Unendliche Geschichte

Weinhandelsabkommen USA – EU

Im neuen leading Wine-Blog von Arthur Landwein geht es wieder einmal um das kürzlich in Kraft getretene Abkommen zwischen den USA und der EU.

Neu daran ist, das sich nun das US-Amerikanische Weingut Schug zu Wort meldet. Dazu möchte ich mir doch die eine oder andere Anmerkung erlauben.

Auch auf die Gefahr hin, als tumber deutscher Winzer oder Kellermeister dazustehen, sehe ich dieses Abkommen nach vor sehr kritisch. Arthur Landwein hat mir ja schon einmal seine Meinung in das Stammbuch geschrieben, und er hatte Recht damit. Dieses ganze Debakel kann und muss vor allem von den kleinen Weingütern als Chance aufgefasst werden. Neue Methoden begründen nicht automatisch den Tod der Alten.

Glashaus:

Aber trotzdem, da gibt es Sachen die sind einfach nicht in Ordnung, ich möchte dies gerne am Beispiel des Briefes von Herrn Schug deutlich machen.

Gibt es in Deutschland(oder in der EU?) nicht ein Gesetz, das die Verunglimpfung von Konkurrenz-Produkten unter Strafe stellt?

Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen, ich denke da vor Allem an den Boykott Französischer Produkte in den USA, wegen des Irakkrieges.

Geil auf Hightech:

Wenn Herr Löwenstein sagt, das in Wahrheit alle Europäer geil darauf sind, alles so machen zu dürfen wie die Amerikaner, ist dies seine Meinung. Somit bin ich aus seiner Sicht kein Europäer, denn ich bin nicht geil darauf. Herr Löwenstein hat zurecht einen Status der ihm erlaubt solche Dinge zu sagen. Ich für meinen Teil kann sagen, das ich zumindest einige Deutsche Produzenten kenne, die ebensowenig wie ich geil auf diese Dinge sind. Natürlich in dem Sinne wie ich das Wort geil verstehe. Ich könnte mir durchaus vorstellen, das in einigen Jahren die Kellerwirtschaft völlig anders aussieht als die Heutige.

Es geht nicht um die Produktion an sich, es geht um das Prinzip der Chancengleichheit. Es scheint so, als ob alle um uns herum machen dürfen was sie wollen, nur wir werden an die Kette gelegt. Aus diesem Gefühl heraus resultiert der Unmut über dieses Abkommen.

Nicht Herr Löwenstein hat Recht mit der Geilheit, eher Herr Schug mit dem Wörtchen Neid.

Nassanreicherung:

Die Keule zu schwingen und dabei die Nassverbesserung zu verteufeln ist absurd. Man mus schon verdammt alte Lehrbücher konsultieren um entsprechende Berechnungsgrundlagen zu finden. Vor 400 Jarhen wurden Speckschwarten, Blei und viele andere Dinge dem Wein zugesetzt, dies kann doch nicht der heutigen Generation zum Vorwurf gemacht werden? Ich kann von mir sagen, noch nie Wasser dem Wein zugesetzt zu haben. Mir ist es egal wer in welcher Region, wann und warum Wasser zusetzt, nur sollte man es dem Konsumenten mitteilen.

Anreicherung:

Im Gegensatz zu allen anderen Ländern der Welt gehen deutsche Winzer mit der Anreicherung offensiv um. Die deutschen Winzer geben jedem Konsumenten die Möglichkeit der Wahl, wer Anreicherung ablehnt kann Prädikatsweine kaufen. Das Thema Anreicherung ist bei jeder Weinprobe Thema, nicht zuletzt um damit auch Werbung für die Prädikatsweine zu machen. Zugegeben, die Weinwirtschaft kommuniziert nicht auf den Etiketten was angereichert wurde oder nicht, aber sie kommuniziert mit den Prädikatsweinen was definitiv nicht angereichert wurde!!! Das ist bereits mehr, als viele Länder dieser Welt als nötig betrachten.

Eichenholzchips:

Es ist bedauerlich aber auch unaufhaltsam das Eichenholzchips zugelassen werden (Voraussichtlich ab Jahrgang 2006). Aber ich empfinde es als eine Sauerei, das der eine deklarieren muß und der andere nicht. Mir geht es nicht um die Verfahren, denn sicherlich wird in wenigen Jahren keiner mehr darüber ein Wort verlieren. Aber derjenige der traditionell arbeiten möchte, sollte geschützt werden. Der Hinweis, das Eicheholzchips in Frankreich ohnhin für Deutsche Winzer beschaffbar sind verwundert mich nicht im geringsten. Deutsche können in Frankreich noch viel mehr kaufen. Wein, Umkehrosmosemaschinen, guter Käse, herrliche Meeresfrüchte, in Deutschland längst verbotene Pflanzenschutzmittel, Baguettes, billiges Benzin, Zigaretten und Baskenmützen.

Cryoextraktion und Umkehrosmose:

Ich sehe es ähnlich wie Herr Schug, diese Methoden werden seit vielen Jahren in Europa praktiziert, nur weiß es niemand. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter, und behaupte das in Deutschland bereits seit vielen Jahren konzentriert wird, nur will es niemand wahrhaben. Allerdings lieber Herr Schug, ihr Hinweis mit der Mengenreduktion ist völlig daneben. Deutscher Wein wurde noch nie Zwangsdestilliert, im Gegenteil er wurde immer getrunken. Auch wenn es Jahre dafür brauchte Jahrgänge wie 1982 abzubauen, es wurde doch immer geschafft. Deutscher Wein trägt sicherlich nicht zur Globalen Überproduktion bei !!

Zwangspraktikum:

Die Idee mit dem Praktikum für Weinfuktionäre hat etwas, allerdings nicht im Weinkeller, denn dafür wäre mir der Wein zu schade. Aber im Verkauf, dem Kunden erklären warum der Eiswein im Weingut 60,- Euro/0,375l kostet und der im Aldi nur 5,-/0,5l Euro und dabei nicht zwangsläufig schlecht schmeckt.

Reinheitsgebot für Wein:

Das ist wirklich Schwachsinnig, allerdings nicht weil wir etwas zu verbergen hätten. Bei uns kann jeder in den Schrank schauen, da findet sich nichts für was ich mich schämen müßte oder nicht erklären könnte. Gebote bedeuten Regeln, und darin sind wir in diesem Lande Weltmeister. Regeln machen das Leben schwer und kompliziert, denn es wäre noch mehr als heute der Fall, das Bürokraten bestimmen was gut ist und was nicht. Über eine ähnliche Idee habe ich HIER schon einmal meine Meinung geäußert.

Auge um Auge, Zahn um Zahn:

Das ist es was in diesem Brief zu Tage kommt. Ihr werft uns vor Wasser in den Wein zu kippen, dann werfen wir euch vor Zucker reinzukippen. Wir machen Spinning Cone dafür wird in Deutschland mit Kalk entsäuert. So kann es immer weitergehen!!

Wer ist Schuld?

Keine Ahnung! Ich bin nur ein kleiner bloggender NoName-Kellermeister. Da ich auch in Zukunft in Ruhe arbeiten möchte kann ich mich nicht hinstellen und behaupten die Verbände oder Politik wären Schuld, denn als Kellermeister habe ich noch nie einen Verbandsvertreter gewählt und kenne auch keinen.

Die Lösung?

Gleiche Chancen für Alle! Wer fraktionieren möchte soll es tun, wer Mostkonzentrieren will ebenfalls. Das juckt uns Winzer nicht, egal wie tumb wir auch sind. Aber es geht uns gegen den Strich, das im Supermarkt Weine stehen, nach Verfahren hergestellt die für uns verboten sind, gleichzeitig Strafbefehle erlassen werden weil die Alkoholangabe auf unserem Etikett 1mm zu klein gedruckt worden ist!! Das ist es was deutsche Produzenten erzürnt.

Von mir aus kann man es auch Neid nennen.

Es kann nicht sein, das ein Ausländer bei uns Weine verkaufen darf, völlig egal wie sie schmecken. Nur der Deutsche muß zur Geschmackskontrolle und lernen das sein Wein z.B. wegen mangelnder Rebsortentypizität nicht mehr als das verkauft werden darf, was es ist.

Ich gebe zu, im ersten Moment war ich geschockt über dieses Abkommen, ich war geschockt über die Reaktionen der Kunden im Laden. Da wurde von den Medien eine echte Lawine losgetreten. Völlig unkontrolliert, die entscheidenden Detailinformationen wurden erst viel zu Spät zur Verfügung gestellt.

Inzwischen hege ich die Hoffnung das mutige Winzer vor dem Europäischen Gerichtshof erzwingen werden, das für alle die gleichen Chancen gelten. Die Zukunft des deutschen Weines liegt nicht in der Kontrolle des Geschmackes (die regelt der Markt!), sondern in der Kontrolle der Oenologischen Verfahren. Die Weinkontrolle muß verstärkt und ausgebaut werden. Wer Mostkonzentriert soll dies tun, aber bitte mit Wissen der Kontrolle. Wer Handlese deklariert soll dies tun, aber nur dann wenn es auch so ist.

Es wird Zeit, das wir begreifen was für einen Schatz wir mit den Prädikatsweinen unseren Kunden zu bieten haben!!

Links zum Thema:

Alter Winzerblog vom 28.11.2005 – Düstere Zeiten

Alter Winzerblog vom 22.12.2005 – Amerikanischer Wein? Nein Danke!

Arthur Landwein unfiltered – Handelsabkommen: Walter Schug fordert Zwangspraktikum für deutsche Weinfuktionäre

Umfrage der Deutschen Welle – Was halten Sie von dem Abkommen?

Rechtblog – Weinhandelsabkommen reloaded

Stern.de – Jetzt darf Kunstwein ins Glas

Deutscher Weinbauverband – Vergleichende Liste der oenologischen Verfahren (pdf)

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