
  • Aus meiner Vergangenheit schleppe ich ebenfalls Ballast mir mir herum. Ich würde gerne einiges in Ordnung bringen und regeln. Wird schwer, das wird kein Partybrüller, ganz im Gegenteil. Hier liegt auch das größe Potential der Nichterfüllung, ich habe tatsächlich noch keine Ahnung wie ich das anpacke. Vergangenheitsbewältigung. Mal schauen …
  • Ich hole mir den Feierabend zurück, im Sinne von „Ruhe nach der Arbeit“
  • Ich war die längste Zeit meines Lebens eine echte Leseratte, vermisse ich die schönen Bücher? Ich möchte feststellen ob diese Zeiten wirklich vorbei sind, oder mir noch immer etwas an Büchern liegt.
  • Ich möchte mich vorbereiten auf ein ganz normales Leben. Vor knapp einem Jahr hat dieser Lebensabschnitt begonnen, und nun werde ich ihn geplant zu einem Ende führen. Ich werde wieder Dinge tun die die vergangenen 12 Monate tabu waren (z.B. Wein trinken), muß lernen sie auch wieder geniessen zu können, muss lernen nicht ständig den Fettgehalt von Lebensmitteln im Auge zu behalten. Die Fastenzeit wird mir hoffentlich helfen diesen Übergang zu gestalten und zu vollziehen. Es geht also nicht nur um Entzug, sondern auch um das wieder zulassen von lange entwöhnten Dingen.

Warum jetzt?

Passionszeit, Fastenzeit, ich liebe Symbole, es passt einfach und ich hoffe es ist das was ich brauche und suche.

7 Wochen Ohne, was ist das? Wikipedia erklärt:

Ziel ist die bewusste Gestaltung der Passionszeit. Die Aktion lädt Menschen ein, eingeschliffene Alltagsgewohnheiten zu überdenken: Sie verzichten z. B. auf „Genussmittel“ wie Alkohol, Nikotin oder Süßigkeiten oder andere Bequemlichkeiten wie Fernseher, Fertiggerichte oder Internet. Dadurch schaffen sie Platz für Veränderungen, entwickeln neue Perspektiven und stellen fest, was Lebensqualität ausmacht. Ein weiteres Motiv ist, durch Konsumverzicht Solidarität mit Benachteiligten zu zeigen. Dabei folgt die Aktion der Einsicht „Weniger ist mehr“ und stellt heraus, „7 Wochen OHNE sind auch 7 Wochen MIT“. Denn wo Verzicht ist, sei auch Platz für Neues.

Ich finde das hört sich gut an, vielleicht ein bischen romantisch, aber das kann ich euch erst hinterher sagen wie es war und ob es was gebracht hat. Ich bin jedenfalls voller Hoffnung, Spannung und Erwartung. Der Aspekt des Konsumverzicht hat schon etwas interessantes, wobei ich den ja in Bezug auf Nahrung seit fast einem Jahr intensiv ausübe. Es gibt einige Dinge auf die ich mich ganz bewußt einlassen werde weil ich mich riesig auf den Genuss freue und ich den Verzicht darauf tatsächlich als einschränkung meiner Lebensqualität empfunden habe. Sie zu geniessen werden meine Belohnungen während der Fastenzeit sein und es wird mir ein großes Vergnügen sein deren Verkostungen als Degustationsnotiz hier im Blog einzustellen. Kurioserweise sehne ich mich nicht nach der Zigarette, der Verzicht auf manches Lebensmittel wiegt für mich viel schwerer. Der Verzicht auf das Rauchen hat mir viele Freiheiten zurückgegeben, welche meine Lebensqualität deutlich spürbar ansteigen liess. Darüber werde ich gerne schreiben und erzählen weil ich es bis heute kaum fassen kann das ich das geschafft habe.

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Logisch brauchst du, er sie oder ihr dafür keine Fastenzeit, aber ich vielleicht?

Ich verweise auch gerne auf andere Auffassungen des Fastens, obwohl mich dieser Artikel fast davon abgehalten hätte den meinigen zu veröffentlichen. Ich werde in den nächsten Tagen vielleicht noch gesondert darauf Antworten, denn irgendwie regt sich Wiederstand in mir wenn jemand darüber zu richten versucht welche Art zu fasten die korrekte ist und welche nicht.

Meine Blogs und Twitter begleiten mich über die Fastenzeit, denn ich möchte mich ja damit auseinandersetzen. Auf more-wine-please ändert sich nichts. Die daily todo list läuft weiter, ich gehe ja auch arbeiten.

Ich kann noch gar nicht sagen wie ich nun beginne mit dem Fastenbloggen, lassen wir den Dingen ihren lauf, ihr meine lieben Leser wißt nun Bescheid und wundert euch am besten über nichts die nächsten Wochen, sollte ich nur noch wirres zeug bloggen darf mich mein lieber Freund Theo von Netz nehmen.

Ich kann halt nichts anderes, wäre ich Maler würde ich Bilder malen, wäre ich Dichter würde ich dichten, als Komponist komponieren, ich bin Blogger also blogge ich.

Nein, das ist kein Seelenstriptease, ich habe diesbezüglich keine Bedenken. Zugegeben, dies ist alles sehr privat und persönlich und ich mir ist klar das ich mehr preisgebe als man normalerweise sollte im Internet, aber irgendwie hoffe ich das es auch für etwas gut sein könnte.

Zudem ist das Winzerblog halt mein privates Blog und jetzt bin ich froh das ich genau darauf immer größten Wert gelegt habe. Denn ein Neues Blog will ich nicht anfangen, dort würde ich mich nicht wohlfühlen.

Das Winzerblog begleitet mich durch dick und dünn im wahrsten Sinne des Wortes.

Drückt mir die Daumen und bleibt mir gewogen

Thomas

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Filed under In eigener Sache, Sonstiges

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