Verbraucherschutz oder einfach Abmahnirrsinn?

Man mag es ja gar nicht glauben, aber ist es vorstellbar das ein Weinhändler dafür abgemahnt wird weil er sein Dekomaterial im Schaufenster nicht ausdrücklich als solches gekennzeichnet hat? Ein Weinhändler wird im Hamburger Abendblatt zitiert wie folgt:

„Die werfen mir vor, dass ich leere Weinflaschen, Karaffen und Gläser nicht mit Preisen gekennzeichnet hatte. Aber das war Dekoration, die ich natürlich nicht zum Verkauf anbiete“

Nach der Lektüre des Beitrages und des Zeitungsartikels bleibt man Sprachlos zurück und fragt sich wie krank unser System des Verbraucherschutzes inzwischen ist? So kann man HIER im Zeitungsartikel unter anderem lesen wie sich die Verbraucherzentrale die weitere Vorgehensweise vorstellt:

 Unterdessen scheut die Verbraucherzentrale auch nicht vor juristischen Auseinandersetzungen zurück. Juristin Edda Castelló kündigte gegenüber dem Abendblatt an: „Wir setzen zunächst auf die Einsicht der Händler. Aber wer keine Unterlassungserklärung abgibt oder sich weigert, die Auslagen zu bezahlen, der wird verklagt.“

Ja, ist doch ganz einfach, der wird halt verklagt. Ist das Verbraucherschutz? Wollen das die Verbraucher wirklich so? Kann man sich als Verbraucher eigentlich auch aussuchen von wem man sich schützen lassen möchte oder muß man sich schützen lassen ob man will oder nicht

Aber die Verbraucherzentrale schreibt ja selbst dazu auf ihrer Webseite:

Der Handel überschüttet die Verbraucher mit angeblichen Schnäppchen und vermeintlich günstigen Rabatten. Die Verbraucherzentrale will jetzt für Preisklarheit sorgen und hat eine Kampagne gegen schlampige Preisauszeichnung gestartet.

Na ja, das Ergebnis zumindest wie es im Hamburger Abendblatt dargestellt ist kennen wir ja. Aber am besten ist es das alles direkt selber nachzulesen, zum einen HIER und auch diesen weiterführenden Link HIER sollte man sich unbedingt zu Gemüte führen. Wurde tatsächich die Auszeichnung leerer Flaschen angemahnt ist man offensichtlich über das Ziel hinaus geschossen. Ich bin kein Anwalt, aber mein Rechtsgefühl sagt mir das es eigentlich nicht im Sinne des Gesetzes sein kann leere Flaschen und sonstiges Dekomaterial auszeichnen zu müssen.

Weinlounge, ein Hamburger Weinhändler, reagiert wie folgt:

Lieber Verbraucherschutz,

gibt es zu der von Ihnen so dezidiert verfolgten Einhaltung der Preisangabenverordnung nicht ein kurzes Faltblatt für jeden Einzelhändler, der ein Schaufenster besitzt, damit sich solch gebührenintensive Fauxpas am Endverbraucher demnächst verhindern lassen?

Wir bitten um schnellstmögliche Zusendung, bevor noch einer unserer Kunden fragt, was der Heizkörper kostet, der deutlich am Boden unseres Ladens durch das Fenster zu erkennen ist!

Vielen Dank.
Ihre Weinlounge Hamburg

Da bleibt nichts weiter zu sagen, als die Aufforderung solchen Unfug möglichst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und wenn das Faltblättchen der Verbraucherzentrale dann ankommt, wird man es uns hoffentlich wissen lassen, damit wir es jedem zugänglich machen können.

Links:

Gefunden via Twitter @weinlounge

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One Response to Verbraucherschutz oder einfach Abmahnirrsinn?

  1. Hamburger Sommerloch?

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