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Winzers Privileg

Die Ausgabe der 17. Weinrallye hat für mich bereits vor einigen Wochen begonnen, bei meinem Besuch des Communty Camps in Berlin.
Gemeinsam mit Matthias und Swetlana wurde eine klitzekleine Weinrallye abgehalten mit Weinen die sich nicht für dieses fantastische Event qualifizierten weil sie nicht aus den geforderten Ländern stammen.
Zunächst einmal war die Wahl des Restaurantes eine echter Knüller, denn wo bitte bekommt man schon die Möglichkeit echt russisch zu essen und zu geniessen?
Das dargereichte Essen war durch und durch köstlich, ich hatte mich für Scharkoje entschieden bei den kalten Berliner Temperaturen ein ideales Gericht. Lammfleisch mit Zwiebeln, Auberginen, roten Bohnen, Kartoffeln, alles serviert in einem Topf unter einer Teighaube, also einem Brot. Begleitet wurde das Essen von einem Georgischen Rotwein den Matthias mitgebracht hatte, eine ideale Ergänzung wie ich meine was durchaus mein Interesse an Georgien geweckt hat und ich mir vorgenommen habe mehr über die Weine dieses Landes zu erfahren.

Nach dem Essen dann liessen wir den von mir mitgebrachten Wein öffnen. Was soll ich sagen, eine echte Weltsensation in Anbetracht unserer Erwartungen die wirklich ganz tief angesiedelt waren. Oder was sollte man erwarten von einem alten Wein aus dem Ostblock?

Ich hatte einen echten DDR Wein dabei, Winzers Privileg heißt die Marke und alleine der Name veranlasste mich vor einigen Monaten diese Flasche zu kaufen, denn damals glaubte ich noch Swetlana würde eine Ostblock Weinrallye veranstalten bei der alles zugelassen ist was aus dem Osten kommt. Mit ihrer Eingrenzung auf die letzten Beitrittsländer hat sie mich kalt erwischt 🙂

Der Wein:
Winzers Privileg

Importtraubenwein Winzers Privileg, DDR, vermutlich 70er Jahre, laut Etikett kostete der Wein 12,50 Mark. Weiterhin hat der  Produzent die VdgB Sächsische Winzergenossenschaft Meissen auf dem Etikett vermerkt:

Gefälliger Weisswein mit angenehmer Muskatnote guter Säure und voller Süsse

Interessanterweise war die Flasche mit einem Kronkorken verschlossen, was selbst dem Kellner ein Lächeln entlockte. Da war die DDR ihrer Zeit vorraus, vermutlich aber eher unfreiwillig?

Der Kronkorken machte von innen betrachtet nicht mehr den allerbesten Eindruck, die Weinkellereien der DDR hatten sicherlich nicht damit gerechnet das irgendjemand eines ihrer Importprodukte noch nach 30 Jahren auf den Tisch stellen würde.

Eine Jahrgangsangabe fehlt komplett, aber wir schätzen das diese Flasche Ende der 70 auf den Markt kam? Falls jemand etwas konkretes darüber wissen sollte wäre ich für eine kurze Info dankbar!

Rundum gelang es dem alten DDR Wein uns zu überraschen.

Winzers Privileg

Die Farbe des Weines war gesund, zudem waren keine Trübungen zu sehen, somit stand einer unmittelbaren Verkostung nichts im Wege und auch die war für die Teilnehmer überraschend.

Der Wein präsentierte sich zwar recht müde, aber zunächst doch fehlerfrei und auch wenig gezeichnet vom Alter. Die auf dem Etikett angekündigte Süße fiel deutlich geringer aus als befürchtet und liess und doch erahnen das mit entsprechnder Frische dieser Wein durchaus Attraktiv gewesen sein könnte.

Die Aromatik des Weines war dann allerdings doch eher unerfreulicher Natur. Swetlana machte bereits früh darauf Aufmerksam das sie leichten Geruch von Plastik wahrnehmen konnte, Wie könnte man einer Frau wie Swetlana widersprechen, so schlossen sich Matthias und ich dieser Meinung sofort an, wenngleich ich vielleicht nach einigen Wochen Reflektion darüber erneut nachdenken würde ob vielleicht das Metall des Deckels eher eine geschmaksgebende Rolle gespielt hat als der Plastik oder dessen Lösungsmittel?
Aber, wir sind und waren uns einig, die Aromatik des Weines ist nicht in Ordnung, wenngleich das Ausmass des Fehlers eher als Gering bezeichnet werden kann und von ungeübten sicherlich nicht erkannt würde.

Da der Wein auswärts verkostet wurde war eine Rettung des Weines nicht möglich und auch nciht wirklich nötig. In Anbetracht der fehlenden Frische und Müdigkeit des Weines hätte ich versucht dem Wein mit Weinsäure neues Leben und Frische einzuhauchen, dazu eine paar mg Schwefel und ich bin sicher der Wein hätte heutigen Ansprüchen an einen einfachen Wein völlig Genüge getan.

In diesem Sinne, ein Dankeschön an Swetlana und Matthias für diesen gelungenen russischen Abend im Vorfeld der Weinrallye #17

Winzers Privileg

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Neue Kategorie eingerichtet: Alte Weine, Raritäten & Kuriosa

weinverkostungen-1928-copyright-winzerblog.jpgSo lange ich nicht arbeiten darf und kann, kümmere ich ich mich darum, das ganze nötige Sammelsurium für meine Weinverkostungen hier im Winzerblog zusammen zu tragen. Entsprechendes Werkzeug um mit alten Weinflaschen umgehen zu können muß zumindest bereitliegen. Das sind Dinge wie diverse Korkenzieher, Dekantiertrichter um evtl. Ausscheidungen abzutrennen und Karaffen um den Wein vollends aus seiner alten Flasche befreien zu können.

Die meisten haben es geahnt und viele haben es bereits bei meinem letzten Artikel verstanden, ich werde selbstverständlich keine normalen Weine verkosten, sondern werde meinen Keller auflösen und mich durch die letzten 80 Jahre degustieren. Wenn ich also Weine wie HIER angekündigt in den Gulli schütte kann man getrost davon ausgehen das die Produzenten des jeweiligen Weines wohl nicht mehr leben.

Wie komme ich dazu so etwas zu tun? 4 Gründe möchte ich aufführen.

1. Zum einen hat mich Gerhard beim letzten Blog trifft Gastro auf die Idee gebracht, als er mir von einem Bekannten erzählte der ein Geschäft damit betreibt solche alten Weine zu kaufen und wieder zu verkaufen. Wir unterhielten uns darüber wie schön es doch wäre wenn solch eine Person darüber bloggen würde.

2. Das Thema alte Weine hat mich schon immer fasziniert und gefesselt. Als junger Küfer hatte ich einmal die Aufgabe ein chaotisches Weinarchiv einer großen Kellerei zu sortieren, neu zu organisieren und vor allem die Weine zu verkosten und falls nötig für die nächsten Jahrzehnte fit zu machen. Von dieser Tätigkeit zehre ich noch heute, denn es bleibt nur wenigen Menschen vorbehalten Jahrgänge eines Jahrhunderts lückenlos verkosten zu können. Schade nur, das mir das damals nicht so recht bewusst war, die Jugend setzt andere Prioritäten!

3. Zum anderen klopfen bei mir immer wieder Menschen an die Türe die hilflos mit Körben voller Wein alter Jahrgänge dastehen und nicht wissen was sie damit anstellen sollen. Ich habe bisher die Empfehlung gegeben die Flaschen für die Enkel aufzubewahren oder bei Ebay einzustellen. Nun ist es bei Ebay eben so, auch dort zählt der Name. Eine Beerenauslese eines unbekannten Weingutes ist für 1 Euro zu bekommen, gleiche Qualität eines bekanntes Weingutes schnellt in Höhen bis zu mehrerer 100 Euro. In der Regel sind solche noname Weine kaum verkäuflich. Ich hege ein bischen die Hoffnung mit diesen Raritätenverkostungen wieder zu lernen diese alten Jahrgänge einschätzen zu können.

4. Aktuell habe ich eine Flasche Wein hier stehen aus dem Jahrgang 1928, in absolut jämmerlichen Zustand. Eine Möglichkeit wäre nun den Wein weiter vor sich hingammeln zu lassen, oder ihn einfach zu öffnen und zu probieren. Ich werde letzteres tun und damit beginnen diese alten Weine zu öffnen, denn dafür wurden sie doch produziert? Die wunderbaren Etiketten werde ich hier zeigen und damit vielleicht den Beweis antreten das nicht alles was Alt ist schlecht sein muss.

weinverkostungen-1947-copyright-winzerblog.jpg

Mir ist klar, das vermutlich 90 % der Weine nicht mehr zum Genuss geeignet sind und tatsächlich den Weg in den Ausguss finden werden. In so fern dürften diese Weinverkostungen nicht immer ein Spass sein, aber der Nutzen und die Erkenntnis dürfte deutlich höher sein als eine Weinprobe mit Supermarktweinen  wie sie zur Zeit an jeder Ecke statt zu finden scheint.

Die Weinwerkstatt
Sollte sich bei der Weinprobe herausstellen das einer der alten Weine noch etwas zu bieten hat, und ist es nur die Tatsache das er noch nicht völlig zerstört ist, bekommt er eine Chance die man ihm unter Umständen schon vor vielen Jahren hätte zukommen lassen müssen. Ein Versuch der Reparatur oder Erfrischung! Diese zweite Chance besteht aus Dingen wie:

  • Schwefel
  • Ascorbinsäure
  • Weinsäure
  • Tannine
  • eine frische Flasche
  • frischer Verschluss

Befreit von Satz und Weinstein darf der Wein dann weitere Jahre im Keller vor sich hinlagern, in der Hoffnung das der Verderb zum Stillstand kommt und der Wein wenigstens so bleibt wie er sich zum Zeitpunkt der Verkostung präsentierte. Der Wein ist nach einer solchen Reparatur kein Original mehr, darauf nehme ich jedoch keine weitere Rücksicht, denn diese Weine dienen mir ja nicht als Spekulationsobjekt.

Auf die Möglichkeit der Haltbarmachung alter Weine mittels Aufspritung mit Alkohol verzichte ich, die dabei stattfindende geschmackliche Entfernung vom Originalwein empfinde ich als zu stark.

Jetzt freue ich mich auf die alten Weine und bin selber gespannt welche Überraschungen sich in den Flaschen verbergen mag.

weinverkostungen-1954-copyright-winzerblog.jpg

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