Hausenblase

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 11 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Gastbeitrag von Herrn Sebastian Schwarz, Hofa Heidelberg

3.9 Hausenblase
Die Hausenblase darf zur Klärung von Most und Wein eingesetzt werden. Hausenblase wird aus der Schwimmblase der Fischarten Hausen, Wels und Stör bereitet. Sie kommen als Blätterware, in zerkleinerter Form und als Pulver in den Handel. Die Blätterware ist vorzuziehen, da hier eine Qualitätsbeurteilung am besten möglich ist. Hausenblase ist positiv geladen, eiweißhaltig und löst sich im Wein kolloidal. Hausenblase wirkt klärend und verfeinert die Qualität des Weines. Man braucht zur Behandlung 1-2g/hl Hausenblase.
Die Hausenblaseblätter werden zuerst in Wasser sauber gewaschen und leicht angequollen. Dann legt man sie zur kolloidalen Lösung in einen säurereichen Weiß- oder Rotwein. Das Lösen zieht sich über mehrere Tage hin und muss durch wiederholtes Durchmischen unterstützt werden.
Die Wein- und Hausenblasenmenge ist so abzumessen bzw. abzuwiegen, dass die Lösung 1%ige wird. Die kolloidale Hausenblasenlösung ist gebrauchsfertig. Sie kann aber auch in Flaschen abgefüllt und später verwendet werden. Zur Sicherung der Haltbarkeit ist die Lösung mit 100ml/l SO2 zu schwefeln.
Weiß- und Rotwein können vor dem 2. Abstich mit 1-2g/hl Hausenblase behandelt werden. Da eine 1l-Flasche 10g Hausenblase enthält, kann die Behandlungsmenge leicht abgemessen werden. Die Lösung wird in einer Weinmenge verdünnt und unter Mischen im Wein möglichst gut verteilt. Die Hausenblase wirkt sofort. Innerhalb kurzer Zeit hat sich der Schönungstrub im Wein abgesetzt. Der Wein wird dann vom Schönungstrub getrennt und filtriert. Hausenblase wird auch zum Niederschlagen der Blauschönung mit 1g/hl eingesetzt. Die Jungweinklärung kann durch eine Gelatine-Hausenblaseschönung mit 5-10g/hl Gelatine und 1-2g/hl Hausenblase unterstützt werden.

8 Comments

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8 Responses to Hausenblase

  1. Der guten Ordnung halber –
    Hausen und Stör getrennt aufzuführen ist nicht haltbar.

    Hausen (Acipenser huso) heißt der größte zur „Familie“ der Störe gehörende Fisch. Er wird bis 9 m lang und bis zu 1400 kg schwer.Sein Rogen liefert den Beluga-Kaviar, und seine Schwimmblase ( Hausenblase) ist Ausgangsstoff für Gallerte. Der Hausen lebt im Kaspischen und Schwarzen Meer und in den dorthin mündenden Flüssen.
    Die Hausenblase ist die innere Haut der Schwimmblase . Zu ihrer Gewinnung werden die frischen Blasen aufgeschnitten, von der äußeren Muskelhaut befreit, ausgewaschen und getrocknet. Durch Befeuchten der Haut mit Wasser, durch Übereinanderlegen, Rollen, Pressen und Schneiden entstehen die verschiedenen Handelsformen, wie Blätter-, Bücher-, Zungen-, Bänder- und Fadenhausenblase.
    Die Hausenblase quillt in kaltem Wasser und löst sich in warmem Wasser, verdünntem Alkohol. Sie findet Verwendung als Klärmittel für Getränke (im Beitrag von Herrn Schwarz explizit für Wein!), zur Herstellung von Heftpflaster, auch Kitt für Glas und Porzellan. Es werden heute auch Schwimmblasen anderer Fische, z. B. vom Kabeljau, als Hausenblase in den Handel gebracht.
    Vesigha, das Rückenmark des Hausens, aber auch anderer Störarten, wird u.a. für die russische Pastete „Coulibica“ benötigt.

  2. Victor-Hugo Wallhaller

    Vielen Dank für die vielen hilfreichen Informationen – als Neuling in der Weinwelt muss ich leider gestehen, je mehr ich mich mit dieser Materie beschäftige, umso mehr entferne ich mich von ihr.
    Ich weis jetzt noch nicht viel, aber bis jetzt schüttelt es mich, wenn ich mir vorstelle wie Wein „produziert“ wird – ich finde das einfach ekelhaft.
    Da ist die Romantik und der Genuss völlig dahin, für mich jedenfalls.
    Jetzt muss ich nur noch herausfinden ob es überhaupt die Möglichkeit gibt Weine nach ihrer Herstellung zu wählen, so ganz ohne Zufuhr von Eiweiß und Hausenblase.
    Ich bin deshalb für jeden Tipp dankbar.
    Vielen Dank.

  3. @Victor-Hugo Wallhaller
    Sinn dieses Blogs ist es unter Anderem, die Weinwelt einmal jenseits aller Weinromantik darzustellen.
    Das die Inhalte meines Blogs Ekel hervorrufen kann ich nur bedauern und ist eigentlich nicht beabsichtigt und stimmt mich doch sehr nachdenklich.
    Wenn bei Ihnen bereits die Hausenblase, also reinstes Eiweiß, Ekel hervoruft, will ich mir gar nicht vorstellen wie Sie in einer Küche reagieren wenn z.B. Gelatine für einen Tortenguss vorbereitet wird.
    Allerdings sollten sie beachten, das im Unterschied zu vielen Lebensmitteln, oder zubereiteten Speisen beim Wein das Eiweiß wieder ausgefällt wird und nicht im Wein verbleibt.
    Als Tipp kann ich Ihnen nur anraten sich direkt bei Ihrem Winzer zu erkundigen, der wird Ihnen gerne Auskunft darüber geben, wie der jeweilige Wein produziert wurde.
    Eine Schönung dieser Art wird nicht Pauschal durchgeführt, sondern nur wenn nötig. Es gibt ebenso eine Vielzahl von Weinen die völlig ohne Schönungen jegwelcher Art auskommen. Wie bereits geschrieben, den Wein direkt beim Weingut oder Genossenschaft kaufen, dort wird man gerne Auskunft geben.
    Wenn nicht, direkt zum nächten Winzer gehen…..

  4. @Victor-Hugo Wallhaller
    ..schon ´mal Sülze gegessen?
    Der Aspik wird von/mit Schweinefüßen und/oder Kalbsfüßen hergestellt.
    Wussten Sie, dass sich der Lachsschinken (weihnachtlicher Leckerbissen) in einer (natürlichen) Umhüllung befindet, die (einmal) die Blinddarmhaut eines Rindes war und so ganz un-eklig „Goldschlägerhäutchen“ heißt?

  5. Herwig Schmidt

    Sehr geehrter Herr Lippert,
    mit Interesse habe ich Ihre Kommentare gelesen. Ich trinke seit ueber dreissig Jahren taeglich Wein und stiess seit ca. Anfang der 90er Jahre zunehmend auf moussierende (Weiss-)Weine (z.B. Robert Weil). Ich habe das immer fuer einen Fehler gehalten (Nachgaerung), finde aber zunehmend auch in franzoesische Weinen solche Tendenzen. Ich vermute, dass diese Weine absichtlich unter Druck abgefuellt werden, teilweise um Schwaechen zu vertuschen oder um Frische zu signalisieren. Da ich Wein meist zum Essen trinke ist das ausgesprochen laestig und wirkt sich auch geschmacklich unangenehm aus. Haben Sie aus Ihrer Erfahrung eine Meinung zu diesem Thema? Ich bin bereits dazu uebergegangen solche Weine kraeftig zu schuetteln und dann mit der Vacuvin- Pumpe zu entgasen, aber das reine Vergnuegen ist das nicht gerade. Ich wuerde mich freuen, von Ihnen dazu einen Kommentar zu erhalten.
    Mit freundlichem Gruss

    Herwig Schmidt

  6. @Herwig Schmidt
    Sie haben zum einen Recht, zum anderen Unrecht 🙂
    Kohlensäure kann man zusetzen um vor allem alte Weine wieder zu beleben, sie frischer zu machen. Weinfehler lassen sich allerdings damit nicht verdecken, im Gegentiel, Fehlnoten treten dann eher stärker zu Tage.

    Zum anderen liegt der erhöhre CO2 Gehalt natürlich auch am Fortschritt der Kellerwirtschaft. Es wird schonender gearbeitet als früher, somit wird die Gärungskohlensäure erhalten. Die meisten Menschen empfinden dies übrigens als positiv!!

    Ein weiterer ganz entscheidender Faktor ist der des Abfüllzeitpunktes. Sie müssen davon ausgehen, das alle Weine des Jahrganges 2006 die vor dem Sommer abgefüllt werden diese erhöhte Kohlensäure aufweisen. Das Weine wie früher 2 Jahre lagern bis zur Abfüllung wird immer seltener, dazu kommen die modernen alternativen Verschlüsse die den Gasaustausch ebenfalls deutlich reduzieren.

    Sie sollten sich beim Kauf ihrer Weine also eher nach reiferen Jahrgängen orientieren, oder aber direkt beim Winzer probieren und den entsprechnden Wein aussuchen.d

    Ihre Methode der entgasung ist interessant, aber wohl neben einer Erwärmung der Weine die einzig wirkungsvolle.

  7. David

    Hallo,
    ich bin eigentlich gar nicht auf der Suche nach Weinbl(öggen)ogs, jedoch hat mich das Thema der Hausenblase hierher geführt. Die des richtigen Hausen/Störs. Ich suche einen Großhändler, bin aber auch schon mit einem Kleinhändler zufrieden, sollte er nur die richtige Hausenblase liefern können. Mir wäre es auch egal ob tiefgefroren oder schon getrocknet. Bitte ich schwimm schon ne ganze Woche durch die weiten des Webs und ich find einfach nichts…
    Kleine Tips, helfen einem manchmal über den Berg zu kommen.

    Danke,
    David

  8. Hallo,
    Ich stelle Störleim aus Zuchtstören her.
    http://Www.stoerleim-manufaktur.de
    Grüsse
    Maria