Messeschlampe

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 12 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Es gibt verschiedene Arten von Ausstellern. Jeder Betrieb muß für sich selber feststellen was am besten zu ihm passt. Manchmal diktieren auch die Gegebenheiten oder das Produkt das Geschehen.

Die Normalen

Die Normalen Aussteller geben sich damit zufrieden hinter ihrem Stand zu stehen und darauf zu warten das sich irgendjemand dafür interessiert was sie anzubieten haben. Das kann mitunter sehr langweilig werden, aber das gehört zum Messealltag. In einer solchen Situation bietet es sich an, zuzuschauen wie eine andere Kategorie der Messeaussteller arbeitet.

Die Messeschlampe

Die Messeschlampe kann nicht still stehen und geht offensiv an die Sache heran. Im Gegensatz zu anderen Ausstellern ist sie sich nicht zu schade billige Kugelschreiber als Werbegeschenke zu verteilen. Ein anderes Merkmal das eine Messeschlampe am Stand ist, ist ein stets deutliches und lautes durch die Messehalle schallendes Gelächter. Die Messeschlampe wird niemals müde jedem den gleichen Witz zu erzählen, um sofort selber in ein ungeheuerliches Gelächter auszubrechen. Das Klischee, das Winzer immer lustig sind und Zoten zum Besten geben, wird von der Messeschlampe gnadenlos und gerne bedient. Die Messeschlampe mischt sich schon einmal inkognito unter die Menschentraube an einem gut besuchten Stand und läßt dort einige Bemerkungen über die sensationellen Weine am eigenen Stand fallen. Der Messebesucher ist begierig auf Gehimtipps und wird dem Ratschlag gerne Folge leisten. Natürlich arbeitet die Messeschlampe auch mit den Methoden der dritten Kategorie von Ausstellern.

Der Aggressive

Die dritte Kategorie, den aggressiven Aussteller, erkennt man am besten daran, das sie es liebt nicht hinter dem Stand zu stehen, sondern sich in gleicher Höhe mit den Besuchern auf der Besucherseite des Standes unterhält. Das ist besonders dann von Vorteil, wenn bekannte Gesichter durch die Hallen schlendern, denn diese bekommen so keine Möglichkeit mehr auszuweichen. Ein Treffen in der Mitte des Ganges ist unvermeidlich. Der Besucher wird abgeholt und bereits auf dem Weg zum Stand mit den neuesten Prospekten und Informationen ausgestattet.

Die Weindrücker

Das ist die Kategorie derjenigen, die vor allem auf Endverbrauchermessen auftreten. Z.B. bei der grünen Woche in Berlin, kann man den Auftritt dieser Kategorie bestens beobachten. Sie treten gerne Rudelweise auf, bilden ein Spalier, jeder Messebesucher der Aufrecht gehen kann wird von den Weindrückern angesprochen. Es ist ihnen dabei völlig egal, wer oder was da an ihnen vorbeiläuft, alles was sie wollen, den auf kostenlose Pröbchen geilen Messebesucher an den Tisch zur „Weinprobe“ zerren. Ist das erst einmal geschafft, treten die Rudelführer in Aktion. Sie sind es, die der schwerhörigen und nahzu blinden Oma eine Palette Quitschsüße Plörre verkaufen. Sie trinken gerne Cola-Rot? Kein Problem, der Rudelführer wird auch hierfür einen passenden Rotwein hervorzaubern. Schorlewein? Aber sicher doch, die Rudelführer haben eine Sonderfüllung Tafelwein, extra billig, nur 1,39 Euros die Literflasche. Egal was das Herz begehrt, den Wein für die Bowle, oder als Ersatz für den Abführtee, die Weindrücker und deren Rudelführer werden entsprechendes im Angebot haben.

2 Comments

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2 Responses to Messeschlampe

  1. Heinz Wattler

    Tja, und dann gibt es die natürlich auch noch diese wunderbaren Messeschlampen, nein, Schlampen möchte ich sie eigentlich nicht nennen, eher Messelichter, diese koketten, immer zwei Nummern zu klein gekleideten Damen, die automatisch das Interesse der Vorübergehenden packen, es fesseln, nicht mehr loslassen, und den Wanderer zu einem Aufenthalt auf Zeit verlocken, bei dem er Weine verkostet, weitere Weine verkostet, zwischendurch den Blick vom Glas zum Dekolleté und zum Glas und zum Messelichtganzkörper schweifen lässt, zuletzt dann zu viel Wein verkostet, das Ausspucken vergisst, unrettbar verloren mit der Weintheke zur Einheit verschmilzt und der dann beginnt vertraulich zu werden.

    Und dann hat das arme Messelicht, in der Regel rund 30 Jahre jünger als der weinselige Besucher, ein Problem, das es nur schwer wieder los wird. Manche Besucher behaupten ja, sie kämen ausschließlich der Messelichter wegen zu manchen Messen…

  2. Mal eine Frage an den Fachmann: Was ist an quietschsüßer Plörre eigentlich so schlimm?

    Ich gebe zunächst einmal zu, daß ich von Wein nicht das Geringste verstehe. Ich kann Roten von Weißem unterscheiden und Süßen von Saurem.

    Früher einmal konnte mir Wein, wenn ich mal welchen trank, gar nicht „trocken“ genug sein. Aber im Laufe der Jahre hat sich mein Geschmack gewandelt, heute mag ich lieber süßen Wein.

    Warum um alles in der Welt schaut mich jeder an, wie einen Außerirdischen, wenn ich lieblichen Wein trinken möchte?

    Wenn ich im Lokal einen lieblichen (für mich) und einen trockenen Wein (für meine Frau) bestelle, dann kann man Wetten darauf abschließen, daß der Kellner den Lieblichen dann meiner Frau hinstellt.
    Wenn ich dann darauf hinweise, daß der für mich ist, kann man Gift darauf nehmen, daß ich den Rest des Abends wie ein Schwuler behandelt werde.

    Was ist an lieblichem Wein so schlimm?

    Gruß
    Peter