Weinrallye #14 – 1963er Trollinger und eine 08/2008er Pute

weinralley_os_140.jpgDie 14. Ausgabe der Weinrallye wurde von SanoViaBlog ausgerufen. Weine zum Grillabend lautet das Thema, die Blogger sind aufgerufen entsprechende Vorschläge zu unterbreiten. Ich bin gespannt was da alles kommt, sicherlich werden wir die eine oder andere Überraschung erleben.

Mein Beitrag handelt weniger vom Fleisch, vielmehr vom Wein, ich werfe einen wohlgereiften Trollinger in den Ring, begleitet von einer gegrillten Pute, die ich selbstverständlich selber in freier Wildbahn mit meinen bloßen Händen erlegt habe. Kurz hatte ich überlegt statt die heimischen Wälder und Felder nach essbarem zu durchstreifen, mich ein bisschen im Rhein umzusehen, ein heimischer Lachs hätte sicherlich ebenfalls bestens zum Trollinger gepasst. Die letzten Tage waren aber eher kühl. so habe ich mich gegen das Wasser entschieden.

Fleisch ist ein heikles Thema geworden für mich in den letzten Monaten, weniger des Fettes oder der Kalorien willen, aber Cholesterin, darauf muß ich achten. Leider. Somit gilt für mich der Grundsatz, wenn schon Fleisch dann von höchster Qualität, es muß echter Genuss sein und wirklich schmecken.

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Zur Not gibt es eben nur eine gegrillte Paprika, auch wenn das niemals und neverever ein gutes feines Steak ersetzten kann. Mit Grauen denke ich an lieblos auf den Grill geworfene Zucchinis die nahezu komplett verbrennen müssen um wenigstens ein Minimum an Geschmack bieten zu können. Aber angeblich sind sie gesund 🙂 Danke, ich verzichte.

Ein guter Mittelweg ist das ausweichen auf Geflügel, wie Huhn, Strauß, Pute oder Truthahn. Auch das bei uns in Deutschland verschmähte Pferdefleisch wäre eine gute und vor allem gesunde Alternative, aber es ist in Deutschland schwer zu bekommen. Dazu kommt der Umstand das der Verzehr von Pferdefleisch einsam macht, sehr einsam. Schnell sitzt man alleine am Tisch, vor allem das weibliche Geschlecht lehnt den Verzehr von Pferden unumwunden ab. Diskussionen sind in der Regel unerwünscht. Vermutlich sind Giraffe, Krokodil und Geparden ebenso gesundes Fleisch wie das vom Pferd, vorausgesetzt man erlegt die Tiere selber und natürlich mit bloßer Hand ohne Hilfsmittel. Nur so wäre der wahre Grillgenuss garantiert.

Der Wein steht bereit, ich werde zum Grillabend einen Trollinger kredenzen, darum entscheide ich mich für Fleisch vom Geflügel, Truthahn wäre mir am liebsten habe ich aber nicht parat. Als Alternative wird mir die Pute dienen, optisch ein ähnlich kurioses Tier wie der Truthahn. In meiner Vorstellung müßte das helle und eher neutrale Fleisch recht gut zu meinem Trollinger passen.

Grillen hat schon etwas marzialisches, vermutlich weckt es alte Instinkte in uns, das wird der Grund sein warum wir es so lieben uns am Feuer zu versammeln?

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Die Pute wurde gegrillt, nett gewürzt, dazu ein echtes Chutney aus Südafrika, ein paar Rosmarinkartoffeln und gut ist. Hat lecker geschmeckt, aber Pute ist ja beileibe nicht das Geschmacksintensivste was man bekommen kann. Aber ich hatte ja ein gutes Chutney 🙂 zudem war es wieder mal zu kurzfristig für einen richtigen echten großen Grillabend mit allem drum und dran. Nicht zu vergessen, da war ja noch der Wein, um den geht es hier doch eigentlich!!

1963er Trollinger, Württembergische Hofkammer-Kellerei Stuttgart, Mundelsheimer Käsberg

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Wie sich nach dem entfernen der Kapsel herausstellen sollte, eine echte Premiere für mich. Mein erster Wein völlig ohne Korken. Da war wirklich keiner drin, oder besser gesagt der Korken ist durch gerutscht nach unten in den Wein? Mein Gott, diese Flasche muß so einige Jahre gestanden haben, wie sonst ist das zu erklären? Seit Gestern frage ich mich also, wie lange muß eine Flasche Wein stehen damit der Korken derart zusammenschrumpelt das er aus dem Flaschenhals in die Flasche fallen kann? 5 Jahre? 10Jahre? Oder noch länger?

Aber noch drängender die Frage, wie lange steht denn der Wein bereits offen rum? Was für ein unglaubliches Glück das diese Kapsel dicht gehalten hat und der Wein somit nicht auslaufen konnte, denn ich hatte ihn ja liegend gelagert, seit seinem Einkauf bei Ebay.

Natürlich rechnete ich mit dem schlimmsten. Ich habe ein Gesöff erwartet welches das Feuer unter den Würsten gefrieren ließ, und dessen Aroma jenem von verbranntem Fleisch glich. Weit gefehlt. Wirklich, der Wein war klar und sauber wenige Ausfällungen sind zu finden, selbstverständlich völlig durchoxidiert, aber mit ein bischen Phantasie ist sogar ein Hauch roter Farbe zu erkennen. Die Aromatik ist unklar, ehrlich gesagt kann ich das überhaupt nicht zuordnen. Je länger ich den Wein schwenke um so mehr glaube ich einen kleinen Muffton zu erhaschen, ganz hinten, nur ganz tief zu riechen. Vielleicht vom Kork der vermutlich 10 Jahre in dem Wein rumschwamm? Oder doch was anderes? Undefinierbar. Aber erstaunlich gut für einen 1963er!!

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Mikrobiologisch betrachtet scheint der Wein eigentlich keine weiteren Veränderungen seit der Abfüllung erlebt zu haben. Keine Eintrübungen von Eiweiß, Tannin oder anderen Dingen sind zu erkennen, keine weiteren Nachgärungen oder gar Biologischer Säureabbau scheint stattgefunden zu haben. Trotzdem, von einer wunderbaren Weichheit und Geschmeidigkeit abgesehen wirkt der Wein eindimensional und im Vergleich zu alten Weissweinen sogar langweilig und einfältig. Leblos, fade und irgendwie erschlagen.

Zeit für ein Experiment.

Dem Wein werden ca 5% Cabernet Mitos zugesetzt, und einige Sekunden denke ich mir, so ähnlich muß sich Jesus bei der Hochzeit in Kanaan gefühlt haben. Denn in meinem Weinglas befand sich wie durch Zauberei ein absolut schöner und guter Rotwein. Kein Brüller, aber gut genug das es jeder anstandslos trinken würde. Ok, es muß heißen das es der Winzerblogger anstandslos trinken würde, was er auch tat 🙂

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Das Tannin des Cabernet hat dem alten Wein längst verlorene Fülle und Spannung zurück gegeben, genug um den Wein zu geniessen und ins Feuer zu starren und mit seinen Gedanken und Träumen abzuhängen.

Toller Wein, der mit einer besseren Reparatur ganz bestimmt noch einmal einen zweiten Frühling hätte erleben können, wenn es denn jemand gewollt hätte. So wie er war war er gerade recht!

2 Comments

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2 Responses to Weinrallye #14 – 1963er Trollinger und eine 08/2008er Pute

  1. Tipp zu den geschmähten Zucchini: am besten du nimmst eine frisch aus dem Garten, nicht zu groß, halbierst sie und entfernst die Kerne mit einem Löffel. Dann fülle sie mit frischen Kräutern, Schafskäse, Olivenöl, Salz und Pfeffer. Wickle sie in Alufolie und schmore sie auf dem Grill. Ersetzt kein Steak, ist aber lecker 😉
    Das hatten wir zum letzten Grillabend für den vegetarischen Besuch.

    Zum Wein: spannend, ich freue mich schon, von weiteren Experimenten zu lesen!

  2. Das ist ja ein wunderbarer Bericht! Sowohl über das Grillexperiment mit den Grillträumen als auch über den verschwundenen und wiederauferstandenen Wein! Dagegen ist ja mein alter Rosé nix dagegen! 😉

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