Pressemeldung zur Ernte 2006

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 11 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Mit Verwunderung habe ich gestern die Pressemeldung des DWI gelesen, in der sogar konkrete Zahlen und Erntemengen genannt werden. Brav haben dies einige Weinblogs abgeschrieben und veröffentlicht 🙂

Ich frage mich wie das DWI wissen kann wie die diesjährige Ernte verlaufen ist? Bei uns hat keiner angerufen und sich erkundigt. Die Erntemeldung mußte ebenfalls noch nicht abgegeben werden, wie also kann man dann für Baden eine um 12 % geringere Erntemenge vermelden? Vermutlich eine Schätzung?
Woher wissen die beim DWI das die Weine feine Aromatik bei schöner Säurestruktur haben? Wieviele Badische Weine haben die probiert? Andererseits, diese Beschreibung passt eigentlich auf jeden Wein….
Bei uns gärt es noch im Keller, wir verkauften noch bis Gestern „Neuer Wein“ und „Federweißer“. Vielerorts liegen die Roten noch auf der Maische, diese dann zu Gewinnern des 2006er Jahrganges zu erklären scheint mir ebenfalls ein bischen verfrüht.
Einer unserer Nachbarn hat Gestern erst seine Weinernte beendet und die hiesige Zeitung hat unter Verzicht der ansonsten üblichen Traubenfotos groß darüber berichtet!!

Gib den Lesern was sie lesen wollen!!!

Ebenso frage ich mich, warum man an dieser Stelle von optimierter Lesetechnick spricht, von Blitzernte und das Kind nicht beim Namen nennt? Für die, die es nicht wissen, Traubenvollernter heißt das Zaubergerät und wird inzwischen sogar von Spitzenwinzern eingesetzt, aber nur ganz im Geheimen 🙂
Aber ist ja gut so, derweil sich alle im Superjahrgang suhlen bestellt man vielleicht in den Geschmaksprüfenden Instituten der QbA-Prüfung zusätzliche Spucknäpfe in Erwartung des Spitzenjahrganges 2006.
Weinanalyselabors dürfen sich auf Zusatzaufträge in Bezug auf Essigsäurebestimmung freuen, ganz andere werden sich dezent darüber informieren wie Andernorts in der großen weiten Welt Essigsäure aus dem Wein entfernt wird. Ja ja, auch dafür gibt es Zaubermaschinen, aber hey, das ist verboten in Deutschland!! Finger weg!!!

2 Comments

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2 Responses to Pressemeldung zur Ernte 2006

  1. F.K.Wächter

    Lieber Winzerblogger,
    wie man für Baden eine Mengeneinschätzung abgeben kann ist doch ganz einfach. Ich würde mal vermuten wen man die 20 grössten Genossenschaften in Baden anruft und dort die Erntemengen abfragt hat man schon 50% der Rebfläche Badens erfasst, wen nicht sogar mehr. Private Winzer spielen doch gerade im Anbaugebiet Baden bei der Mengenproduktion nur eine sehr untergeordnete Rolle. Überhaupt Menge und Volumen, über folgendes sollte man als Winzer mal nachdenken: In Mannheim wird es im Industriegebiet eine ganze Reihe von Unternehmen geben das mehr Umsatz macht als alle! Winzer der Bergstrasse(Hessen&Baden) zusammen.
    Natürlich ist die Frage berechtigt was es soll Jahrgänge schon bevor sie verkostet sind hoch oder runter zu reden, was übrigens auch bei Ihnen im obigen Text geschieht und etwas den Beigeschmack von „Unterstellungen“ hat.

  2. Lieber Herr Wächter,
    ich gebe Ihnen Recht, man könnte es als Unterstellung auffassen, um dies zu vermeiden habe ich auch diese hässlichen lachenden Smilys benutzt. Ein bischen Ironie muß schon sein. Aber was die Jahrgänge angeht, ist es meines Erachtens schon ein Wahnsinn, vor der Ernte ist alles toll, hinterher ebenfalls, irgendwann vergessen WIR ALLE, das wir mit einem Naturprodukt arbeiten und die Natur nun einmal der bestimmende Faktor in unserem Geschäft ist.

    Mit Ihrem Éinwand die Zahlenerfassung in Baden betreffend liegen sie wahrscheinlich ebenso richtig, die Weingüter in Baden sind wirklich unbedeutend, darum braucht man sie auch nicht zu fragen. Sie werden es mir nachsehen, das ich gerade diesen Umstand der Bedeutungslosigkeit als unangenehm empfinde.

    Ihren Einwand mit den Mannheimer Firmen verstehe ich nicht, ja, es gibt sogar hier um die Ecke Weltkonzerne, die machen wohl mehr Umsatz als die ganze Deutsche Weinwirtschaft zusammen!!!!