Wenn Ökos schwafeln schwefeln,

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 11 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

dann tun sie dies mit genau der gleichen SO2 wie alle Anderen. Auch der Schwefel der von Ökologisch wirtschaftenden Kellerwirten eingesetzt wird ist je nach Dosierung giftig oder ungiftig. Er riecht gleich und kommt vom gleichen Hersteller. Schwefelallergiker die durch wenige mg SO2 einen Allergieschock bekommen, bekommen ihn vom ökologisch ausgebauten Wein genau so wie vom konventionell ausgebauten. Aus diesem Grund heraus ist das Feld Schwefel denkbar ungeeignet um Oköwein in besserem Licht erstrahlen zu lassen als die anderen Weine.

Das Biowein Blog Viva-Vino geht auf auf dieses Problem ein, Anlass ist ein schlecht recherchierter Artikel bei Focus-Online.

Der gesetzlich zulässige Höchstwert für Schwefel bei einem trockenen Weisswein liegt derzeit bei 210 mg/Liter. Um sich abzugrenzen erlauben einige Ökoverbände ein Maximum von 2/3 dieses gesetzlichen Wertes. Aus dieser 2/3 Regelung ergibt sich also ein Höchstwert von 140 mg/Liter SO2 im abgefüllten ökologisch ausgebautem Wein.
Es wird nicht einfach sein viele trockene Weißweine konventionell arbeitender Winzer zu finden die diesen Wert der Ökoverbände übersteigen!!

Ob es für einen Schwefelalergiker der bereits bei 1mg Schwefel einen Allergieschock bekommt, wirklich besser ist diesen Schock vom Ökowein zu bekommen wage ich zu bezweifeln.

Mich ärgert eigentlich dabei nur die Tatsache das automatisch einem konventionel arbeitendem Winzer unterstellt wird er würde stets die erlaubten Höchstgrenzen ausnutzen.
Ohnehin bin ich der Meinung es wäre einmal eine Diskussion angebracht, inwieweit sich eine ökologische Kellerwirtschaft von der herkömmlichen Unterscheidet. Ich meine das sich dies nicht alleine an Behandlungsmitteln und deren eingesetzter Menge festmachen läßt, ich glaube schon, das auch die produzierenden Menschen eine gewisse Grundeinstellung mitbringen sollten um ökologisch wirtschaften zu können. Bei der derzeitigen Inflation Ökologischer Weine die nach schlappen EU-Richtlinien hergestellt werden, fällt es mir zunehmend schwer den ökologischen Aspekt vor allem in der Kellerwirtschaft festzustellen. Für viele dieser Produzenten ist der Begriff „Ökologisch“ zunehmend einfach eine Vermarktungsschiene die mit einer Lebenseinstellung zunächst einmal nichts zu tun hat!

8 Comments

Filed under Alltag im Weingut, Im Weinkeller

8 Responses to Wenn Ökos schwafeln schwefeln,

  1. Diese ewige Schwefeldiskussion, die keinem wirklich etwas bringt und immer emotional geführt wird. Halbwissen und Unwissen, je mehr darüber erzählt und berichtet wird: Irgendwann wird es als Wahrheit verkauft.
    Und dann immer der Eigenutz der Kunden:
    „Ich hoffe nicht, das Sie einen Weinberg an der Hauptstraße haben“ so ein Kunde zu mir und im Hof stand dann ein Nagelneues Luxusauto mit sicherlich hohen Spritverbrauch. Ökologie ist mehr…
    Ökologischer Weinbau findet hauptsächlich im Weinberg statt und heißt für mich mit der Natur zu arbeiten. Natürlich auch im Keller. Und ökologisch heißt für mich auch, das Bio-Lebensmittel aus Australien nicht ökologisch sind und Wintertomaten, egal ob bio oder konventionell, eine geschmackliche und ökologische Katastrophe sind.

    Wie du richtig schreibst, die Lebenseinstellung des Produzenten ist auch sehr wichtig. Und wenn diese stimmt, dann wird die ökologische Landwirtschaft auch anders auf dem Acker umgesetzt.
    Und bei aller dem Schwefel unterstellter Giftigkeit, das größte Gift ist immer noch der Alkohol. Ich habe noch nie von einem Toten durch Schwefel nach Weingenuß gehört…

    Gruß von der Mosel

    Harald

  2. Seit dem Jahrgang 2005 muss ja jetzt auch für den europäischen Markt der Hinweis „enthält Schwefel“ aufs Etikett. Die untere Grenze für diese Angabe sind 10 mg kombinierter Schwefel, da Wein auch ohne Zusatz während der Weinbereitung einfach von seinen natürlichen Bestandteilen her, leichte Werte an Schwefel enthalten kann, ist Allergikern also auch bei Weinen ohne deklarierten Schwefelzusatz, die hier in Frankreich eine wachsende Anhängerschaft bei Verbrauchern und Winzern aufweisen, zumindest zu einem Selbsttest zu raten. 0 mg sind nach den entsprechenden Fachdiskussionen, die ich darüber gelesen habe, also nicht (?) möglich.

    Unsere Weine, die bei der Laborkontrolle nach der Flaschenabfüllung durchschnittlich 12-15 mg kombiniertes SO2 aufweisen (davon 6 bis 8 mg freies), müssen bereits den Warnhinweis tragen. Ich hätte eine Regelung, die die exakten Laborwerte vorschreibt, für sinnvoller gehalten. Für Allergiker, die sich des Risikos noch nicht bewusst waren, ist er vielleicht als Warnung hilfreich – für alle anderen, die wenig geschwefelte Weine suchen, sagt er so pauschal einfach nichts aus. (siehe die erlaubten Grenzwerte oben im Artikel).

    Nimmt man jetzt das in Frankreich zur Pflicht erklärte Logo mit der durchgestrichenen schwangeren Frau im roten Verbotsschild dazu, werden sich die Designer wohl sowieso einiges einfallen lassen müssen, um all das ästhetisch vertretbar umzusetzen…

  3. Wenn ich mal den Faden aufgreifen darf: Es geht nicht an, dass wir Weine produzieren mit der alleinigen Maßgabe geringer Schwefelgehalt. Der Wein muß schmecken! Nicht mehr und nicht weniger. Wenn wir das mit möglichst wenig Schwefel erreichen umso besser. Die Diskussion ist momentan im ökologischen Weinbau wieder sehr aktuell, da die EG Biorichtlinien geändert werden sollen. Mein Produktionsziel ist klar: Bekömmliche klare und feinfruchtige Weine aus ökologischem Anbau, mit der für die Mosel so typische Säurestruktur (ohne BSA) und Spritzigkeit. Ich werde den Teufel tun um meine Produktion an irgentwelchen chem. Werten aúszurichten, deren Sinn sich mir verschließt und deren Umsetzung die Qualität meiner Weine verändert und/oder verschlechtert. Im übrigen geht mir die Regelungswut unserer Bürokraten, insbesondere in der EG gewaltig auf den Sack.

    Gruß aus dem Rieslingland

    Harald

  4. Ich hatte noch nie daran gedacht, dass die Ökologie auch im Keller weiter gehen muss, wie man als Konsument immer wieder vergisst, dass Wein eben nicht nur eine natürliche Vorstufe hat ( 😉 ), sondern eben, egal wie man das macht, ein bio-chemisches Produkt ist.

    Mann, bin ich froh, dass ich damit nix zu tun habe.

    *ich arbeite in der Kunststoffindustrie

  5. Die Focus Online Redaktion hat den Artikel auf meinen Kommentar hin geändert! Sie haben sich beim Bundesverband Ökologischer Weinbau (ECOVIN) schlau gemacht und den Text korrigiert. Jetzt heißt es, dass Biowein „entweder gar nicht oder zumindest weniger stark geschwefelt wird“ – Ist auch nicht 100% korrekt in der Aussage, aber lassen wir das mal gelten…

  6. Diese Aussage ist nach wie vor völlig daneben, denn sie unterstellt noch immer NICHT-Ökowinzer würden mehr schwefeln was einfach nicht stimmt.
    Aber egal ….
    Interessieren würden mich einmal diese Weine mit Null Schwefel. Hat jemand Bezugsquellen, denn da scheint es ja einige zu geben, dem hören nach.

  7. Ich habe vor langer Zeit in einem Bioladen einen ungeschwefelten Rotwein gekauft, der war vollkommen hinüber 😉

  8. Kleine so2 -story. Mein Lehrling hängt den so2 -Schlauch
    in einen fertig gegorenen Tank.Leider etwas zu tief so‘ n bißchen in die Hefe. Nachdem auf die 15000 liter
    ca.1400ccm drauf waren , zieht er das Ding wieder raus- leider am Ende eingefroren. Beim saubermachen fliegt vorne das Eis raus und ca 50 oder 60 ccm zischen mit einem Donnerknall ins Weltall! Die Jung’s sind aus dem Keller raus als wäre der „Oberkastreur“des Sultans von Brunei hinter ihnen her.Mittagspause war dann 2 stunden. Gott sei Dank beschränkt sich die Allergieneigung meiner Lehrlinge nur auf Reize wie: „Ihr Männer , heute leider doch ne Stunde länger Füllen!“ CIAU , Christoph