Wein und Wurst statt Wein und Schokolade

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 11 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Nach einen Telefonat gestern Mittag geht mir das Thema Wein und Schokolade nicht mehr aus dem Kopf. Den ganzen Tag über machte ich mir Gedanken zu diesem Thema und landete letzlich bei der Leberwurst.

Wann haben Sie das letzte mal eine Tafel Schokolade verspeist und gedacht, „jetzt würde ein Wein glänzend dazu passen“?
Wann haben Sie das letzte mal beim Genuss eines Rieslings den Drang verspürt eine Tafel Schokolade zu öffnen weil es toll dazu passt?

Machen wir uns nichts vor, das oben genannte dürfte recht selten der Fall gewesen sein, bei mir jedenfalls noch nie!!!
Allerorten wird dieses Thema angeboten, in bunten Weinheftchen, im Fernsehen, im Internet überall kann man über die grandiose Kombination von Wein und Schokolade lesen, sehen und hören.

Doch nicht genug damit, immer mehr Seminare werden angeboten, längst ist das Thema Wein und Schokolade bei den Volkshochschulen angekommen, kaum mehr ein Weingut das nicht eine Verkostung von Wein und Schokolade anbietet.

Auch wir denken seit Jahren darüber nach, eine solche Verkostung für unsere Kunden anzubieten, allerdings hat uns noch kein Konzept überzeugt, so kam es nie dazu. Inzwischen bin ich froh darüber, denn derzeit versucht jeder dieses Thema an den Mann zu bringen, mehr oder weniger erfolgreich.

Mein Problem bei diesem Thema:

  • Winzer oder Kellermeister sind selten fachlich in der Lage eine Schokolade zu beurteilen.
  • Gleiches kann von Schokoladenverkäufern oder sogenannten Chocolatiers in Bezug auf Wein gesagt werden. Mal eine dunkle Schokolade und einen Rotwein Barrique anbieten kann es ja nicht gewesen sein!!
  • Die Darreichungsform von Schokolade ist kompliziert. Alleine um den Geruch richtig erfassen zu können, sollte die Schokolade in ein Weinglas.
    Und dann? Mit den Fingern rausholen und die Schoki langsam lutschen und mit Wein runterspülen? Für die klebrigen Finger kann ja noch die Hose herhalten 🙂
  • Die Kombinationsmöglichkeiten sind doch eher gering. Natürlich kann man alles mit Schokolade probieren und es entsprechend anpreisen, aber die geschmackliche Vielfalt die man z.B. bei einer kulinarischen Weinprobe erlebt kann meines Erachtens nie erreicht werden.
  • Eine echte Befriedigung der Genüsse tritt nicht ein, man bleibt zurück vollgestopft mit Schokolade und ein paar Gläschen Wein.
  • Der Verbraucher wird sich mit diesem Thema zu Hause kaum weiter beschäftigen. Somit ist der Nutzen einer solchen Degustation für alle Teilnehmer als gering einzuschätzen. Ich jedenfalls hatte noch nie einen Kunden der nach einem Wein als Begleitung für eine spezielle Schokoladensorte fragte.

Die Alternative?

Ich würde mal behaupten, 12 Flaschen optimal temperierten Wein, ab zum Bäcker Brot holen und dann in eine gute Metzgerei.

Denken wir nur an eine gute Hausmacher Leberwurst, was da alles für Weine dazu passen würden. Oder die Kalbsleberwurst, Wienerle und als echte Herausforderung testen wir, welcher Wein zur Weisswurst passt. Das Geschmacksrepertoire das eine gut sortierte Metzgertheke zu bieten hat ist doch weitaus größer als das eines Chocolatiers.

Chilly, Pfeffer und Curry finden sich auch beim Metzger, dafür muß ich keine Schokolade essen.

Bratwurst, Teewurst, Schinkenwurst, Bierwurst, Lyoner, Gelbwurst, Mortadella, Cabanossi, Debrecziner, Krakauer und dann, mein Gott, noch gar nicht erwähnt Salami und Schinken!!!

Was für ein Genuss, welche Kombinationen, Silvaner, Rivaner, Riesling Spätburugder, St.Laurent, Kerner, Gutedel usw. seit willkommen!!
Natürlich finden wir auch für unsere schweren Barriques entsprechend zart geräucherte Würste, oder leider kaum zu haben in Deutschland, Biltong am besten von Wild oder Strauß!!

Wenn schon Weinprobe beim Metzger, ist dieser sicher bereit ein Carpaccio vorzubereiten. Hier wären evtl je nach Sauce Sekt und Perlwein angesagt, könnte ich mir zumindest gut vorstellen.

Zugegeben, beim Süßwein wird es schwieriger, aber selbst da könnte man fündig werden. Vielleicht beim Schinken? Was solls, die meisten Metzger bieten auch ein kleines Käsesortiment an, das wäre dann die perfekte Ergänzung!!

Na ja, hier endet mein Brainstorming, aber wenn ich das nächste mal einen Metzger treffe könnte man das vertiefen. treffe ich auf den örtlichen Schokohändler sage ich nichts von diesem Artikel 🙂
Wobei ich nichts gegen Schokolade habe, aber langsam finde ich das Thema ist durch. Ich denke mit der derzeitigen Vermarktung von Gewürzschokoladen, Jahrgangsschokoladen und Herkunftsschokoladen ist der Höhepunkt des Schoko-Weinhypes erreicht.
Um so mehr erstaunt es mich das die ProWein Düsseldorf sich mit diesem Thema beschäftigen will, könnte es also sein, das ich die Geschichte Schokolade und Wein völlig unterschätze?

13 Comments

Filed under Alltag im Weingut

13 Responses to Wein und Wurst statt Wein und Schokolade

  1. Ihr Artikel schreibt ja förmlich nach FREESE! Ich laufe oft durchs Haus und suche Schokoladen. (dabei habe kiloweise Wurst im Kühlhaus)
    Was ich empfehlen kann (Abends beim Tatort) Ein luftgetrocknete Milano Salami…ein großes scharfes Messer…ein Brettchen….einen guten trockenen Barriques Wein…die Füße nach oben gelegt…das Leben kann so schön sein!
    Wenn Sie ein Weinprobe planen – Carpaccio können wir gerne anbieten. (Enten, Rind, Lamm) – ich mache alles mit! Voraussetzung: Schokolade für den Fleischermeister!
    Ach ja, Leberwurst! Da bieten wir das volle Programm, von der Salzwiesen-Kalbsleberwurst, Schnittlauchleberwurst, Wildleberwurst, Bauernleberwurst, Pfälzer Leberwurst, Leberwurst im Glas, Bauernschmaus, Trüffelleberwurst, Wellness-Kräuter Leberwurst, Pommersche Leberwurst usw.
    Na, Appetit bekommen?

  2. Das dürfte das gleiche Phänomen sein, das Bierbrauer gerne Wein trinken, Kellermeister gerne Bier geniessen und Metzger eben die Schokolade lieben 🙂

  3. Diese Gegensätze lassen sich beliebig weiter führen:
    Bäcker essen gerne Wurst –
    Bänker laufen in Ihrer Freizeit in zerrissen Jeans –
    Wer eine blonde Frau hat, mag die schwarzre Haare –
    Wer einen BMW fährt würde gerne Porsche fahren –
    Wer 110 kg wiegt würde gerne 95 kg wiegen –
    Wer 40 kg wiegt hätte mit 110 kg kein Problem 🙂
    Grüße nach Heidelberg!
    Da fällt mir noch was ein:
    Wer in Visbek lebt mag Heidelberg….

  4. Hallo,
    ich halte das Thema Wein und Schokolade auch für sehr abgestanden. So ca. zwei Jahre alt. Auf der ProWein war das damals ein neuer Trend. Ich gaube, dass sich das nicht wirklich durchsetzen konnte (außerhalb von Seminaren; die brauchen ja immer wieder neue Themen). Ich kenne niemanden, der das privat so kombiniert.
    Viele Grüße
    Thomas

  5. barb

    Niemand? Ich kombiniere schwarze Schokolade (70 bis 72% Kakao) mit schwerem Rotwein. Hmmm. Eiin Schluck Wein, ein Stückchen Schokolade im Mund zergehen lassen und wieder ein Schlückchen Wein etc. pp. Ein langsames Vergnügen. Und rote Pfefferkörner in Milchschokolade mit einem Beaujolais. Auch lecker.
    Wenn man natürlich eine simple Milchschokolade vom Discounter zum Wein versucht, kann das nichts werden.
    Viele Grüße
    barb

  6. Tja was soll man sagen. Das pfälzer Motto „Worscht, Weck un Woi!“ hat halt doch seine Berechtigung 😉

    Ich bin selber ein großer liebhaber von Schokolade (kann man schon von weitem an meiner Figur erkennen), aber mit Wein find ich die Kombination auch nicht wirklich prickelnd.

    Übrigens das Leute die beruflich tagtäglich mit Wein zu tun haben privat sehr gerne Bier trinken kann ich voll unterschreiben.

  7. Das ist nun wirklich ein Beitrag, der aus dem Rahmen fällt! Als Blog-Moderator von http://www.metzger-blog.de freue ich mich über Ihre besondere Initiative, die beiden großen W, nämlich Wein und Wurst miteinander in Einklang zu bringen. Ich lade Sie herzlich ein, als Gast-Kommentator einen eigenen BEITRAG auf Metzger-Blog.de zu bringen. Die ganze Fleischerbranche (allen voran Herr Freese) wird es Ihnen danken; sind doch Anregungen, die die kulinarischen Ergänzungs-Möglichkeiten von Fleischerei-Produkten und Wein dem Endverbraucher näher bringen, immer willkommen.
    Herzliche Grüße
    Dipl.-Kfm. Hans-Jürgen Schmidt (Blog-Moderator von Metzger-Blog.de)

  8. Lieber Herr Schmidt,
    danke für die Einladung, ich werde diese gerne Annehmen und den hier begonnen Gedanken in Ihrem Blog weiterspinnen 🙂
    Ich werde die nächsten Tage diesbezüglich auf Sie per Mail zukommen!!

  9. @ barb: wir kennen uns ja auch (noch) nicht.
    😉

  10. Valentin

    Na da haben sich zwei (oder drei) gefunden. Naja, Vernetzung ist heutzutage alles. 🙂

    Im Weinhaus Horn Heidelberg gibt es nächsten Monat für alle Liebhaber des guten Weins in Verbindung mit Schokolade ein Seminar.

  11. zu Ihrem Beitrag „Wein und Schokolade“ möchte ich noch folgendes anmerken.
    Seit etwa 3 Jahren habe ich mich diese Thema gewidmet und Zug um Zug ausgebaut.
    Im Jahr veranstalte ich etwa 15 – 20 Seminare bei verschiedenen Winzer mit deren Weine.
    Meiner Ansicht gehört noch einiges mehr dazu um so eine Themenweinprobe attraktiv zu gestalten. z.B.

    1. Eine Struktur
    z.B. 3 Rotweine, 3 Weißweine und 2 Brände
    Rotweine von fruchtig bis tanningeprägt
    Weißweine von trocken (sehr schwierig aber möglich)
    bis edelsüß
    Brände (alter Weinbrand + hochwertiger Tresterbrand

    2. Hintergrundwissen (Schokolade)
    Geschichte der Schokolade
    Herstellung der Schokolade
    Entstehung
    Storys um die Schokolade
    Zitate und Histörchen
    Kakaosorten

    3. Variationen der Schokoladen
    Plantagenschokoladen
    dunkle bis 99 %
    gewürzte Schokoladen
    Pralinen

    4. Zeitrahmen
    8 Schokoladen etwa 2,5 bis 3 Stunden

    5. Wie bei Wein und Speisen gibt es drei
    Kombinationsmöglichkeiten
    a. Gleichklang der Aromen
    b. Gegensätze (Schärfe und Süße)
    c. zwei Extreme einzeln fast zu stark bilden
    etwas völlig Neues (99 % Schokolade und Eiswein)

    6. Zusätzlich Wasser und Weißbrot (Baguette)

    7. Anschauungsmaterial
    geröstete Kakaobohnen zum probieren,
    Kakaofrüchte usw..

    Beim Auswahl der Schokoladen darauf achten, nicht zu gewürzte Schokoladen zu verwenden.
    Bei Chili und Pfeffer und ähnlich starken Gewürzen besteht die Gefahr, den Mund nicht mehr frei zu bekommen.
    Ideal ist z.B. Ingwer, Vanille.

    mfg
    Werner Mündlein
    Dozent für Wein- und Genusskultur

  12. Ich kann Herrn Mündlein auch voll zustimmen.
    Wir veranstalten seit 3 Jahren Seminare und Veranstaltungen Thema Wein und Schokolade.
    Wichtig hierzu ist die Vorbereitung. Man muss sich mit den Weinen und Winzern intensiv auseinander setzen und wenn jeder sein Produktwissen einbringt kommen sehr leckere und manchmal auch überraschende Ergebnisse dabei raus.
    Schön ist z.B die Kombination von schokolierten getrockneten Früchten zu Weinen…

    mfg
    Miriam Holzderber
    Chocolaterie Holzderber

  13. Ich kann Frau Holzderber nur zustimmen. Im Rahmen von Wine on the Rock, einer Veranstaltung mit den besten 100 Weinen rheinhessischer Jungwinzer war der Workshop Wein&Schokolade DER Renner. Über 100 interessierte Weinfreunde kamen in den ungewöhnlichen Genuß; bei passender Vorbereitung und Auseinandersetzung mit Wein ud Schokolade ein Genuß!