Pestizide im Wein

Das es keine echte Überraschung sein kann, das in konventionell erzeugten Weinen Rückstände von Pestiziden nachgeweisen werden können sollte eigentlich klar sein. Das sich so etwas auch in Ökoweinen findet ist dann doch ein starkes Stück und dürfte selbstverständlich nicht sein. Wie auch immer, wichtig ist dabei die Tatsache, das alle geforderten Grenzwerte unterschritten werden, es also eigentlich KEINEN Grund zur Beanstandung gibt, es sei denn man wäre auch überrascht das man im Wein Alkohol findet. Alles nachzulesen HIER

Und jetzt lesen wir einmal was die deutsche Journaille daraus macht. Süddeutsche.de titelt: Pestizide im Wein, welt.de macht daraus ein europäisches Problem: Pestizide in europäischen Weinen. Spiegel online gefällt mir am Besten, denn dort wird unter der Überschrift: Rotwein oft mit Pestizid belastet erst einmal Werbung für die BASF geschaltet. Bei FR-online heißt die Schlagzeile Gift im Wein. Auch dem Kölner Stadtanzeiger ist aufgefallen das in konventionell erzeugtem Wein mehr Pestizide enthalten sind als in biologoisch produziertem, erstaunlich das sich das dort dann nicht wieder in der Überschrift findet, sondern daraus flugs ein deutsches Problem wird: Pestizide in deutschem Wein.
Kein einziger Verlag macht sich die Mühe konkrete Zahlen zu veröffentlichen, oder einfach den Sinn einer solchen Studie zu hinterfragen. Hauptsache Inhalt der mit Werbung zugeknallt werden kann, das scheint alles zu sein was zählt. Und wenn man dem Wein damit schadet ist es ebenfalls scheißegal, denn es war ja keiner, man hat ja nur abgeschrieben.

16 Comments

Filed under Wein in den Medien

16 Responses to Pestizide im Wein

  1. Da drehen sie alle wieder durch. Abschreiben, den eigenen Senf dazugeben und aus der Mücke einen Elefanten machen.
    Anfang der 90er Jahre gab es fast keine Pestizidrückstände im Wein. Erst mit der Verfeinerung der Analysemethoden in den letzten Jahren können die letzten Moleküle von Pestizidrückständen im Wein festgestellt werden. Natürlich sind auch Ökoweine durch die allgemeine Umweltbelastung davon betroffen. Aber ob ökologisch oder konventionell: Durch die Abreicherung von Rückständen während der Verarbeitung und Gärung sind Weine sehr, sehr gering belastest, wenn überhaupt. Da ist der im Wein enthaltene Alkohol das größere Problem…

    Gruß Harald

  2. Das sehe ich als etwas problematischer an. Niemand weiß wirklich, in welcher Dosis diese Stoffe Schäden verursachen. Und in der Studie wird auch auf die sehr hohe Menge an ausgebrachten Pflanzenschutzmitteln im Weinbau hingewiesen. Das ist nicht zu verharmlosen. Das Ziel in der Nahrungsmittelherstellung sollte nach meiner Meinung immer ein möglichst naturreines Produkt unter größtmöglicher Schonung der Umwelt sein.

  3. Nachtrag: Hier ist der Link zur Studie, für alle, die ausführliche Informationen aus erster Hand bervorzugen:

    http://www.pan-europe.info/Pictures/PDFs/Press%20R...

  4. Hallo Thomas!

    Ich habe es ja gerade eben schon bei Lars kommentiert, möchte aber auch an dieser Stelle auf folgende Diskussion über diese Studie in einem KONSUMENTENforum hinweisen:

    http://www.chefkoch.de/forum/2,20,388945/Umweltstu...

    Besonders der Beitrag von Matthias H. vom 26. 3. um 15.35 Uhr zeigt doch, dass ziemlich ziemlich wenig dahinter ist:

    Nicht nur, dass die Studie die Grenzwerte für die verschiedenen Stoffe bzw. die Tatsache der Nichtüberschreitung dieser Grenzwerte verschweigt, sie gibt auch keinerlei Relationen an.

    Wie Matthias H. schlüssig vorrechnet, müßte eine 50kg schwere Person auch bei der Annahme deutlich strengerer Grenzwerte als die der WHO TÄGLICH mehr als 50 Liter des am stärksten belasteten Weines trinken, um Schäden durch die Rückstände zu befürchten.

    Da ist wohl der Alkohol (oder andere Dinge die wir zu uns nehmen) eher ein Problem.

    Natürlich sind Grenzwerte nicht unproblematisch, aber diese Relation spricht wohl Bände. Und davon abgesehen würde ich auch den Bio-Weinbau nicht automatisch als Ideal vergöttern Zumindest nicht, bis man dort ohne Kupferspritzungen auskommt (die natürlich auch im Wein zu finden sind, und Kupfer ist bekanntermaßen ein auch nicht gerade gesundes Schwermetall).

    Grüße

    Bernhard

  5. Das Argument mit dem Kupfer im Bioanbau habe ich in den letzten Jahren sehr oft gelesen. Dabei sollte man aber wissen, dass es hier hauptsächlich um die Anreicherung im Boden geht. Im Bioanbau sind deshalb schon lange Bestrebungen im Gange, die Verwendeten Mengen so weit wie möglich zu senken. Auf den Blättern (und Trauben) wird das Kupfer überigens bei jedem stärkeren Regen abgewaschen – und ein veranwortungsvoller Winzer wird auch rechtzeitig lange genug vor der Ernte mit den Spritzungen aufhören.

    Es gibt Empfehlungen, die Menge von 2kg Kupfer pro Ha pro Saison nicht zu überschreiten. Ich habe im letzten Jahr so etwa 200G ausgebracht – gebe aber zu, dass das in meiner Klimazone einfacher war, als z.B. in Bordeaux, wo der Sommer sehr feucht und so sehr vom Mildiou belastet war.

    Eine gut ventilierte Lage, möglichst am Hang, magere Böden, die die Vegetation erst gar nicht dschungelartig ausufern lassen, eine gute Laubarbeit – das sind auch alles Faktoren, die helfen, den Weinberg natürlich gesund zu halten…

    Aber das macht natürlich etwas mehr Mühe, als mit systemischen Spritzmitteln (die in die Zellen der Pflanzen eindringen und also gar nicht auf natürliche Weise verschwinden können) vom Traktor aus alle 14 Tage den Chemieregenschirm aufzuspannen – das Risiko ist bei extremen Wetterlagen auch größer und die Ertragsmenge u.U. auch nicht maximal garantiert.Ab einer bestimmten Größe, kann man auch nicht mehr so individuell auf die jeweiligen Gegebenheiten eingehen und schnell reagieren, wie das eine biologische Arbeit voraussetzt.

    Auch auf Insektiziede kann man verzichten, wenn man ein gesundes Rebklima hat und zuvor nicht das natürliche Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Nützlingen durch zu viel Chemie zerstört hat.

    Ich hätte zumindest auch Bedenken, dass die Synergie vieler verschiedener Schadstoffe, auch in geringer Dosis im menschlichen Körper als Endlager noch gar nicht genügend erforscht ist, um beschwichtigend abzuwiegeln.

    Dass zusätzlich in vielen Kellern die Trauben nicht mehr natürlich zu einer reibungslosen Gärung gelangen, liegt ja u.a. auch an diesen Rückständen, die die natürlichen Hefen behindern – aber auch da stellt uns die Industrie ja inzwischen die nötigen “Medikamente” zur Verfügung:-)

    Allerdings glaube ich nicht, dass die Tragweite des Problems wirklich allen konventionellen Weinbauern bewusst ist – schließlich verwenden sie das Zeug ja selbst, sitzen oft ohne notwendige Schutzkleidung bei Versprühen mitten drin. Sorgen bereiten ihnen oft nur die steigenden Kosten für die Produkte bei sinkenden Preisen für den Wein….

  6. Hallo Iris!

    Nur damit ich nicht in eine Schublade komme, in die ich nicht hineinpasse (was nicht heißen soll, dass du mich da hineinstecken willst):

    Ich bin kein ahnungsloser und unkritischer Agrochemie-Anwender und mache mir über mein Tun sehr sehr viele Gedanken. Ich achte auch meine biologisch wirtschaftenden Kollegen und setze viele (passive) Methoden ein, die sie entwickelt oder zumindest forciert haben.

    Zweifellos ist das Wissen der Anwender oft nicht ausreichend (was u.a. zu unnötig vielen Spritzungen führt oder zum Nichtsogenaunehmen der Wartefrist) und viele Winzer trauen zu sehr den Empfehlungen der Industrie und zu wenig ihrem Hausverstand (wenn er überhaupt noch vorhanden ist).

    Offenbar im Unterschied zu dir bin ich aber der Meinung, dass man auch (aus Gründen der Klimavoraussetzungen, der Betriebsgröße, der wirtschaftlich notwendigen Ertragshöhe etc.) mit einem intelligenten Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln nachhaltig und verantwortungsvoll Weinbau betreiben kann.

    Man kann und soll die Studie als Ansporn nützen, den Aspekt möglicher Rückstände noch stärker beim Pflanzenschutz zu berücksichtigen, einen Skandal und die gebrauchten einseitigen Schlagwörter (“Gift im Wein”, “Planzengift” SIC!, “alarmierend und schockierend”,…) gibt sie aber schlicht und einfach nicht her.

    Grüße

    Bernhard

    P.S.: Deine Kupfermengen sind tatsächlich sehr gering. Offenbar lebst du nicht gerade in einem Peronospora-Gebiet. In Sachen Rückstände würde ich aber nicht nur den Boden in Betracht ziehen. Warum sonst wird Kupfer zur Abschlußspritzung mit dem Argument der Böckservorbeugung empfohlen…

  7. Lieber Berhard, gut, dass Du Dich nicht in die Schublade gesteckt fühlst:-). Ich kenne übrigens nur wenige Winzer (eigentlich außer Dir nur noch einen Franzosen), die so transparent über ihre Methoden berichten, wie Du auf Deinem Blog!

    Mir hat halt vor allem die Reizkeule “Kupfer” quergelegen, die gerade auch in einem französischen Weinforum wieder von Hervé Bizeul geschwungen wurde. Das kommt mir dann immer wie die Geschichte mit dem Strohhalm und dem Balken vor…

    Wenn man die Studie, die die Journalisten verwenden, ganz gelesen hat und dazu noch die gestrigen Berichte über Pestizidrückstände, die kontroverse Diskussion über die Folgen der Koppelung von abgelagerten Wirkstoffen im Körper des Endverbrauchers im Fernsehen verfolgt hat (wo es gar nicht im Besonderen um Wein ging, sondern um alle unsere Lebensmittel) und dann noch, wie Du und ich, die Werbeseiten der Chemieindustrie mit ihren bunten, idyllischen Reklamebildchen für die neuesten Spritzmittel kennt (die man ja auch im Internet findet), finde ich aber schon, dass man das Ganze nicht herunterspielen sollte. (Was Du ja auch nicht tust:-)).

  8. Mittlerweile gibt es auch eine Stellungnahme des (deutschen) Bundesinstitutes für Risikobewertung zu dieser Studie:

    http://www.bfr.bund.de/cm/218/analysenergebnisse_d...

    Darin heißt es:

    “Für alle Pestizide, die in Wein gefunden worden sind, wurde die jeweilige ARfD (Akute Referenzdosis, Angabe für die akute Giftigkeit) meist nur zu weniger als einem Prozent ausgeschöpft, bei einem von 24 Pestiziden lag der Wert bei 7,4 Prozent, d.h. die aufgenommene Menge eines Pestizids lag meistens um mehr als den Faktor 100 unterhalb der ARfD. Die ARfD wiederum wird so festgesetzt, dass sie um einen Sicherheitsfaktor von meistens ebenfalls 100 unterhalb der Konzentration liegt, die im Tierversuch gerade noch keine schädliche Wirkung hervorruft.

    Die Akute Referenzdosis wird für die Bewertung akuter toxikologischer Wirkungen herangezogen. Die nachgewiesenen Pestizide weisen aber auch toxikologische Eigenschaften auf, die für eine Langzeitexposition von Bedeutung sind. Aus diesem Grund wurde zusätzlich die chronische Aufnahme mit dem jeweiligen ADI-Wert verglichen. Der ADI-Wert (Accetable Daily Intake) beschreibt die Menge einer Substanz, die ein Leben lang täglich aufgenommen werden kann, ohne dass gesundheitliche Auswirkungen zu erwarten sind. Die Auswertung hat ergeben, dass der ADI-Wert durch die jeweils nachgewiesenen Rückstandsgehalte in Wein in den meisten Fällen zu weniger als 1 Prozent, in allen Fällen zu weniger als 5 Prozent ausgeschöpft wird.”

    Grüße

    Bernhard

  9. @ Bernhard: Ratten im Labor sind keine Menschen und somit keine durchschnittlich 75 Jahre alt werdenden Allesfresser (und Säufer): die wandelnde Sondermülldeponie Mensch. Es wird bald keine Lebensmittel mehr geben, die nicht kontaminiert sind, das gilt auch für gentechnisch veränderte Organismen. So halten mich diese wissenschaftlichen Unbedenklichkeitsstudien nicht davon ab, davon überzeugt zu sein, das jedes neu ausgebrachte Biozid eines zu viel ist.

    Spuren von Pflanzenschutzmittel finden sich im übrigen nicht nur im Wein wieder, sondern auch im Trinkwasser:
    http://schreiberswein.twoday.net/stories/4218355

  10. Stimmt Lars, aber wie in den französischen Berichten zu den Pestizidrückständen im Wein auch gesagt wird: die analysierten Weine würden als Trinkwasser nicht zugelassen werden, da in ihnen die gefundenen Pestizidrückstände teilweise bis zu 5800 mal höher sind, als die zugelassennen Höchstwerte für Trinkwasser!

  11. Dr. Haesaep

    Für Obst und Gemüse wird die akute Referenzdosis ARfD zur Bewertung der Toxizität dieses Lebensmittels herangezogen. Man legt dabei zugrunde, dass die empfindlichste Bevölkerungsgruppe (Mädchen mit einem durchschnittlichen Körpergewicht von 16,5 kg)eine dem Warenkorb entprechende Menge des jeweiligen Obstes isst. Ich will es nicht komplizierter machen als es ist:

    Ganz einfach: Dieses Mädchen müsste demnach einen Liter Wein in kürzester Zeit (also einer Mahlzeit entsprechend….) zu sich nehmen, um in einen toxikologisch bedenklichen Bereich zu kommen einer ARfD – Ausschöpfung von 100% …….

    War da nicht noch was anderes drin im Wein ….?? Ich meine da war noch was, was diesem Mädchen eventuell den Wein nicht gut bekommen ließe – ich hab’s vergessen – sorry, ist wohl eher unwichtig.

  12. Also, wenn ich das richtig verstehe wären nach der Methode ARfD die Pestizide tatsächlich unbedenklich, weil die aufzunehmende Menge auf einen kurzen Zeitraum begrenzt ist?
    Und mit unwichtig meinst du den Alkohol? In der Tat, der ist wirklich unwichtig, denn welches Mädchen mit 16,5 kg würde einen Liter Wein zum Mittag runterstürzen? Das schaffen kaum gestandene Männer auf dem Dürkheimer Wurstmarkt!!
    Vermutlich wäre der Genuss von Trauben für das Mädchen kritischer als der Genuss von Wein?

  13. Benjamin

    Dass mit der BASF-Werbung im Artikel über Pestizide erinnert mich übrigens an folgende Werbeplatzierung:
    http://www.shesaiddestroy.org/archives/2006/01/25/...

    Schöne Grüße,
    Benjamin

  14. Also dass einige Nachrichten-Magazine, sei es nun online oder in Papierform, aus einer Mücke einen Elefanten machen, um mehr Leser zu bekommen, sollte eigentlich allen klar sein.

    Gruß Peter

  15. Es kommt ganz auf die Perspektive an. Aus Sicht einer Mikrobe ist eine Mücke riesengroß!

  16. Aber auch für die Mikrobe ist die Mücke eine Mücke.

    Und kein Elefant.

    Hier noch ein weiterer lesenswerter Link zu Jamie Goode. Der Mann ist nicht nur Weinjournalist, sondern auch Biologie-Doktor und wohl kaum von der Agrochemie-Lobby gesponsert:

    http://www.wineanorak.com/blog/2008/04/pesticides-...

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