Turbobarrique

Der VDP hat beschlossen keine Eichenholzchips zu verwenden.

Das halte ich eigentlich für eine gute Sache, aber wie um Himmels Willen will man das garantieren?
Was passiert, wenn sich diese Geschichte durchsetzt und in 5 Jahren gute handwerkliche Praxis ist?

Ich glaube wir machen einen Denkfehler, wenn im Zusammenhang mit Holzchips immer vom Turbobarriquewein, der in 8 Tagen produziert wird geredet wird.

Auf Nikos Weinwelten kann man den Pressetext komplett lesen, hier ein Auszug:

Die im Verband deutscher Prädikatsweingüter (VDP) organisierten Spitzenwinzer lehnen den Einsatz von Eichenholzchips bei der Weinbereitung grundsätzlich ab.

Dies beschlossen die rund 200 VDP-Winzer aller deutschen Weinbauregionen bei ihrer Mitgliederversammlung. In der Diskussion um die Zulassung neuer Methoden zur Weinbereitung in Deutschland stünden die VDP-Weingüter für die Ideale der „terroirgeprägten, handwerklichen Weinbereitung“.

Weiter kann man lesen:

Das US-Weinrecht gestattet den Winzern beispielsweise, die teure und lange Lagerung im Eichenfass zu umgehen, in dem zur Anreicherung der Gerbstoffe edler Weine Holzchips in die Stahltanks kommen.

Leider Gottes gibt es für Holzchips sowie für die Mostkonzentration keinerlei Kontrollmöglichkeiten, darum macht es aus meiner Sicht wenig Sinn diese zu verbieten.
Es gibt für den Kunden nun exakt zwei Möglichkeiten, man glaubt dem Winzer oder man glaubt ihm nicht.

Was wäre wenn man nun die alten Barriques verwendet, und die Chips hier zusetzt und nicht im Stahltank? Einfach weniger Chips dosieren, dann müßte man die Lagerung auf 9 – 15 Monate ausdehnen können. Dann wäre das doch Handwerklich gesehen wieder in Ordnung und würde sogar den Zusatz auf dem Etikett „Im Barrique gereift“ erlauben.
An einer Terroirorientierten Ausbauweise würde sich absolut nichts ändern, ausser dem Umstand das man alte Fässer verwendet anstelle von neuen. Die Reifeeffekte sind hierbei die gleichen.

Ich gebe zu, die Neugier ist groß, das ich das gerne probieren würde. Von der Kostenseite her betrachtet, dürfte sich abgesehen von der Neuanschaffung eines Barriques nicht viel ändern. Der Aufwand bleibt der gleiche, zudem müssen die Trauben nach wie vor aufwändig produziert werden.

Meine anfängliche Empörung über diese Schnipsel oder Eichenholzchips ist inzwischen verzogen, ich frage mich immer mehr ob wir uns hier nicht eine Chance verbauen. Denn ganz Nüchtern nachgedacht, offenbaren diese Chips einige Vorteile die mit Kundentäuschung oder Verrat am Berufsstand absolut nichts zu tun haben.

Aber Vorsicht, nicht falsch verstehen. Alle unsere Barriqueweine sind nach herkömmlichen traditionellen Methoden hergestellt. Das ich hier im Blog über den Einsatz der Chips Nachdenke, sagt lediglich aus, das ich darüber Nachdenke. Nicht mehr und nicht weniger.

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