Gedanken für ein Vinocamp 2020

Ich muß sagen, mir fehlt dieses Vinocamp Deutschland Format mittlerweile sehr, alles was danach kam, kann dem ursprünglichen Format des Vinocamps nicht das Wasser reichen, wobei ich damit nicht die regionalen Vinocamps meine, die es ja noch immer gibt

Ich denke 3 Dinge haben das Vinocamp Deutschland besonders gepägt.

  • Fortbildung (Sessions)
  • Gemeinsamer Genuss (soziale Weinproben, Mittag- und Abendessen, Vinocamp Party)
  • Weintourismus (Besuch von Produzenten und Weinbaugebieten)

Fortbildung war neben dem sich kennen lernen meiner Meinung das wichtigste und darum war damit auch die Vorgabe an eine entsprechende Räumlichkeit gegeben wie z.B. den Campus Geisenheim.

Gleichzeitig ist dieser Druck Sessions anbieten zu müssen immer da und viele Teilnehmer waren dazu einfach nicht mehr bereit. Da haben selbst finanzielle Anreize nichts geholfen. Wer Sessions anbot konnte nahzu kostenlos am vorletzten Vinocamp Deutschland teilnehmen.

Ich überlege mir nun, was wäre wenn wir diese 3 Punkte einfach auftrennen, sagen wir doch einfach, wir nehmen den gemeinsamen Genuss und den Weintourismus in den Fokus und bauen auf diesen beiden Säulen ein Vinocamp auf?

In diese Richtung möchte ich denken und für das Jahr 2020 versuchen etwas auf die Beine zu stellen. Vielleicht erst mal ganz klein, Markgräflerland, Kaiserstuhl, Bodensee oder auch Ostschweiz wären denkbar. Die kommen mir halt in den Sinn weil ich hier lebe, aber ich bin offen für alles.

Statt Sessions gäbe es Winzerbesuche, jeweils in kleinen Gruppen damit das dann auch richtig intensiv wird. Je nach Region könnte man die Fühler auch zu anderen Genusshandwerkern ausstrecken wie Destillateure, Köche usw. Vorstellbar wären unterschiedliche Slots mit klaren Schwerpunkten, Technik, Architektur, Terroir, Bio, Rotwein, usw ….
Statt in einen Raum zur Session zu gehen steigt man in einen Bus und fährt zu einem Winzer. So wäre es möglich z.B. von Freitag bis Sonntag ein kleines Weinbaugebiet intensiv zu erkunden und damit richtig kennen zu lernen.

Bus, National Highway 1 (East Timor), 2018 (04)

Hauptherausforderung dabei sind wie immer die Finanzen, dazu die Logistik, wir bräuchten Busse für die Mobilität, Unterstützung in den regionalen Weinwerbungen, und gute Winzer vor Ort die Lust haben uns zu empfangen um dann völlig untouristisch mit uns umzugehen 🙂

Klar ist auch, umsonst wird es das nicht geben, egal ob mit oder ohne Sponsoring.

Ich glaube es lohnt sich einmal darüber nachzudenken, ich will wieder Leute treffen und neue kennen lernen und mit denen dann nur über Wein quatschen, sonst nichts!

Und ihr so? Ideen? Meinungen? Vorschläge?

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Natürlich wäre ich gerne wie auch immer dabei. Ein Fenster für Sessions wäre trotzdem schön. Ich würde natürlich auch eine halten.

  • Ich denke, es lohnt sich auch, noch mal an einem Konzept für mehr Sessions zu feilen. Vielleicht sowas wie: Anmeldung geht nur, wenn Du eine Session anbietest. Um das nicht zu strikt zu machen, kann aber jeder, der eine anbietet, weiteren 3 Teilnehmern die Anmeldung ermöglichen (solchen, die er kennt, oder beliebigen durch das Los bestimmte, halt Leute, die keine Session machen können/wollen). Das führt einerseits dazu, dass sich jeder fragt, könnte ich eine Session anbieten? Andererseits sprechen die, die keine anbieten können aber andere an, die sie für geeignet halten, eine anzubieten. Einfach mal laut nachgedacht.

  • Andreas Schwarz
    3. April 2019 14:30

    Tolle idee. Ich mache auch gleich mit. Ich zeige gerne meine Reben und Weine. Ich konnte leider nur einmal am Winocamp Mosel teilnehmen, das war aber genial und ein tolle Erfahrung. Das muss man wiederholen, egal wie, Hauptsache zusammen etwas machen.

  • Joachim Kaiser
    3. April 2019 22:29

    Da ich 2017 das Vinocamp Deutschland organisiert habe, kann ich vermutlich ein wenig zur Diskussion beitragen.

    Zunächst, Hut ab Thomas, dass Du Dir das wieder antun willst. Ich weiß nicht, ob es einen undankbareren Job, dazu noch unbezahlt, in der Weinwirtschaft gibt. Ja, es hat auch Spaß gemacht, aber 95% der Arbeit bleiben an einer Person hängen. Die restlichen % hingen überwiegend an der sehr rührigen Katharina Hauck und Prof. Fischer vom Weincampus. Also an drei Leuten. Klar gab es auch andere Unterstützung, VDP.Pfalz, Pfalzwein, … Aber organisiert hat das, wer wohl?
    Es ging finanziell +/- Null auf, weil ich meine eigenen Fahrtkosten nicht eingerechnet habe, und es zwei Sponsoren gab, Meininger und die VR Bank Südpfalz. Von meiner Zeit, eineinhalb Jahre Vorlauf, reden wir gar nicht. Es hat trotzdem Spaß gemacht, weil wir ein verdammt gutes Programm hatten:

    Wer hat schon die Möglichkeit alle drei Jordansches Weingüter, Buhl, BJ, vW und noch die BW-Vinothek an einem Tag mit Verkostung zu besichtigen?
    Wer hat schon einige der letzten, mächtigen Wildreben im Rheintal bewundern können?
    Wer hat schon die Möglichkeit von Prof. Fischer vom Weincampus Neustadt aus erster Hand in einer Session die neuesten Forschungsergebnisse für jedermann verständlich anhand von Beispielen erklärt zu bekommen?
    Oder die Klasse Session von Cordula Eich über Weinbau Unter Null? Oder Dr. Krieger über Wein unterm Hakenkreuz? Wein-Plus Session, Israel-Session? Und, und, und …

    Insofern, lieber Thomas, wirst Du mir verzeihen, wenn ich nur in einem Punkt Deiner Meinung bin: „… alles was danach kam, kann dem ursprünglichen Format des Vinocamps nicht das Wasser reichen …“. Kulinarisch konnte das 2017 Vinocamp Deutschland den Spitzen der vorherigen nicht das Wasser reichen. Wir hatten keine Gabi und Daniel Würtz, keinen angehenden Sternekoch Sascha Wolter. Nur ein gutes Catering.

    An Sessions hat es nicht gemangelt. Aber es waren die Personen, die auch ansonsten sehr aktiv sind, z.B. auf Hauptsache Wein. Wenige neue Gesichter, Leo Loosen hat z.B. eine schöne Session über Terroir der Loosen-Weine gehalten. Wie motiviert man neue Leute nicht nur zu kommen, sondern auch aktiv teilzunehmen? Und wir waren an einer der wichtigsten Ausbildungsstätten, dem Weincampus! Vor dem Hintergrund sollten wir uns fragen, ob berufliche Ausbildungsstätten und Hochschulen die richtigen Orte und Ansprechpartner sind. Wenn Leute lesen, dass aktive Teilnahme erwünscht ist, also eine eigene Session abzuhalten oder was zu organisieren, aber wissen, dass das an einer Profi-Institution abgehalten wird, dann kann das neue Gesichter nur abschrecken.

    Bewährt hat sich meiner Meinung nach der Mix aus feststehenden Angeboten und freien Sessions. Zu den feststehenden Angeboten kamen regelmäßig mehr Leute als zu den freien Sessions. Die Bus-Idee als Ersatz für Sessions finde ich sehr gut, aber damit ist auch klar, dass der Gedanke der aktiven Teilnahme immer mehr in den Hintergrund gerät. Auch wenn die Teilnehmer bei den besuchten Winzern und Genusshandwerkern nachfragen, Fortbildung wird überwiegend konsumiert und nicht selbst gestaltet.
    Im Übrigen gibt es ein vergleichbares Konzept bereits, allerdings nicht gebündelt auf zwei, drei Tage. Das sind die Slow Food Produzentenbesuche. Auch da fährt man gemeinsam zu einem Produzenten oder Verarbeiter von gut, sauber und fair produzierten Rohprodukten und Lebensmitteln und Gastronomen. Ich organisiere für das Slow Food Convivium Karlsruhe jedes Jahr selbst welche und nehme an welchen teil, die andere organisieren. Da wir in der Region bleiben, dauert so ein Produzentenbesuch in der Regel nur einen halben bis einen Tag.

    Ein weiterer Punkt ist die abnehmende Teilnehmerzahl gewesen. Das hat sich schon bei den Vinocamps Deutschland vor 2017 abgezeichnet. 2017 waren wir dann gerade noch um die 75 Teilnehmer, mich eingerechnet. In Ordnung, aber für ein Programm dieser Güte beschämend wenig. Vielleicht ist das Interesse nach drei Jahren ohne Vinocamp Deutschland und mit dem nuen Konzept wieder größer, wäre zu hoffen. Aber sicher ist das nicht. Im Vergleich dazu sind kommerzielle Veranstaltungen, die z.B. Christina Fischer und Prof. Fischer oder andere organisieren, auch nicht weniger besucht. Und erheblich teurer. Es gibt einen kleinen Kreis treuer Vinocamper, die wissen um die Qualität, aber der Rest der Welt scheint sich an die Devise zu halten: „Was nichts oder wenig kostet, kann nichts taugen“. Konsequenz?

    Mein Fazit: Vinocamp Deutschland entweder kommerzialisieren. Wenn weiterhin non-profit, dann von dem Ort aus machen, an dem man einen oder mehrere starke/n, finanzkräftige/n Sponsor/en hat. Damit wächst natürlich auch die Gefahr, dass man in den Ruf von Promotiontours gerät, wie sie diverse Wein-Consortien und -Marketing-Organisationen anbieten. Seis drum, ohne einen mutigen Neuanfang wird es nicht gehen!

    Joachim Kaiser

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