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Weingeschichten

Müller-Thurgau oder Rivaner?

Gerade neulich habe ich im Weinladen wieder erlebt wie sehr wir doch an vorgefertigten Meinungbildern hängen. Am Beispiel der Sorte Müller-Thurgau, der ja oftmals auch als Rivaner bezeichnet wirdm wurde mir das erneut eindrucksvoll bewiesen.

Ich habe einer wirklich sehr netten Dame Wein verkauft, sie hat einiges verkostet, ich habe eine gewisse Weinkompetenz erkannt und habe somit auf das vermitteln von Basiswissen verzichtet. Im Verlauf des Gespräches kam dann die Rede auf die Weinsäure und das sie eben diesbezüglich sehr sehr sehr empfindlich wäre. Das hat mich veranlasst ihr ganuz besonders unseren Rivaner ans Herz zu legen, ein Wein den ich gerne als Magenschonend bezeichne und eben stets meine Empfehlung ist wenn es um das Thema „wenig Säure“ oder „Sodbrennen“ geht.
Davon einmal abgesehen ist der Rivaner einfach ein herrlicher und völlig unterschätzter Wein!
Die Frau also war begeistert vom Rivaner und hat ordentlich gekauft, alles war gut bis dahin. Einige Minuten später, nach dem Bezahlen wärend wir den soeben gekauften Rivaner in Kofferraum ihres Autos verstauten kamen wir auf Schorle zu sprechen. In diesem Zusammenhang meinte die Frau das ein Bekannter von ihr gerne Müller Thurgau trinkt und ihn sogar für Schorle verwendet! Dabei verzog sie angewiedert ihr Gesicht, schüttelte sich und meinte dann das sie selber Müller-Thurgau ekelig finde, ihn ganz und gar verabscheue! Wärend sie das sagte schloss sich die Kofferraumklappe langsam über dem Rivaner.

Ich traute mich nicht mehr was zu sagen …

Und ihr so? Was macht ihr in solchen Situationen?

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Neue Weinbehörde

Wie aus einschlägigen Kreisen derzeit zu hören ist,soll in Kürze eine neue Weinbehörde an den Start gehen. Die neue Behörde wird den Namen Bundesgerichtshof für Wein tragen und sich mit kriminellen Machenschaften der Winzerschaft befassen. Besondere Aufmerksamkeit bekommt demnach die Abteilung, Verleumdung, Falschaussage, üble Nachrede, denn laut Gerichtspräsident Weinlaub scheint hier hoher Handlungsbedarf und Druck zu herrschen.

Die neue Behörde denkt offensichtlich auch über neue Strafen für gewisse Delikte nach, so soll für Webseitenbetreiber die Falschaussage von Zugriffszahlen, das beeinflussen von Klickistatistiken, wieder der gute alte Pranger eingeführt werden welcher vor 180 Jahren abgeschafft wurde. Der Beschuldigte, bzw. der Verurteilte soll mit Leine an einem Nasenring zum Pranger geführt werden an welchem er zur Belustigung des allgemeinen Weinvolkes festgebunden wird. Die Strafe wird in Zukunft am sogenannten Prangertag, im Rahmen der Düsseldorfer ProWein vollstreckt.

Die Betreuung und Verköstigung des Publikumes, wowie die Aufstellung des Prangers wird die Vereinigung der Prangerbetreiber (VDPb) übernehmen. Entsprechende Verträge wurden bereits ausgearbeitet und unterschrieben. Der VDPb wird über den Ablauf des Prangertages in Kürze ein eigenes Bulletin veröffentlichen. Wie bisher bekannt wurde soll der Kartenvorverkauf für den Prangertag 2010 bereits im Herbst 2009 beginnen.

Noch völlig unklar scheint derzeit die Besetzung des höchsten Richterpostens zu sein. Die dafür vorgesehene und angefragte Person aus dem Umfeld der Weinblogger, Weinschreiber- und Forumsszene kommt wohl nicht in Frage da seine Forderung nach „Unfehlbarkeit“ und „uenendliche Liebe und geliebt sein von Allen“ nicht erfüllt werden konnten. Nach zähen und langen Verhandlungen wurden diese für gescheitert erklärt und abgebrochen.

Somit darf man gespannt sein, wer und wann dieses hohe Amt der neuen Weinbehörde einnehmen darf, als Bezahlung soll wohl unter Anderem ein Statistikzuschlag von 125897596628552 Page Impressions Je Arbeitstag zugebilligt werden, was diesen Job natürlich insbesondere für Webseitenbetreiber extremst Attraktiv macht.

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ni ni itschi ni

Das Pärchen stand an der Theke und wußte ziemlich konkret was sie verkosten wollten.
Riesling Kabinett trocken, Weißburgunder Kabinett trocken, Grauburgunder Kabinett trocken und Schwarzriesling trockensollten es sein.
Ein Wein nach dem anderen probierten sie, ich hatte das Gefühl das sie sich sehr gut auf ihrem Besuch vorbereitet hatten, oder wie sich später herausstellte unsere Weine bereits kannten.

Ich stand nur da und hörte zu, wie sich zwei Menschen in einer mir völlig fremden Sprache über den gerade eingeschenkten Wein unterhielten. Sie waren Asiaten aber nicht Japaner, Chinesen oder Koreaner. Es klang völlig anders.

Ich denke einmal das sie über den Wein sprachen, oder sprechen die über mich?

Ein grummeln unterbricht die Stille im Verkaufsraum, die Asiatin lacht schallend auf, sie hält sich die Hände vor den Bauch denn der hat gerade laut geknurrt und seinen Unmut darüber geäußert sich nun mit flüssigem statt mit einem ordentlichen Mittagessen beschäftigen zu müssen. Es war ihr extrem peinlich, mußte aber nicht ich hatte auch Hunger, es war Mittagszeit.

Inzwischen sind sie mit der Verkostung beim Rotwein angekommen, die Frau macht dem Mann offensichtlich einen Vorschlag und zeigt auf der Preisliste auf die verkosteten Weine und bei jedem Wein spricht sie Worte die ich nicht verstehe, ich höre nur – beim Grauburgunder klingt es anders.

ni, ni, itschi, ni.

Gut möglich das sie sagt Continue reading

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Ökologisches Inferno

Es ist kühl als mich mein Kumpel in den Weinberg führt, er will mir was zeigen.

Bereits aus der Ferne kann auch der ungeübte erkennen, mit diesen Rebstöcken stimmt etwas nicht. Je näher wir diesem Weinberg kommen erwarte ich den stechenden Gestank von faulen, verrotteten sich zersetzenden, verwesenden Trauben. Nichtsdergleichen erreicht jedoch meine Nasenflügel. Liegt wohl daran das die Trauben verreckt sind bevor Zucker in den Beeren eingelagert wurde.

Betritt man diesen Weinberg hat man das Gefühl es verdunkelt sich der Himmel, die Temperatur sinkt, es bildet sich Gänsehaut an Stirn und Armen, die Nackenhaare sträuben sich. Angstschweiss bildet sich und instinktiv geht man über in eine Abwehrhaltung, die Muskeln spannen sich. Nichts, wirklich nichts möchte man hier berühren, es könnte ja was hängen bleiben und man schleppt es in den eigenen Weinberg ein, dieses elendige dreckige ökologische, natürliche, für Reben todbringende Bazillenzeugs oder was es auch immer ist was in dieser Ausgeburt der Hölle verkleidet als Weinberg tobt.

samenbruch_1.jpg

Der Tod zeigt seine Visage, gräulich, fade, schaal und leblos. Alles farbige, bunte und lebendige wird brutal unterdrückt. Vor sich hinsiechende nur noch schwach vegetierende Rebstöcke. Ein letztes aufbäumen, die Blätter verfärben sich, dann Continue reading

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Traubenfieber und Winzerreflex

Wenn des Winzers Augen funkeln wissen die Kellermeister das sie die nächsten Tage nicht viel zu lachen haben.

Wenn während der Erntezeit bei Winzern die Augen beginnen zu strahlen, zu funkeln oder zu glänzen, ist das ein sicheres Anzeichen von Traubenfieber. Traubenfieber ist genetisch bedingt und daher bekommen nur Winzer das Traubenfieber.
Die Symptome für Traubenfieber sind recht einfach zu deuten:

  • Der Winzer hat fast immer einen Eimer und eine Traubenschere in der Hand, die Alternative dazu ist der Traubenvollernter.
  • Die Augen des Winzers erfassen wie ein Scanner alle Gegenstände die rund sind und einen Durchmesser von ca 1-2 cm haben. Automatisch greift er danach, unter Medizinern spricht man dann vom so genannten Winzerreflex. Neueste Untersuchungen belegen das der Winzerreflex in direktem Zusammenhang mit dem Traubenfieber steht.

Sind diese Kriterien erfüllt, weiß man als Kellermeister das die nächsten Tage hart werden, es kommen Trauben, Berge von Trauben, die Nächte werden lang und länger.

Das Traubenfieber der Winzer hat aber auch was gutes für die Kellermeister. Das Winzerfieber hält nur wenige Tage und ist in der Regel mit dem Abernten der letzten Trauben erledigt. Somit wissen wir Kellermeister, das Ende der ERnte kann nicht mehr Fern sein!

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Weinrallye #2 – zum probieren gezwungen

weinrallye_200.jpgDie 2. Weinrallye wird ausgerichtet von Weinverkostungen.de. Das Thema lautet MustTaste Weiss unter 10 Euro, genaueres zum Thema kann HIER nachgelesen werden. Wer sich für die Weinrallye interessiert kann sich HIER informieren wie es geht, wer gerne einmal eine Weinrallye ausrichten möchte ist herzlich willkommen mich zu kontaktieren. Logos zur Weinrallye finden sich HIER.
Ein herzliches Dankeschön an Thomas für das ausrichten der Weinrallye 2.

MustTaste – zum probieren gezwungen

Der in der Geschichte beschriebene Wein hat 1984 laut Preisliste 19.- DM/0,375l (9,71 Euro 🙂 ) gekostet und ist heute leider nicht mehr zu haben. Darum ist es auch nicht mehr ganz so wichtig woher und aus welcher Lage er stammt.

Must taste? Ich interpretiere den Begriff must taste wörtlich und beziehe mich auf eine Begebenheit die mir zu meiner Ausbildungszeit wiederfahren ist und wie sie noch heute täglich in Weinkellern vorkommt, es geht um das Abschmecken.
An sich nichts Besonderes, aber tut man es zum ersten Male, kann es schon aufregend sein. Continue reading

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Winzerlatein

Pivu hat einen schönen Artikel online gestellt der vom Winzerlatein handelt.

Nun muss man wissen, das diese Eigenschaft, Winzerlatein zu produzieren Winzern angeboren ist.
Damit ist auch klar, warum Winzerlatein vom Winzer authentisch ist und von einem Nichtwinzer eben nicht!!
Winzer können Weine beschreiben die sie nie verkostet haben. Winzer können selbst dem schlechtesten Weinen positive Eigenschaften abgewinnen, vorausgesetzt sie haben ihn selber produziert 🙂
Winzer leben davon das man ihnen glaubt, darum erzählen sie Geschichten. Das das manchmal „Experten“ zu weit geht muss man in Kauf nehmen, das ist aber egal, denn die „Experten“ richten sich ja ohnehin nach irgenwelchen Punkten die irgendjemand vergeben hat.

Denken wir nur daran im Restaurant zu sitzen und eine Weinkarte vor sich zu haben in der nur unbekannte Winzer stehen, zudem spricht die Bedienung kein Deutsch. Was soll man da bestellen? Da können tolle ausschweifende Weinbeschreibungen vom Winzer erstellt sehr hilfreich sein!!
Viele Menschen kennen sich nicht aus mit Wein und brauchen solche Hilfen wie die Weinbeschreibungen damit sie sich besser Entscheiden können.
Der eine schaut auf die Weinbeschreibungen und der andere guckt nach den Preisen. Bewertungspunkte großer Weingurus sind in der Regel nicht in Weinkarten abgedruckt und einen Hotspot um mal schnell online Verkostungsnotizendatenbanken gefüllt mit Verkostungsnotizen längst vergangener Jahrgänge unbekannter Weingüter abzurufen gibt es nicht.

Man stelle sich nur einmal vor, die Bundesregierung erläßt ein Gesetz das Winzerlatein verbietet, dann müßten Dinge gesagt werden wie:

  • Wir ernten mit der Maschine, Handarbeit ist nur das Tanken des Vollernters
  • Wir haben elektrisches Licht im Weinkeller, die Kerzen sind nur Show
  • Öko ist cool weil es sich gut verkaufen läßt
  • Auf dem Etikett stünde: Dieser Wein ist Fehlerhaft
  • usw…

Da hätten nicht alle Spass daran ….
Das schlimmste aber was die Abschaffung des Winzerlateins mit sich bringen würde, es gäbe keine Jahrhunderjahrgänge mehr!! Die wären weg, einfach verschwunden. Da würde uns allen doch etwas fehlen 😉

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Wenn Engel Geschichten erzählen…

… kann man sich getrost zurücklehnen, an einem leckeren Weißburgunder nippen und dem Engelchen zuhören.

Pfälzer Engel.jpg

Mir ist heute etwas ganz Besonderes wiederfahren, ich habe einen Engel gesehen. Nun, wenn der Winzerblogger Engel sieht, dann fliegt der Engel nicht durch die Gegend, sondern er sitzt auf einen Weinfass und erzählt Weingeschichten.

Wenn dann eine der Geschichten noch aus dem Winzerblog stammt, dann bekommt das bloggen plötzlich eine neue Dimension. Aus der virtuellen Welt in die reale Welt, gekonnt und professionell vorgetragen von Anja Kleinhans, mit Publikum, Wein und Applaus, ein echter Genuss durch und durch.

Ich habe es zutiefst genossen und bedanke mich für die Anerkennung die mir damit wiederfahren ist. Das Gefühl spielt Karussel, es erinnert mich an Zeiten als ich Volkstheater spielte und Applaus bekam – aber es war schöner, denn für mich gab es kein Lampenfieber.

Toll, mag man sich denken, so what? Aber das Leben spielt sich nicht im Internet ab sondern da draussen, z.B. in Freinsheim im Theader. Ich weiß jetzt das das Winzerblog gelesen wird, jenseits von Web 2.0, Feedreader, Trackbacks und Pageviews usw.

Wieviele A-Blogger können wohl von sich behaupten jemals echten Applaus bekommen zu haben? Ich bin Volksblogger und als solcher ist mir das BloggerAlphabet so ziemlich egal 🙂
Links zum Thema:

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A visit to Amerika

In june I got a invitation to visit the facilitys of the US-army in Heidelberg. Well, that was nice, so I got my car and drove to the Headquarter for the meeting. But is wasn’t that easy!

Allready 300 meters away of the buildings I got remerbered to times, when in Old Europe bordercontrolls were normal. So I drove to the building and got stopped by a soldier who checked my car and wantet to see my passport.

So far no problem.

But now I have been told by the soldier:

Sorry Sir, your passport is expired, I can’t let you in.

Wow, I really had forgotten about this! So I said to the Soldier: I’m sorry about this, but still the passport tells you who I am and where I’m living!!

Than I got the message I never will forget:

Sorry Sir, but for us Americans you are not even existing without a valid passport.

Yes, I am just 4 minutes cardrive away from my home and it is impossible to enter this place? Even worse, I’m not existing?
I asked the soldier, if it is possible to phone my host and tell him about my problems, but the answer was:

Sorry Sir, you are not existing, so you can’t make a phonecall.

By this time he was laughing like me about this situation, of course my car was packed with wine, I don’t look like a terrorist, but this are the rules.

Finally yesterday I managed another date, and everything worked nicely. My passport is valid for the next 10 years, further winetastings ore other meetings in little-USA shouldn’t be a problem any more.

It is fascinating, you enter this „border“ and you are right away in the USA!! Different people, different food, different restaurants, different prices (no VAT, but I’m not allowed to buy anything 🙁 ) and very nice people. It is really like visiting an other country.

This ist written in english, of course I promised the passport-checking-soldier to blog about this nice story.

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Kork – die emotionale Dimension

Hunderte Foren, unzählige Blogs, überall wird diskutiert wann endlich der Kork ausgedient habe und neue Alternativen den Weg auf die Flasche finden.

Ich persönlich befinde mich diesbezüglich noch in der Meinungsbildung, wobei diese natürlich anders abläuft als beim Konsumenten.

Jenseits aller Argumente entdeckte ich vergangenen Freitag, ein mir bis dahin unbekanntes Argument für die Verwendung von Kork. Zugegeben, ein sehr Emotionales Argument. Continue reading

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Nacktfotos im Weinberg

Wie mir gerade ein Weinbergarbeiter mit leuchtenden Augen erzählte, hat sich wohl ein Fototeam mit den den entsprechenden Models bei uns im Silvanerweinberg verabredet um Nacktfotos zu machen. Er war offensichtlich so fasziniert von den Mädels, das er dabei völlig vergas nachzufragen, für welches Magazin oder was auch immer diese Aufnahmen gemacht werden.

Ich vermute dahinter eher eine ein privates Vergnügen, denn ein Profi-Foto-Shooting hätte sich sicherlich angemeldet, dann hätte ich auch den Weinkeller als zusätzliche Location anbieten können 🙂

Manchmal beneide ich die Jungs die im Weinberg arbeiten.

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Merkwürdige Weinberater

Wenn jemand bei uns im Weingut ein Fest ausrichtet braucht er Wein, um den auszusuchen kommen die Leute vorbei. Im Rahmen einer Beratung mit Weinprobe fällt dann meist die Entscheidung zur Weinauswahl recht schnell und zügig.

Komplinziert und langwierig wird es nur, wenn die Festausrichter Freunde mitbringen die sich offensichtlich mit Wein auskennen. Geht die Weißweinauswahl noch zügig vonstatten, gestaltet sich die Auswahl der Rotweine problematisch. So hatte ich gestern folgende Kommentare der Amtlich nicht anerkannten Weinberaterin.

St.Laurent trocken – „Der Wein ist flach“
Dornfelder trocken – „Nichtssagend“
Portugieser trocken – „Könnte was sein aber zu schwach“
Schwarzriesling trocken – „zu leicht“
Spätburgunder trocken – „zu jung“

Innerlich war ich am kochen, freundlich fragte ich, was sie denn für Vorstellungen an Rotwein hat? Zur Antwort bekam ich:

„Spanischer Rotwein, trocken und superschwer, ihre Weine sind mir vor allem nicht trocken genug“

Es brodelt in mir, denn alle diese Weine sind Knochentrocken, zugegeben nicht herb, denn wo soll ein St.Laurent Gerbstoff herhaben? Die Dame hatte einfach keine Ahnung.

Ich muß die Beraterin ausschalten und gehe es an wie folgt:
„Probieren sie doch den einmal, vielleicht trifft das Ihren Geschmack?“ Ich schenke ein und behalte die Flasche so in der Hand das keiner sieht was es ist.
Die Weinberaterin ist begeistert und gibt ihren Freunden ein geheimes Zeichen, das sie sich für diesen Wein entscheiden sollen. Im Moment ist sie der Meinung mich gezwungen zu haben etwas ganz aussergewöhnliches aus dem Keller hervorzuholen. Sie hat ja so Recht 🙂
Mit Freuden stelle ich den Schwarzriesling halbtrocken auf den Tisch, mit der freundlichen aber bestimmten Bemerkung die ich mir nicht verkneifen kann: „Soviel zum Thema trocken“

Damit war der Weg frei mit den eigentlichen Leuten, denen ursprünglich der Dornfelder mit am besten geschmeckt hat, die Auswahl festzulegen. Diese hatten nun erkannt das sie sich letzlich auf ihren eigenen Geschmak verlassen müssen. Sie haben sich für den halbtrockenen Schwarzriesling entschieden, ergänzt durch einen Dornfelder. Die Gäste werden Dankbar sein für diesen trockenen leichten Rotwein!!

Genau das gleiche Spiel hatte vergangene Woche mit einem Weinberater der vornehmlich Italienische Rotweine trinkt. Continue reading

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Das Duell, die etwas andere Weinprobe

Letztlich in der Hofa Heidelberg, hatte ich im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung die Ehre gemeinsam mit dem dortigen Lehrer der Sommeliers, Herrn Mikolasek, gemeinsam eine Weinprobe/Seminar abhalten zu dürfen.

Nun, das ist an sich nichts Besonderes, zumal wir eine ausgesprochen freundliche Gruppe vor uns hatten. Die Zeit war knapp, so war alles bereits zu Ende, als wir beide uns gerade warm geredet hatten. Wir verstanden uns glänzend und ich hoffe auf Wiederholung 🙂

Ich habe schon öfters festgestellt, das Weinproben die zu zweit gehalten werden für die Moderatoren und die Gäste einen ganz besonderen Kick haben. Zum einen werden Monologe vermieden, es entsteht Abwechslung, die Weinprobe wird interessanter. Kennt man sich ein wenig, kann man sich regelrecht Bälle zuwerfen. In unserem Fall im Weingut wird der ewige Streit zwischen Kellermeister und Winzer, oder Chef und Angestellter thematisiert. An sich eine Ausbaufähige Sache, aber natürlich kaum kalkulierbar, denn 2 Fachkräfte in einer Weinprobe sprengen jede Kalkulation.

Als ich in der Hofa war, kam mir der Gedanke, wie es wohl wäre zwei Winzer mit jeweils gleichen Weinsorten aufeinander loszulassen. Das könnte sehr interessante Effekte hervorbringen, zumal man Angesichts der Kompetenz des anderen Winzers keine oberflächlichen Weisheiten von sich geben wird.

Wäre nicht folgendes Szenario denkbar:
Winzer A will ein Restaurant beliefern, das bereits von Winzer B beliefert wird.
Winzer A fordert nun Winzer B zu einem Duell, der Wirt und seine Leute probieren, sehen, hören und entscheiden dann wer zukünftig liefern soll.
Der Verlierer packt seinen Wein und geht Nachhause. Der Gewinner darf ab sofort das Restaurant beliefern.

Aber nein, das wäre ja fast wie Deutschland sucht den Superwinzer. Lieber nicht…
Winzer kämen aus allen Löchern gekrochen, um den Korken als Ersatz für den Fehdehandschuh auf die Tische der Restaurants zu werfen. Gutgehende Restaurants würden wöchentlich Weinduelle veranstalten, weil sie und ihre Kunden Spass daran gefunden haben. Dann, irgendwann kommen die Winzerinnen…dann hätte meineiner keine Chance mehr. Gegen deren Charme ist kein Kraut gewachsen.

Das ist wirklich Unfug so ein Duell. Oder?

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Gedanken zum Thema Weinbewertung

Nach vielversprechenden Vorproben und Degustationen mit Sommeliers, Weinführerherausgebern und Kollegen haben wir unsere 2003er Barriqueweine beim Hamburger Weinsalon vorgestellt. Die Reaktionen dort waren einfach nur toll. Für den Spätburgunder gab es in Hamburg immerhin einen „Grand Prix“ und für unseren Schwarzriesling Barrique und unser Cuvée Gaudeamus (Schwarzriesling und Spätburgunder) jeweils ein „highly recommended“. Am schönsten jedoch die Reaktionen vieler Messebesucher, die waren in der Regel überrascht und die Meistgestellte Frage war: „Sie wurden noch nie für ihre Rotweine ausgezeichnet?“ oder „wie kommt es, das sie mit solchen Weinen in keinem Weinführer gelistet sind?“
Sogar der an diesem Wochendende sehr gestresste Mario Scheuermann hat uns noch einmal ausdrücklich für den Spätburgunder gelobt. Ihn beeindruckte vor allem, das der mächtige Alkohol von 15 % Volumen wunderbar in den Wein eingebunden ist. Natürlicher Alkohol wohlgemerkt!!
Und dann, ja dann kam das Ergebniss von Wein-Plus, ein Ergebniss, das ich in keinster Weise nachvollziehen kann und das habe ich an den dortigen Stellen auch zum Ausdruck gebracht.

Dennoch habe ich mir viele Gedanken gemacht, woher diese enormen Diskrepanzen bei Weinberwertungen herkommen. Ich unterstelle jedem das er das Beste im Wein sucht und will. Das ein Weinführer einen von mir persönlich als überdurchnittlich angesehen Wein abwertet, muß ich akzeptieren, verstehen muß ich es nicht, würde es aber gerne. Darum hier einge Gedanken zum Thema Weinbewertung. Aber Bitte, es sind nur Gedankenspiele, nicht mehr….

Wie kann es sein, das ein Wein der in Baden zur Prämierung zugelassen ist, in Hamburg einen Grand Prix gewinnt, wohl auch Einzug im wichtigsten Print-Weinführer finden wird, bei einem anderer Führer nur 71 Punkte bekommt? Also gerade einmal trinkbar aber auch nicht mehr?
Ich weiß es, Weinprobieren hat doch etwas mit Geschmack und Vorlieben zu tun. Es gibt halt nur ganz wenige die diese persönlichen Vorlieben beim Weinverkosten komplett ausschalten können. Ich kann es nicht, darum bin ich auch kein Weinführer geworden sondern was anderes. Ich bin durchaus in der Lage zu akzeptieren, das jemandem diese Weine nicht schmecken, bei einer Bewertung sollte dies allerdings keine Rolle spielen.

Hier liegt eine entscheidende Schnittstelle zwischen einem der über Wein schreibt und einem der Wein bewertet. Derjenige der über Wein schreibt besucht Weingüter, die Regionen und bildet sich eine Meinung. Die kann er frei formulieren, weil er nicht den Anspruch erhebt zu Führen, sondern er will Informieren. Der Führer hingegen sitzt vor dem Glas Wein und soll bewerten nach Kriterien die reduziert sind auf das, was sich im Glas vor ihm befindet. Womöglich weiß er nicht einmal was er probiert und woher es kommt.

Die alles entscheidende Frage wird HIER gestellt zu Recht.
Alle Welt redet von Terroir, aber wie bitte soll das einer bewerten wenn er es nicht kennt?

Soll man einen Wein schlechter bewerten weil er etwa 15 % Volumen hat, obwohl es unter den Umständen des Jahrganges gar nicht anders möglich war? Warum wird eine 2000er Kollektion eines Winzers als schlecht beschrieben obwohl alle wissen, welche Probleme der Jahrgang mit sich brachte? Kann es sein, das das Pech höherer Niederschläge in einem Bereich dazu führt, einen Winzer für seine ganze Kollektion zu kritisieren?

Wenn das alles keine Rolle spielt, dann bitteschön, werden alle Winzer und Kellermeister in Zukunft Kugelrunde Weine produzieren, die den Gaumen streicheln, Ecken und Kanten darf er auch nicht haben, und bitte, das Wort Charakter sollte tunlichst in Zusammenhang mit Wein nicht mehr erwähnt werden. Die Großkellerei läßt grüßen!! Egal ob USA oder Deutschland.

Da wir keine Limonade produzieren, müssen Zwangsläufig Dinge wie Jahrgang, örtliche Begebeneheiten, Betriebsphilosphie eine Rolle spielen. Haben wir nicht alle schon einmal dieses herrliche Phänomen erlebt, in Italien unter einer Pergola zu sitzen, im Glas den besten Wein der Welt? Zuhause angekommen, entpuppt sich dann dieser als recht einfältig und dünn?

Des Rätsels Lösung: Es geht um Gefühle

Warum sonst, wird in der ganzen Genusswelt, der Gastronomie Beispielsweise, der komplette Eindruck bewertet? Von der Speisekarte, über die Tischdeko, der Service und natürlich das Essen. Alles findet sich in der Bewertung wieder. Die ganze Gefühlswelt wird erfasst und berücksichtigt. Zugegeben, auch das ist offensichtlich nicht ganz einfach. Fakt ist, ein Koch der Sterne will, muß ein Komplettpaket abliefern!

Wäre es für den Kunden nicht wichtig zu wissen, das er einen Top-Service bekommt, immer freundlich bedient und informiert wird? Warum zählt das alles nichts? Was ist mit den Lagen? Ist der Kellermeister Traditionell arbeitend oder eher der Moderne zugewandt? Betriebsphilosphie eine leere Worthülse?
Ich glaube der Weinführer der nächsten Generation wird diese Dinge wieder stärker berücksichtigen, denn was hilft es, das irgendjemand einem Wein 99 Punkte vergibt, der Winzer aber ein unausstehlicher, unfreundlicher Zeitgenosse ist, der seine Kunden lediglich abzockt und die Weine einem Regelrechten Design unterwirft um diese Punkte zu erhalten? Vielleicht sogar Flaschenweise?

Winzergleichniss:
Ich nehme eine Flasche Wein, schlage den Flaschenhals an der Bordsteinkante ab und schenke den Wein in ein Glas ein. Danach greife ich mit meinen Fingern in das Glas, ziehe ein paar Splitter heraus und serviere es nun dem Gast.

Dem nächsten Kunden serviere ich den gleichen Wein, stielvoll, mit Kerze, Dekanter und dem ganzen Zeremoniell drumrum.

Der Wein soll nun beide Male gleich gut schmecken?

Glaubt das wirklich jemand?

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Messeschlampe

Es gibt verschiedene Arten von Ausstellern. Jeder Betrieb muß für sich selber feststellen was am besten zu ihm passt. Manchmal diktieren auch die Gegebenheiten oder das Produkt das Geschehen.

Die Normalen

Die Normalen Aussteller geben sich damit zufrieden hinter ihrem Stand zu stehen und darauf zu warten das sich irgendjemand dafür interessiert was sie anzubieten haben. Das kann mitunter sehr langweilig werden, aber das gehört zum Messealltag. In einer solchen Situation bietet es sich an, zuzuschauen wie eine andere Kategorie der Messeaussteller arbeitet.

Die Messeschlampe

Die Messeschlampe kann nicht still stehen und geht offensiv an die Sache heran. Im Gegensatz zu anderen Ausstellern ist sie sich nicht zu schade billige Kugelschreiber als Werbegeschenke zu verteilen. Ein anderes Merkmal das eine Messeschlampe am Stand ist, ist ein stets deutliches und lautes durch die Messehalle schallendes Gelächter. Die Messeschlampe wird niemals müde jedem den gleichen Witz zu erzählen, um sofort selber in ein ungeheuerliches Gelächter auszubrechen. Das Klischee, das Winzer immer lustig sind und Zoten zum Besten geben, wird von der Messeschlampe gnadenlos und gerne bedient. Die Messeschlampe mischt sich schon einmal inkognito unter die Menschentraube an einem gut besuchten Stand und läßt dort einige Bemerkungen über die sensationellen Weine am eigenen Stand fallen. Der Messebesucher ist begierig auf Gehimtipps und wird dem Ratschlag gerne Folge leisten. Natürlich arbeitet die Messeschlampe auch mit den Methoden der dritten Kategorie von Ausstellern.

Der Aggressive

Die dritte Kategorie, den aggressiven Aussteller, erkennt man am besten daran, das sie es liebt nicht hinter dem Stand zu stehen, sondern sich in gleicher Höhe mit den Besuchern auf der Besucherseite des Standes unterhält. Das ist besonders dann von Vorteil, wenn bekannte Gesichter durch die Hallen schlendern, denn diese bekommen so keine Möglichkeit mehr auszuweichen. Ein Treffen in der Mitte des Ganges ist unvermeidlich. Der Besucher wird abgeholt und bereits auf dem Weg zum Stand mit den neuesten Prospekten und Informationen ausgestattet.

Die Weindrücker

Das ist die Kategorie derjenigen, die vor allem auf Endverbrauchermessen auftreten. Z.B. bei der grünen Woche in Berlin, kann man den Auftritt dieser Kategorie bestens beobachten. Sie treten gerne Rudelweise auf, bilden ein Spalier, jeder Messebesucher der Aufrecht gehen kann wird von den Weindrückern angesprochen. Es ist ihnen dabei völlig egal, wer oder was da an ihnen vorbeiläuft, alles was sie wollen, den auf kostenlose Pröbchen geilen Messebesucher an den Tisch zur „Weinprobe“ zerren. Ist das erst einmal geschafft, treten die Rudelführer in Aktion. Sie sind es, die der schwerhörigen und nahzu blinden Oma eine Palette Quitschsüße Plörre verkaufen. Sie trinken gerne Cola-Rot? Kein Problem, der Rudelführer wird auch hierfür einen passenden Rotwein hervorzaubern. Schorlewein? Aber sicher doch, die Rudelführer haben eine Sonderfüllung Tafelwein, extra billig, nur 1,39 Euros die Literflasche. Egal was das Herz begehrt, den Wein für die Bowle, oder als Ersatz für den Abführtee, die Weindrücker und deren Rudelführer werden entsprechendes im Angebot haben.

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