Korken, Drehverschluss und faule Eier

Jaja ich weiß, das Thema ist schon lange erledigt, die Drehverschlusslobby hat gewonnen und sich durchgesetzt. Sieg auf ganzer Linie für den Drehverschluss!

Na ja, schön das es ab und zu auch mal noch kritische Stimmen zu dieser längst aufgegebenen Verschlussdebatte gibt, z.B. Paul White im Interview mit derStandard.at:

Schrauben versus Korken – “Faule Eier”

Viele Weinbauern in Australien und Neuseeland, wo der Anteil der Drehverschlüsse mittlerweile bei neunzig Prozent liegt, schönen ihren Wein mit Kupfersulfat, um den Reduktionsnoten auf Dauer entgegenzuwirken.

… und Herr White begründet auch worum es seiner Meinung nach bei dieser Diskussion um die Flaschenverschlüsse wirklich geht:

Der Anteil an Korkgeschmack ist viel geringer, als das generell befürchtet wird. Selbst wenn er bei vier bis acht Prozent liegen sollte, was nicht nur ich bezweifle, ist das noch immer recht wenig, für ein wunderbares Naturprodukt, das seit zweihundert Jahren verwendet wird. Außerdem hat sich die Qualität der Korken in den vergangenen Jahren und unter dem Druck des Erfolgs der Drehverschlüsse stark verbessert. Worum es wirklich geht, ist Geld

Das ganze Interview nachzulesen bei derStandard.at: Schrauben versus Korken – “Faule Eier”

15 Comments

Filed under Leseempfehlungen, Wein in den Medien

15 Responses to Korken, Drehverschluss und faule Eier

  1. Ich sage es einmal deutlich: Paul White ist in meinen Augen ein Ignorant, der keinerlei Ahnung von der Materie hat. Die angesprochenen “Reduktionsnoten” sind bei allen Weinen, wo ich sie jemals beobachtet habe, innerhalb einer Stunde verflogen. Nach ausreichendem Luftkontakt gibt es keinen signifikanten Unterschied mehr zwischen der Kork- und der Schraubverschlussvariante, es sei denn, beim Naturkork ist nicht wieder einmal Trichloranisol im Spiel. Wenn White (aus welchem Schafstall kommt der eigentlich?) acht Prozent Korkschmeckerquote als nicht wirklich schlimm erachtet, gehört er für meinen Geschmack in eine geschlossene Anstalt. Seine kruden Thesen (Beispiel: “Das ständige ‘Atmen’ unter luftdurchlässigerem Kork verhindert diese Probleme zumeist”) würden in meinen Augen jede Zwangseinweisung rechtfertigen.

  2. Lieber Herr Elflein,

    so einfach ist das nicht, wie Sie es sich mit dem Sauerstoffeinfluss auf den Wein vorstellen. Lassen wir mal die etwaige TCA Problematik und die total übertrieben Aussagen von Herrn White zu der Höhe ausser Betracht. Belüftung und belüftung ist ein riesengroßer Unterschied. Böckser, bzw. Spontangäraromen reagieren positiv auf Lufteinfluss im jungen Weinalter, während mit zunehmender Lagerung diese “negative” Aromatik sich verändert (chem. umbaut) und manifestiert. Natürlich auf Suerstoff reagierend, jedoch anders und weniger positiv, wie es im jugendlichem Stadium stattgefunden hätte. Es gibt nicht umsonst bei den alternativen Verschlüssen vermehrt Kunststoffkorken, die wieder mehr Sauerstoff durchlassen und Schraubverschlüsse, die mit einer Membran versehen sind, damit ebenfalls wieder Sauerstoff in die Flasche eindringen kann.
    Dazu noch ein Link:
    http://www.dlr-mosel.rlp.de/Internet/global/themen...

    Gruß von der Mosel

  3. Lieber Herr Steffens,

    wenn ich Ihrer Logik folge, würde dies bedeuten, dass der Wein in Flaschen, bei denen der Naturkork noch mit Wachs überzogen wird, aus denen von Ihnen angeführten Gründen schlechter reift. Dies ist mir jedoch bis heute bei keiner einzigen Flasche aufgefallen.

    Außerdem enthält die luftdicht mit Schrauber abgeschlossene Flasche, wenn nicht überfüllt wurde, ja sogar mehr Sauerstoff. Dieser trägt nach meinen Erfahrungen gerade in der Anfangsphase, also im ersten Jahr, zu einer schnelleren Reife bei. Hier sollte sich der von Ihnen beschriebene Lufteinfluss auf Böckser und Spontangäraromen doch deutlich vorteilhaft und gerade nicht negativ bemerkbar machen!

    Zu den durchlässigeren Schraubverschlüssen habe ich bereits von einem Ihrer Kollegen gehört, dass hier wieder Probleme mit vorzeitiger Oxidation entstehen. Außerdem glaube ich ohnehin nicht, dass ein Schraubverschluss zu 100 Prozent dichtet. (Bei Wikipedia ist von 0,0002 bis 0,0008 cm³ Sauerstoff pro Tag die Rede.)

    Angesichts der hohen “Versagerquote” des Naturkorken gibt es jedenfalls für mich keine ernsthafte Alternative zum Drehverschluss. Außer natürlich einen 100%igen Naturkorken. Den werden Sie aber von keinem Korklieferanten dieser Welt und zu keinem Preis (die bis zu 1,50 € teueren “Spitzenkorken” sind nicht selten mit die schlechtesten) bekommen können.

    Hochinteressant finde ich in der Diskussion um den Naturkork jedoch eines: Noch vor drei/vier Jahren meinten Winzer zu mir, sie sähen keine Veranlassung zu einem Wechsel, da sie mit ihrem Lieferanten bisher sehr gut gefahren seien und auch nur dessen Spitzenqualitäten erhielten. Heute verwenden sie zunehmend Schraubverschlüsse. Nur warum? Wo doch angeblich mit dem Naturkorken alles in Ordnung ist …

    Viele Grüße
    Werner Elflein

  4. Lieber Herr Elflein,

    ich möchte nicht auf Ihre Argumentation eingehen. Diese sehr fachspezifischen Themen sollten in Fachkreisen diskutiert werden. Bitte auch keine Argumentationen wie z.B. „von einem Ihrer Kollegen habe ich gehört“, das ist nicht relevant, wie Sie als intelligenter Mensch eigentlich wissen sollten. Das sind Meinungen, Gerüchte und keine wissenschaftlich fundierten Aussagen. Das ist stochern im grauen Nebel.

    Für den Endverbraucher zählt nur wie der Wein schmeckt. Es soll ja zu der Qualität in der Flasche sagen und eine Menge Weingenuss und unkomplizierten Spaß beim Weintrinken haben. Solche Diskussionen führen zur Verunsicherung bei den Verbrauchern!

    Das Sauerstoffmanagment, wie es so schön heißt, ist ein sehr komplexer Vorgang. Von Betrieb zu Betrieb, von Wein zu Wein unterschiedlich. Man kann das nicht über einen Kamm scheren. Als Beispiel: Beim Schrauber gibt es mittlerweile Membranverschlüsse, die mehr Sauerstoff in die Flasche lassen wie die herkömmlichen. Als anderes Extrem seien die Schrauber mit Saran Dichtungen genannt, die bei Kopfraumausspülung mit CO2 das genaue Gegenteil bewirken. Es gibt da keine Logik. Jeder Wein, jeder Betrieb, jede Betriebsstilistik ist da anders und jeder muss selbst entscheiden! Das Thema ist viel zu komplex um es in in dieser Form zu diskutieren.

    Ihren Kreuzzug gegen den Korken finden ich so langsam lächerlich. Im ursprünglichen Interview waren von 4 bis 8 % die Rede, in Ihrem Kommentar schon von satten acht. Dreimal weiter kommentiert werden die Zahlen bestimmt schon dreistellig. Jede dieser genannten Zahlen an Korkschmeckern würden vor Gericht (es gibt mittlerweile einige Urteile), wenn es sie in dieser Höhe wirklich gäbe, zu Schadensersatz für den Winzer führen. Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus wie Sie es gerne hätten.

    Andererseits verstehe ich auch Ihre Verärgerung. Die Verkosteten Weine auf Ihrem Blog stammen oft aus der Zeit der Jahrtausendwende. die schwärzeste Zeit der Korkindustrie. Marktmonopol und sich keinen Deut um Qualitätsmanagement scheren.
    Das hat sich mittlerweile, auch Dank der alternativen Verschlüsse, geändert.

    Viele Grüße von der Mosel

    Harald Steffens

  5. Lieber Herr Steffens,

    auf die Geschichte mit den Gerichten (und den der Korkindustrie nahe stehenden Gutachtern sowie die Rolle eines gewissen Herrn in Geisenheim) werde ich in nächster Zeit einmal ausführlicher eingehen.

    Sehr verwundert bin ich allerdings, welche Komplexität sie in das Thema “Sauerstoffmanagement” hineinreden wollen, gerade so, als würden die natürlichen Schwankungen beim Naturkork nicht deutlich höher ausfallen als das, was heute bei einem modernen, industriell gefertigten Schraubverschluss die ach so entscheidende Rolle spielen soll.

    Wenn es aber, wie ich Ihren Ausführungen entnehme, für jede Weinstilistik und jeden einzelnen Weintyp bereits eine optimale Schraubverschluss-Lösung gibt, verstehe ich das Geplärre von Paul White umso weniger. Denn dann wäre es jedem Winzer möglich, das für ihn und seine Weine passende System zu verwenden und gleichzeitig den angeblichen Reifeproblemen (die ich in der Praxis in der Tat noch nie bemerkt habe – vielleicht auch, weil die Winzer, die Schraubverschlüsse verwenden, inzwischen aus Schaden klug geworden sind) aus dem Weg zu gehen.

    Und was meine Verärgerung angeht: Ja, ich bin verärgert, und dies, weil ich in den vergangenen zehn Jahren Wein im Wert von mehreren Tausend Euro in den Orkus kippen musste. Nicht alle wurden mir ersetzt, und oft – gerade bei den seltenen edelsüßen Weinen – auch nicht gleichwertig. Unterstreichen möchte ich daher Ihren Satz: “Für den Endverbraucher zählt nur, wie der Wein schmeckt.” Eben!

    Viele Grüße
    Werner Elflein

  6. Lieber Herr Elflein,

    nur kurz und für mich abschließend um diese Plattform von Thomas Lippert nicht über Gebühr zu strapazieren:
    Ich habe nicht darüber geschrieben, das für jede Weinstilistik und jeden einzelnen Weintyp bereits eine optimale Schraubverschluss-Lösung gibt.
    Mehr oder weniger gasdurchlässige Verschlüsse waren von mir nur als Beispiel für die letzte Möglichkeit genannt, wenn das Sauerstoffmanagment, welches in Prinzip schon bei der Ernte, Kelterung, Mostklärung, Gärung und Weinausbau usw. erfolgen sollte, bewusst oder unbewusst, bis zum Abfüllen noch nicht im optimalen Sinne erfolgt ist.

    Die “Reduktionsnoten” waren das eigentliche Hauptthema des Interviews mit Herrn White, wenngleich er sich mit einigen Aussagen zum Naturkork vergriffen hat.

    Im übrigen verweise ich auf meinen ersten Kommentar mit den Passagen zum Sauerstoffkontakt.

    Viele Grüße aus dem Rieslingland

    Harald Steffens

  7. Christoph Bauer

    Glaube nicht dass sich die Korken so wesentlich verbessert haben. Muss bei meinen besten Chargen mit den teuersten Korken immer wieder schleichende Korkgeschmäcker feststellen. Kein TCA aber unsaubere Noten, Gerbstoffe und bitteren Abgang im Vergleich zu sauberen Korken. Das ersetzt niemand.

    Reduktionsnoten durch Schraubverschluss sind nicht die Schuld des Schraubers, hier muss sich der Winzer selber an der Nase nehmen, weil er den Wein zu reduktiv verarbeitet hat.

    Auch das Kupfer im Interview als böse Schönung angesprochen ist früher(in der guten alten Zeit) in allen Weinen vorhanden gewesen. Alte Messingarmaturen haben immer eine Minimenge Kupfer an den Wein abgegeben.

    lg Christoph Bauer

  8. Könnte das das Problem sein?

    Glauben aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie:

    Dieser Artikel behandelt die Bedeutungen von Glauben im Allgemeinen.

    Unter Glauben versteht man zumeist eine Wahrscheinlichkeitsvermutung. Glauben in diesem Sinne bedeutet, dass ein Sachverhalt hypothetisch für wahr gehalten wird. Darin unterscheidet sich „glauben“ einerseits vom religiösen Glauben, der stets auf dem Willen zum Glauben beruht und die absolute Wahrheit des Glaubensinhalts (z. B. der Existenz Gottes) unterstellt. Andererseits unterscheidet sich Glauben von Wissen, das als wahre und gerechtfertigte Meinung verstanden werden kann. Glauben im alltäglichen Sprachgebrauch ist also eine Vermutung oder Hypothese, welche die Wahrheit des vermuteten Sachverhalts zwar annimmt, aber zugleich die Möglichkeit einer Widerlegung offen lässt, wenn sich die Vermutung durch Tatsachen oder neue Erkenntnisse als ungerechtfertigt herausstellt. Das Wort „glauben“ kann jedoch in unterschiedlichen Zusammenhängen unterschiedlich verwendet werden, etwa (in Bezug auf Personen) in der Bedeutung von „jemandem vertrauen“ oder auch in juristischen Kontexten.

  9. Lieber Christoph Bauer,

    exakt dies ist auch meine Wahrnehmung!

    Mit Glauben hat es nichts mehr zu tun, wenn ich eine Flasche öffne und der Inhalt durch von TCA, TBA oder was auch immer ruiniert ist. Die Korkindustrie und deren Lobbyisten, zu denen ich auch Herrn Jung zähle, würden das Problem gerne auf Holzschutzmittel o.ä. und damit dem Winzer in die Schuhe schieben. Dann allerdings wären auch die Flasche mit den Schraubverschlüssen kontaminiert. Sind sie aber (bei allen Betrieben, die ich kenne, und die wegen der Korkproblematik umgestellt haben) nicht.

    Viele Grüße
    Werner Elflein

  10. Lieber Christoph Bauer,

    exakt dies ist auch meine Wahrnehmung!

    Mit Glauben hat es nichts mehr zu tun, wenn ich eine Flasche öffne und der Inhalt durch TCA, TBA oder was auch immer ruiniert ist. Die Korkindustrie und deren Lobbyisten, zu denen ich auch Herrn Jung zähle, würden das Problem gerne auf Holzschutzmittel o.ä. und damit dem Winzer in die Schuhe schieben. Dann allerdings wären auch die Flasche mit den Schraubverschlüssen kontaminiert. Sind sie aber (bei allen Betrieben, die ich kenne, und die wegen der Korkproblematik umgestellt haben) nicht.

    Viele Grüße
    Werner Elflein

  11. So ähnlich verläuft die Diskussion zwischen Print und Internet, zwischen “Buch”-Staben und eBook..

    Ich als Wein-Amateur LIEBE Schraubverschlüsse, befreien sie mich doch von dem Übel des Korkenziehens.

    provoziert: Fast sind SchraubVerschlüse ein Kaufanreiz..

    Wie gesagt, man braucht keinen Korkenzieher.

    Doch Wein ist etwas zum trinken, nicht nur zum verkosten

    😉

  12. Christoph Bauer

    Zum Thema Glauben hier die Bestätigung aus dem aktuellem A LA CARTE:
    “16 durch unmittelbar nachfolgende Verkostung der Konterflasche nachgewiesene Korkfehler bei 201 mit Kork verschlossenen Flaschen ergeben eine definitive Fehlerquote von 8 %.”

    Verkostet wurden Zweigelt und Cabernet Cuvees aus den Jahren 2007 und 2008. Also relativ junge Weine.

  13. Noch was zu lesen:
    http://bit.ly/dm2Ksn

    Gruß von der Mosel

    Harald

  14. @Harald,
    ich war so frei den Link zu kürzen, offensichtlich hat WordPress Probleme mit langen URLs, aber jetzt müßte der link funktionieren

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