Winzerlatein

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 10 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Pivu hat einen schönen Artikel online gestellt der vom Winzerlatein handelt.

Nun muss man wissen, das diese Eigenschaft, Winzerlatein zu produzieren Winzern angeboren ist.
Damit ist auch klar, warum Winzerlatein vom Winzer authentisch ist und von einem Nichtwinzer eben nicht!!
Winzer können Weine beschreiben die sie nie verkostet haben. Winzer können selbst dem schlechtesten Weinen positive Eigenschaften abgewinnen, vorausgesetzt sie haben ihn selber produziert 🙂
Winzer leben davon das man ihnen glaubt, darum erzählen sie Geschichten. Das das manchmal „Experten“ zu weit geht muss man in Kauf nehmen, das ist aber egal, denn die „Experten“ richten sich ja ohnehin nach irgenwelchen Punkten die irgendjemand vergeben hat.

Denken wir nur daran im Restaurant zu sitzen und eine Weinkarte vor sich zu haben in der nur unbekannte Winzer stehen, zudem spricht die Bedienung kein Deutsch. Was soll man da bestellen? Da können tolle ausschweifende Weinbeschreibungen vom Winzer erstellt sehr hilfreich sein!!
Viele Menschen kennen sich nicht aus mit Wein und brauchen solche Hilfen wie die Weinbeschreibungen damit sie sich besser Entscheiden können.
Der eine schaut auf die Weinbeschreibungen und der andere guckt nach den Preisen. Bewertungspunkte großer Weingurus sind in der Regel nicht in Weinkarten abgedruckt und einen Hotspot um mal schnell online Verkostungsnotizendatenbanken gefüllt mit Verkostungsnotizen längst vergangener Jahrgänge unbekannter Weingüter abzurufen gibt es nicht.

Man stelle sich nur einmal vor, die Bundesregierung erläßt ein Gesetz das Winzerlatein verbietet, dann müßten Dinge gesagt werden wie:

  • Wir ernten mit der Maschine, Handarbeit ist nur das Tanken des Vollernters
  • Wir haben elektrisches Licht im Weinkeller, die Kerzen sind nur Show
  • Öko ist cool weil es sich gut verkaufen läßt
  • Auf dem Etikett stünde: Dieser Wein ist Fehlerhaft
  • usw…

Da hätten nicht alle Spass daran ….
Das schlimmste aber was die Abschaffung des Winzerlateins mit sich bringen würde, es gäbe keine Jahrhunderjahrgänge mehr!! Die wären weg, einfach verschwunden. Da würde uns allen doch etwas fehlen 😉

1 Comment

Filed under Weingeschichten

One Response to Winzerlatein

  1. Also ich denke in Sachen Winzerlatein haben sich Produzenten und Konsumenten gegenseitig auf ein Niveau hochgearbeitet, von dem man nicht so schnell wieder runterkommt.

    Viele Weinfreunde WOLLEN in der heutigen „modernen“ Zeit glauben, daß sich in der Weinbereitung nichts, aber auch gar nichts gegenüber Achtzehn- oder Neunzehnhundertirgendwas verändert hat. So nach dem Motto: „Wenigstens beim Wein haben in unserer oberflächlichen, schnellebigen Zeit die guten alten Traditionen noch bestand.“

    Übrigens sind für dieses Verdrängungsphänomen und das Glauben-Wollen wider besseres rationales Wissen auch die anfällig, die das Winzerlatein kritisieren. In ihrem Fall muß das Winzerlatein halt andere Themen umfassen (Bio-dyn,…) und noch glaubwürdiger und rhetorisch und medial professioneller präsentiert werden.

    Wenn man als Winzer heutzutage (von selbst oder auf konkrete Nachfrage) ehrlich über die Weinbereitung Auskunft gibt, ist man für die Mehrheit der Leute nicht der „Held“ der endlich einmal sagt, was Sache ist, sondern entweder der „Buhmann“ der die langgehegte Illusion zerstören will oder derjenige, der einfach nicht qualitätsorientiert genug arbeitet.

    Die (zumindest für Profis) augenscheinlichsten Winzerlatein-Themen sind sicherlich die Zuckergradationenen bei der Ernte und das Thema Aufbesserung/Mostkonzentration.

    Da hat mittlerweile bei vielen Produzenten jenes Stadium der Realitätsverweigerung eingesetzt, das einmal jemand (aus Österreich) trefflich folgendermaßen charakterisiert hat: Die Selbstinfektion am eigenen Schmäh.

    Grüße

    Bernhard