Weinskandal in Italien

Nach kurzer Diskussion mit meinem Kellereifachhänder bleibt für die Kellermeister die den derzeitigen Weinskandal in Italien zu verantworten haben nur eines, sie sind entweder hochgradig kriminell oder saudumm, vermutlich aber beides gleichzeitig. Ich spreche hier von dem Teil des Skandales in dem es darum geht künstlichen Wein herzustellen, nicht die Vergehen um Sortenreinheit des Brunello, denn dabei geht es schlicht und einfach nur um Gier.

Aber wie kann ein Kellermeister Dünger nehmen, ihn auflösen und dem Wein zusetzen? Was soll das bezwecken? Das generieren von Extrakt? Spurenelementen? Ich habe keine Ahnung! Warum kippt ein Mensch Salzsäure in den Wein? Weil sie billiger ist als Weinsäure? Oder ist es eine Frage der Konzentrationen? Dient es dazu dem Wasser-Weingemisch einen Säurewert zu verpassen? Das einstellen des ph-Wertes? Aber warum dann mit Salzsäure?

Ich weiß nicht, mir erscheint dieser Betrug derart dumm, das ich es mir fast nicht vorstellen kann das diese Geschichte so abgelaufen ist wie sie derzeit erzählt wird. Auch die Dimension von 70 Millionen Litern erscheint mir ziemlich Absurd, dazu kommt die Masterfrage, wo kommt bei diesem Gesöff der Alkohol her? Ich persönlich halte es für eine ausgesprochen dumme Idee Wein künstlich günstiger herstellen zu wollen als die auf dem Markt befindlichen Überproduktionen einzukaufen. Es wäre wesentlich einfacher die Bücher zu manipulieren als künstlichen Wein herzustellen.

Mich erinnert das stark an den letzten Skandal 1986 in Italien. Damals wurde Wein gepanscht um bei der Destillation höhere Ausbeuten und damit höhere Auszahlungen zu erreichen. Dummerweise wurde damals, statt die Charge zu destillieren, der Wein abgefüllt und kam in den Verkauf was für 20 Konsumenten den Tod brachte. Italien hatte damals Glück, denn DIESES Ereignis verdrängte den damaligen Weinskandal aus den Schlagzeilen.

10 Comments

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10 Responses to Weinskandal in Italien

  1. Es ist wie immer im Leben, egal ob Winzer, Banker oder andere Berufsgruppen. Gier frisst Hirn und danach tut ein Mensch Dinge, die er besser nicht täte.

    Ein Lob auf die ehrlichen kleinen und mittelständischen Winzer, die sich um Qualität bemühen. Aber das kostet halt Geld, was manche nicht ausgeben wollen. Gut gibt es eben nie für günstig.

  2. Es muß sich hier um ein Mißverständnis handeln.
    Der Winzer hat nicht Gülle zugesetzt.
    Er hat aber sicherlich mit Gülle gedüngt !
    In Portugal hat diese Düngung, die Weintrauben schneller und praller wachsen ließ, erst Pombal im Jahr 1757 verboten (link über meinen Namen)
    Kommt aber auf Gleiche raus.
    Wein mit Gülle gedüngt schmeckt auch danach…
    Schöne bacchiale Grüße
    Ralf

  3. Harry

    Also die Zugabe von Salzsäure kann ich mir noch erklären. Sie wurde dazu verwendet um die unerlaubte Aufzuckerung des Wasser-Wein Gemisches mit Saccharose zu verschleidern. Saccharose kommt im Traubensaft bzw. Wein so gut wie nie vor. Zucker kommt im Traubensaft als Glucose und Fructose vor (zwei Monosaccharide). Durch Zugabe von Salzsäure wird das Disaccharid Saccharose in Glucose und Fructose gespalten und die Saccharose ist somit nicht mehr nachweisbar.
    Die sog. Düngemittel (ich denke, es waren keine Düngemittel in dem Sinn, sonder Substanzen, die u.a. auch als Dünger verwendet werden) haben wahrscheinlich auch eine bestimmte Funktion. Vielleicht Ammonnitrat als Hefenährsalz?

  4. Pingback: Weinskandal in Italien - Was Winzer alles in den Wein kippen..... - Das deutschsprachige Portugal Forum - Porto, Lissabon, Algarve

  5. Hallo aus Italien.
    Heute haben wir die namen von die firma dass haben produziert die wein mit the Salzsäure und alles die andere: http://www.tigulliovino.it/vinopigro/2008/04/opera...
    Und hier etwas antworten fur ihre fragen:
    Die Ernte 2007 war die schlechteste der letzten 50 Jahre (bis zu -55% Ertrag) . Dünger und Säuren kauft man säckeweise und das Wasser kostet nichts, mit ein paar Cent erhält man eine unglaublich Menge roter Suppe und diese Wein zu nennen ist mehr als eine Beleidigung.
    Gute Frage , aber leider im falschen Zusammenhang. Es handelt sich hierbei leider nicht um Produzenten die ihren Wein aus Trauben herstellen sondern eher um kriminelle die nur auf den Profit aus sind.
    Wie wird Italien reagieren, auf diese Frage ist es noch schwieriger zu antworten, da Italien oft nicht brilliant in der Informationsverbreitung im Kriesenmanagement ist. Das wichtigst was bis jetzt bekannt ist, ist das die 700 tausend hl der weinähnlichen Suppe, für die italienischen Supermärkte bestimmt war und nicht für den Export

    So kein thema!

  6. Thomas

    Bei dem derzeitigen Geplänkel vor den Wahlen geht der Weinskandal in Italien etwas unter. Auf der Website des Espresso http://espresso.repubblica.it gibt es mehr Berichte darüber. Laut Staatsanwalt haben die folgenden Kellereien diesen Wein eingekauft:

    Vinicola Marseglia
    Ortanova (Foggia)
    Cantina Sgarzi
    Castel San Pietro (Bologna)
    Cantine Soldo
    Chiari (Brescia)
    Cantine Borgo San Martino
    La Morra (Cuneo)
    Morettoni Spa
    Santa Maria degli Angeli (Perugia)
    Acetificio Pontiroli
    San Felice sul Panaro (Modena)
    Nuova Commerciale
    Ovada (Alessandria)
    Coppa Angelo & f. snc
    Doglieni (Cuneo)
    Vinicola Santa Croce
    Monteforte d’Alpone (Verona)
    Azienda Agricola Rizzello spa
    Cellino San Marco (Brindisi)
    Cantina Campi
    Seclì (Lecce)
    Cooperativa tre produttori
    Latiano (Brindisi)
    Casa Vinicola Poletti
    Imola (Bologna)
    Sarom Vini srl
    Castel Bolognese (Ravenna)

  7. Thomas

    Übrigens, die Namen zum Skandal stehen in diesem Artikel: http://espresso.repubblica.it/dettaglio/Al-vampiro...

  8. Karin Buccagna

    Harry hat richtig vermutet. Bei dem „Dünger“ handelt es sich tatsächlich um Ammoniumnitrat. Und um den Journalisten des Espresso um einen ebensolchen Dummkopf wie bei den Verursachern dieses Skandals. Vielleicht hätte er sich vorher informieren sollen, wozu Ammoniumnitrat verwendet werden kann, bevor er schreibt, Kunstdünger wäre im Wein.

    Salzsäure wird natürlich verwendet, da sie billiger ist. Denn so ein Gemisch kommt natürlich pH 7 sehr nahe, und mit Weinsäure wird das dann wirklich kostspielig, wieder auf ph 3,XX zu kommen. Aber auch hier klingt das schlimmer, als es ist. Cola zum Beispiel wird mit Phosphorsäure gesäuert. Die ist auch nicht besser als Salzsäure. In jedem Falle aber, in einer solchen Verdünnung, absolut ungefährlich.

    Insgesamt denke ich, dass besonders der Billigweinsektor natürlich zu solchen Exzessen verleitet wird. Gott sei Dank wurde nun wenigstens ein Teil dieser Machenschaften aufgedeckt. Aber nun gleich von „giftigem“ Wein zu sprechen ist überzogen.

  9. es ist und bleibt eine gewaltige sauerei. mir hat es wirklich den spaß am italienischen wein für die nächste zeit „vergällt“.
    danke an all die kommetatoren, die meine wissenslücken ein wenig aufgefüllt haben. und die liste natürlich…
    dafür liebe ich das internet. nun ist es viel einfacher, solches gebaren öffentlich zu machen – und ich hoffe, es hat konsequenzen!
    saluti, sigrid von o-solemio, Urlaub in Italien

  10. Pingback: italienischer Wein, weitere Stellungnahmen - o-solemio blog

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