Gammelwein

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 11 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Was denkt man bei einem Wein, der ohne exakte geografische Angaben daherkommt? Ohne weitere Angaben über die wirkliche Qualität? Versehen mit einer lustigen Losnummer die man sich frei ausdenken darf?
Also alle normalerweise bei einem Qualitätswein üblichen Angaben verschleiert werden?

Ist das Gammelwein!!!!
Nein, bei uns in Deutschland heißt das Tafelwein.

Ein Wein, abgelehnt von der QbA-Prüfungsbehörde, wegen Fehlern wie unharmonisch, esterhaltig, untypisch, fehlende Reintönigkeit, oder ganz schlimm, der Wein hat Böckser! Igittigitt!!! Pfui, laßt uns die Verbraucher vor solchen Weinen schützen.

Einzige Möglichkeit für Winzer solche Abgelehnten Weine jemals zu verkaufen ist die Abstufung zu Tafelwein.

Tafelwein erfüllt somit alle Kriterien als Gammelwein deklariert zu werden, denn die wahre Herkunft und Qualität des Weines wird verschleiert.
Man müßte einmal darüber dachdenken ob die Regelungen für Tafel- und Landwein noch Zeitgemäß sind, ob eine Aufwertung dieser Spezies Wein nicht dringend vonnöten wäre?

Den letzten Tafelwein den wir verkaufen mußten war ein 2002er Gewürztraminer, allerdings haben wir damals angesichts der geringen Menge auf alle Rechtsmittel verzichtet, da dies den Verkauf des Weines um Wochen verzögert hätte.
Knackpunkt damals war die fehlende Reintönigkeit des Weines, die Beurteilung der Behörde war meiner Meinung nach auch absolut Korrekt.
Nur die Konsequenzen die sich daraus ergeben sind Absurd. Niemand ist perfekt, schon gar nicht der Wein, warum dann ein Fehler zum völligen Verlust der Herkunftsidentität führt bleibt mir ein Rätsel und hat mit Verbraucherschutz nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Anmerkung: Wenn ich hier von Weinfehlern schreibe, meine ich natürlich damit solche, die von normalen Menschen nicht als solche erkannt werden, oder sogar eher als positiv empfunden werden. In diesem Zusammenhang weise ich ausdrücklich darauf hin das auch Winzer und Kellermeister der Gattung „normale Menschen“ angehören.

Beispiele für mögliche angenehme Weinfehler wären z.B. leichte Böckser, leicht erhöhte flüchtige Säure, Fruchtester nur um einige zu nennen.
Gesundheitschädliche Weine, dürfen ohnehin nicht in Verkehr gebracht werden, ich kann mir aber auch kein Szenario vorstellen wie man so etwas produziert.

2 Comments

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2 Responses to Gammelwein

  1. Maddin

    Knackpunkt damals war die fehlende Reintönigkeit des Weines, die Beurteilung der Behörde war meiner Meinung nach auch absolut Korrekt

    Ja, wenn die Beurteilung korrekt war, wo ist denn dann Ihr Problem? Soll alles, was nicht gesundheitsschädlich ist, als Qualitätswein durchgehen?

  2. Das Problem sehe ich darin, das bei einer Einstufung eines Weines als Tafel- oder Landwein (egal aus welchen Gründen) er keine nachvollziehbare Herkunftsbezeichnung mehr tragen darf.
    Das es verboten ist dem Verbraucher auf dem Etikett mitzuteilen wo der Wein gewachsen ist führt das Argument des Verbraucherschutzes ad Absurdum.
    Es findet sich dafür keine Begründung ausser der, das die QbA-Prüfung kostenpflichtig ist, während Tafel- und Landweine ohne Kostenpflichtige Prüfung in Verkehr gebracht werden dürfen.
    Ich unterstelle, bei Wegfall dieser Tatsache, würden die meisten Betriebe auf das Wort Qualitätswein verzichten, dafür Kosten und Bürokratie sparen und als Tafelwein vermarkten.
    Für die meisten Weinerzeuger ist jedoch die exakte Herkunftsangabe aus Vermarktungstechnischen Gründen Lebenswichtig!!!